Biografie

Jean-Paul Sartre

Der französische Philosoph, Schriftsteller und politische Journalist gilt als der bedeutendste und repräsentativste französische Intellektuelle des 20. Jahrhunderts. Nach dem Zweiten Weltkrieg avancierte er mit enormer Popularität zur Integrationsfigur des Existenzialismus. Jean-Paul Charles Armard Sartre vermittelte seine Philosophie in zahlreichen Dramen, Drehbüchern, Romanen und Essays. Erste Einsicht in seine Weltanschauung über Sinn, Existenz und Freiheit gab Sartre 1938 mit "Der Ekel" (dt. 1949). Mit der Abhandlung "Das Sein und das Nichts" (1943, dt. 1962) legte er in brillanter Vormuliehrung seine grundlegende Position dar. Politisch setzte sich Sartre u.a. mehrfach für die revolutionären Bewegungen in der sogenannten "Dritten Welt" ein und wandte sich 1977 gegen die Isolationshaft der Mitglieder der Terror-Gruppe Rote Armee Fraktion (RAF)...

Die Studenten- und Protestbewegung von 1966-1975: Vordenker, Aktivisten, Idole
Jean-Paul Charles Armard Sartre wurde am 21. Juni 1905 in Paris als Sohn des Marineoffiziers Jean-Baptiste Sartre geboren.

Seine Mutter war eine Nichte Albert Schweitzers und deutsch-elsässischer Herkunft. Der Vater starb schon 15 Monate nach seiner Geburt an Gelbfieber, einer Tropenkrankheit. Die Mutter heiratete nach dem Tod seines Vaters erneut. Unterrichtet wurde Sartre von wechselnden Privatlehrern, bis er als 10-Jähriger an das prestigeträchtige Gymnasium Lycée Henri IV kam. 1917 heiratete seine Mutter erneut und zog mit ihm zu ihrem neuen Mann nach La Rochelle. 1920 kehrte er nach Paris zurück. 1922 legte er das Baccalauréat ab. Darauf begann Sartre das Studium der Psychologie, Philosophie und Soziologie in Paris. 1929 erhielt Sartre die Lehrerlaubnis an der Hochschule. In diesem Jahr begann auch seine Freundschaft zu Simone de Beauvoir.

Anschließend war er von 1931 bis 1936 als Gymnasiallehrer in Le Havre tätig, wo er ab 1934 als Philosophielehrer beschäftigt war. Das Stipendiat, das Sartre 1934 am Institut Francais in Berlin erhielt, ermöglichte ihm, sich mit der Philosophie Friedrich Nietzsches, Edmund Husserls und Martin Heideggers auseinander zu setzen. Von 1937 bis 1944 unterrichtete Sartre am Gymnasium in Paris. Hier veröffentlichte er 1938 sein erstes Buch "Der Ekel". Dieser Roman erzählt von der Freiheit und Einsamkeit des Individuums. Zugleich gab sein Debütwerk erstmals Einblick in seine Weltanschauung. Die zentrale Figur, Roquetin, erlebt darin das Dasein sowie die Existenz als völlig absurd und sinnlos. Um sich zu befreien nimmt sich Roquetin vor, über das "Ekel" zu schreiben. Den Kriegsdienst leistete Sartre von 1939 bis 1941 in einer Sanitätsgruppe, hier geriet er durch die deutsche Wehrmacht in Gefangenschaft.

Ab 1942 verdiente er sich in er Résistance. 1942 wurde Sartres Stück "Die Fliegen" zum ersten Mal im besetzten Paris gezeigt. Darin wurde der Widerstand gegen die deutsche Besatzung geschickt von ihm getarnt. 1943 erschien Sartres erstes philosophisches Hauptwerk: "Das Sein und das Nichts". In dieser Arbeit ging es um die totale Freiheit und die totale Verantwortung des freien Menschen in der Welt. Seit dieser Zeit galt Sartre als französischer Hauptvertreter eines atheistischen Existenzialismus. Sartre trat 1943 dem "Comité National des Ecrivains" bei und wurde danach Mitarbeiter der Zeitschrift "Combat". Bis 1944 war Sartre Philosophielehrer in Paris und aktiv in der französischen Résistance gegen die deutsche Besatzung tätig. Als freier Schriftsteller ließ sich Sartre dann 1945 in Paris nieder, wo er die politisch-literarische Zeitschrift "Les Temps Modernes" herausgab.

Von Politik und Moral handelte das 1948 erschienene Theaterstück "Die schmutzigen Hände". Doch der Vatikan missbilligte das Werk, weil "den Gläubigen gefährliche Zweifel erspart werden müssten". 1952 trat Sartre der Kommunistischen Partei Frankreichs bei und erkannte die führende Rolle der Sowjetunion in der Weltpolitik an. 1956 trat er aus der Partei wieder aus, da er die sowjetische Unterdrückung des Ungarn-Aufstands als Verbrechen empfand. Sartres zweites philosophisches Buch "Kritik der dialektischen Vernunft" erschien 1959. In den 1950er und 1960er Jahren gab es einerseits Kritik am Stalinismus, andererseits Verharmlosungen nach seinen Reisen in die Sowjetunion. Nach den Mai-Unruhen 1968 wurde er von 1970 bis 1973 Weggefährte der französischen Maoisten. Fortan setzte er sich für die Entrechteten dieser Welt ein, wie 1979 mit Raymond Aron für die Kampagne "Ein Boot für Vietnam".

Im Jahr 1965 kam der erste Teil seiner Memoiren "Die Wörter" auf den Markt. Hierfür erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Er lehnte die Auszeichnung ab. Das Nobelkomitee entschied jedoch, dass dieser Preis unwiderruflich sei. Ab 1971 erschienen Sartres Bücher "Der Intellektuelle in der Revolution" und "Das Imaginäre. Phänomenologische Psychologie der Einbildungskraft". Danach übernahm er die Leitung der linken Tageszeitung "Libération". Ab 1973 war er praktisch blind. Trotzdem blieb er weiter präsent. 1974 erregte sein Besuch des – seines Erachtens politischen – Häftlings und RAF-Mitglieds Andreas Baader im Gefängnis in Stuttgart-Stammheim öffentliche Aufmerksamkeit. 1979 nahm an einer Pressekonferenz zugunsten der "Boat People" genannten vietnamesischen Flüchtlinge teil. Die Weltpresse würdigte zu Sartres 70. Geburtstag das Lebenswerk des eigenwilligen Literaten. Ein Jahr später erhielt er die Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität Jerusalem.

Jean-Paul Charles Armard Sartre starb am 15. April 1980 im Alter von 74 Jahren in Paris. Sein Tod wurde weltweit registriert, 50.000 Menschen nahmen an seiner Beerdigung teil.


Die Studenten- und Protestbewegung von 1966-1975: Vordenker, Aktivisten, Idole

NameJean-Paul Sartre

Geboren am21.06.1905

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortParis (F).

Verstorben am15.04.1980

TodesortParis (F).