Biografie

Franz Müntefering

Der Politiker und gelernte Industriekaufmann war vier Jahrzehnten Mitglied der SPD, für die er vor allem in Nordrhein-Westfalen führende Funktionen übernahm. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre positionierte er sich als einer der prominentesten Sozialdemokraten neben Oskar Lafontaine, Rudolf Scharping und Gerhard Schröder an der Spitze der Partei, für die er nach dem Wahlsieg von 1998 zunächst einen Ministerposten und dann das Amt des Generalsekretärs übernahm. Zwischen 1998 und 1999 war Franz Müntefering Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, von 2002 bis 2005 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion sowie von 2004 bis 2005 auch Bundesvorsitzender der SPD. Von 2005 bis 2007 stellte er den Bundesminister für Arbeit und Soziales sowie den Vizekanzler...
Franz Müntefering wurde am 16. Januar 1940 im sauerländischen Neheim-Hüsten als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren.

Müntefering absolvierte von 1954 bis 1957 eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Bis 1975 war er dann als kaufmännischer Angestellter in der metallverarbeitenden Industrie tätig. Das politische Engagement Münteferings begann 1966 mit seinem Eintritt in die SPD. Ein Jahr später wurde er auch Mitglied der IG Metall. Ab 1969 war er für ein Jahrzehnt im Gemeinderat von Sundern vertreten. Müntefering war zunächst für die Jugendorganisation der SPD, die Jungsozialisten (Jusos) tätig. Von 1984 bis 1988 war er Vorsitzender des Unterbezirks Hochsauerland und zugleich bis 1992 stellvertretender Vorsitzender des SPD-Bezirks Westliches Westfalen. 1975 stellte der SPD-Politiker seine berufliche Tätigkeit ein, um seine Partei bis 1992 im Deutschen Bundestag zu vertreten, wo er sich innerhalb der Fraktion für Wohnungsbaupolitik einsetzte.

Zu Beginn der 1990er Jahre trat Müntefering in die Fraktionsführung ein, 1991 wurde er Mitglied des Parteivorstands der SPD. Im Sommer 1992 wurde Müntefering zum Vorsitzenden des SPD-Bezirks Westliches Westfalen berufen. Gegen Jahresende trat er als Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in die NRW-Landesregierung unter Ministerpräsident Johannes Rau ein. 1995 wechselte Müntefering erneut nach Bonn, wo er nun zum Bundesgeschäftsführer seiner Partei erhoben wurde. Zugleich war er weiterhin im nordrhein-westfälischen Landtag vertreten. Ebenfalls 1995 heiratete Müntefering Ankepetra Rettich. Aus erster Ehe stammen zwei Töchter. Als Bundesgeschäftsführer war Müntefering wesentlich für die Vorbereitungen des Bundestagswahlkampfes 1998 verantwortlich, für den er mittels einer effizienten Wahlkampfzentrale und Kommunikationsstruktur eine professionelle Kampagne entwarf.

Im Mai 1998 rückte Müntefering als Nachfolger von Johannes Rau in den Vorsitz der nordrhein-westfälischen SPD nach. Im selben Monat wurde er vom Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder in dessen Schattenkabinett aufgenommen. Nach den Bundestagswahlen vom September 1998, die zur Bildung einer rot-grünen Regierungskoalition unter Schröder führten, zog er als Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen in das Kabinett ein. In dieser Funktion war er für die erfolgreiche Organisation des Regierungsumzugs nach Berlin und indirekt auch für die Umstrukturierungen bei der Deutschen Bahn AG verantwortlich, zu deren neuem Vorstandsvorsitzenden er Hartmut Mehdorn berief. Im September 1999 wurde Müntefering in das neugeschaffene Amt des SPD-Generalsekretärs berufen. Noch im selben Monat schied er als Bundesminister aus.

Als Generalsekretär der SPD sorgte er in den folgenden Jahren der Legislatur für die notwendige Koordination zwischen Kanzleramt, Bundestagsfraktion und Partei. Nachdem die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder durch die Bundestagswahlen vom September 2002 für eine weitere Amtsperiode bestätigt worden war, wurde SPD-Generalsekretär Franz Müntefering zum Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion ernannt. Am 21. März 2004 wurde er zum SPD-Vorsitzenden in Berlin gewählt. Er löste damit Gerhard Schröder als SPD-Parteichef ab. Müntefering erhielt 95,1 Prozent der Stimmen. Schröder und Müntefering legten sich bei dem Sonder-Parteitag auf eine Fortsetzung der SPD-Reform-Politik fest. Nach der erfolgreichen Umsetzung der als "Hartz IV" bezeichneten Arbeitsmarkt- und Sozialreform, löste der SPD-Chef im April 2005 eine Debatte über neokapitalistische Auswüchse in der deutschen Wirtschaft aus.

Nachdem durch die Reformen von Seiten der Politik und der Arbeitnehmer entsprechende Vorleistungen erbracht worden waren, wurde nun das Unternehmertum in der Kapitalismus-Debatte an seine soziale Verantwortung erinnert. Bei den vorgezogenen Bundestagswahlen vom 18. September 2005, konnte Gerhard Schröder für die SPD, trotz anfänglich schlechter Prognosen, mit 34,3% der Stimmen ein beachtliches Ergebnis erzielen. Demgegenüber erreichte die CDU/CSU mit 35,2% nur einen knappen Vorsprung, während die FDP mit 9,8% und die neue Linkspartei mit 8,7% zu den eigentlichen Gewinnern der Wahl zählten. Da FDP-Chef Guido Westerwelle ein Zusammengehen mit der SPD und den Grünen strikt ablehnte und seine Partei wegen des schlechten Abschneidens der CDU auch keine regierungsfähige Koalition mit den Konservativen bilden konnte, blieb als einzige Möglichkeit nach der Wahl die Option der Großen Koalition.

Obwohl Angela Merkel eines der schlechtesten Bundestagswahlergebnisse für die CDU erzielt hatte, erhob sie von Beginn an den Führungsanspruch über die Große Koalition. Kurz nach der Wahl wurde Müntefering am 20. September 2005 zunächst als Fraktionsvorsitzender der SPD bestätigt. Im Zuge der Bildung der Großen Koalition Mitte Oktober 2005 ging diese Funktion zunächst auf den vormaligen Verteidigungsminister Peter Struck über. In der Großen Koalition übernahm Müntefering an der Seite Merkels das Amt des Vizekanzlers. Außerdem wurde er zum Arbeits- und Sozialminister berufen. Auf dem Bundesparteitag in Karlsruhe am 15. November 2005 wurde Matthias Platzeck mit einem Ergebnis von 99,4 % Stimmen zu seinem Nachfolger im Amt des Parteivorsitzenden der SPD gewählt.

Am 13. November 2007 kündigte Franz Müntefering überraschend seinen Rücktritt von seinen Ämtern als Bundesarbeitsminister und Vizekanzler zum 21. November 2007 aus familiären Gründen an. Im Spätsommer 2008, wenige Wochen nach dem Tod seiner Frau, kehrte er in die Politik zurück, um die SPD im Vorfeld der anstehenden Landtags- und Bundestagswahlen zu unterstützen. Nach dem Rücktritt von Kurt Beck am 7. September 2008 wurde er dessen designierter Nachfolger als SPD-Vorsitzender. Am 12. Dezember 2009 heiratete er die Kinderpflegerin und Journalistin Michelle Schumann. 2012 teilte er mit, bei der Bundestagswahl im Herbst 2013 nicht mehr kandidieren zu wollen. Am 27. April 2013 wurde er ehrenamtlich Präsident des Arbeiter-Samariter-Bundes. Im Sommer 2013 verabschiedete er sich vom Deutschen Bundestag, dem er seit 1975 angehört hatte.

NameFranz Müntefering

Geboren am16.01.1940

SternzeichenSteinbock 22.12 - 20.01

GeburtsortNeheim-Hüsten (D).