Biografie

Ursula Engelen-Kefer

Die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin war seit 1970 für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) tätig. Als anerkannte Expertin für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, stellte Ursula Engelen-Kefer von 1990 bis 2006 die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) und die Vorsitzende des Verwaltungsrats der Bundesagentur für Arbeit. In dieser Funktion vertrat die Sozialdemokratin eine kritische Position gegenüber den Arbeitsmarkt- und Sozialreformen, die ihre Parteifreunde seit der rot-grünen Regierung 1998 anstrebten. Darüber hinaus war sie bis Ende 2006 alternierende Vorsitzende des Vorstandes des Deutschen Rentenversicherung Bunds...

Bedeutende deutsche Wirtschafts- und Gewerkschaftsfunktionäre
Ursula Kefer wurde am 20. Juni 1943 in Prag geboren.

Ihr Vater war im von Hitler-Deutschland besetzten Tschechien als Wirtschaftsprüfer tätig. Nach Kriegsende wechselte die Familie nach Düsseldorf, wo Kefer zur Schule ging und das Abitur machte. 1962 nahm sie ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Köln auf, das sie 1967 mit dem Diplom abschloss. 1970 folgte die Promotion. In der Zwischenzeit hatte sich Kefer 1967 mit dem Wirtschaftsjournalisten Klaus Engelen verheiratet und mit ihm einige Zeit in New York verlebt, wo sie als freie Mitarbeiterin für deutsche Zeitungen arbeitete. Sie wurde Mutter von zwei Kindern.

Nach Deutschland zurückgekehrt, trat Engelen-Kefer 1970 in das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in Düsseldorf ein, das dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) untersteht. Dort war sie für das Referat Arbeitsmarktanalyse und Arbeitsmarktpolitik zuständig. 1972 trat Engelen-Kefer außerdem in die SPD ein. Zwei Jahre später wurde die kompetente Wirtschaftsexpertin in die DGB-Zentrale berufen, um dort das Referat für Internationale Sozialpolitik zu leiten. 1978 trat Engelen-Kefer als DGB-Vertreterin in den Vorstand der Bundesanstalt für Arbeit ein. 1980 wurde sie außerdem als Leiterin der Abteilung Arbeitsmarkt in den DGB-Bundesvorstand berufen.

Neben ihrem Engagement in deutschen Gewerkschafts- und Wirtschaftseinrichtungen war Engelen-Kefer seit 1974 auch auf europäischer Ebene tätig, wo sie bis 1982 im Beratenden Ausschuss des Europäischen Sozialfonds vertreten war und von 1978 bis 1986 im Wirtschafts- und Sozialausschuss der EU saß. Auf der eigentlichen politischen Bühne spielte Engelen-Kefer 1983 eine Rolle, als sie sich an der Seite des SPD-Kandidaten Björn Engholm im Wahlkampf zu den schleswig-holsteinischen Landtagswahlen engagierte, die allerdings für die SPD ungünstig verliefen. 1986 trat sie in den SPD-Bundesvorstand ein, in dem sie seither vertreten ist.

Mitte 1984 wurde Engelen-Kefer zur Vizepräsidentin der Bundesanstalt für Arbeit ernannt. In dieser Funktion wirkte sie bis 1990 maßgeblich an der Konzeption und Entwicklung der Arbeitsmarktpolitik mit. Engelen-Kefer wurde im Mai 1990 auch zur stellvertretenden Vorsitzenden des DGB erhoben. In dieser Funktion wurde sie immer wieder bestätigt. Im Vorstand des Dachverbandes war sie für das Ressort Internationale Sozialpolitik und die Bereiche Arbeitsmarktpolitik, Arbeitsrecht und Frauen zuständig. Infolge des überraschenden Tod des DGB-Vorsitzenden Heinz-Werner Meyer Anfang Mai 1994 wurde Engelen-Kefer mit der vorübergehenden Geschäftsführung beauftragt.

Obwohl sie bereits von verschiedenen gewerkschaftsinternen Seiten als Nachfolgerin Meyers gehandelt worden war, entschied sich der DGB-Vorstand für Dieter Schulte. Unter dem neuen Vorsitzenden des Dachverbandes blieb Engelen-Kefer stellvertretende Vorsitzende des DGB. In der Folge profilierte sie sich in dieser Funktion vor allem als Vorkämpferin für die Rechte der Arbeitnehmer und für die Erhaltung der sozialen Systeme, die durch die Sparpolitik zunächst der letzten Regierung Helmut Kohls 1994 bis 1998 und dann auch der nachfolgenden Legislaturen unter Gerhard Schröder ab 1998 deutliche Beschneidungen erfuhren.

Im Jahr 1997 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse ausgezeichnet. Infolge der Krise, in welche die Bundesanstalt für Arbeit zu Jahresbeginn 2002 aufgrund fehlerhafter Abrechnungen und manipulierter Vermittlungsbilanzen geriet, kam es zu einer tiefgehenden Umstrukturierung der Behörde, deren Chef Bernhard Jagoda zurücktreten musste. Engelen-Kefer blieb jedoch als alternierende Vorstandsvorsitzende der Bundesanstalt in ihrer Funktion. Zum Jahresende 2002 wurde Engelen-Kefer auch in die so genannte "Rürup-Kommission" berufen, die bis August 2003 u.a. nach den Vorschlägen von Peter Hartz eine grundlegende Reform der Arbeitsmarktpolitik und der Sozialsysteme beriet.

Den Ergebnissen und Vorschlägen der Kommission stimmte sie jedoch nicht zu. Im Zuge der Umstrukturierung der ehemaligen Bundesanstalt für Arbeit wurde sie zur Vorsitzenden des Verwaltungsrats der nun als Bundesagentur für Arbeit titulierenden Behörde ernannt. In einer von Beobachtern "Kampfabstimmung" genannten Wahl um den Posten als stellvertretende Vorsitzende, unterlag Engelen-Kefer auf dem DGB-Bundeskongress in Berlin am 23. Mai 2006 Ingrid Sehrbrock, die von den Vorsitzenden der acht Einzelgewerkschaften vorgeschlagen worden war.


Bedeutende deutsche Wirtschafts- und Gewerkschaftsfunktionäre

NameUrsula Engelen-Kefer

Geboren am20.06.1943

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortPrag (Tschechien)