Biografie

Mohammed Khatami

Der islamische Theologe und iranische Politiker stellte von 1997 bis 2005 den 5. Staatspräsidenten des Iran. Mohammed Khatami vollzog in den 1980er Jahren eine beachtliche politische Karriere im islamischen Gottesstaat. Darauf bemühte sich Khatami als iranischer Staatspräsident um eine Liberalisierung und Demokratisierung von Politik und Gesellschaft. Indes geriet die graduelle Reformpolitik während seiner zweiten Amtsperiode (2001) zunehmend unter den äußeren Druck der westlichen Anti-Terror-Allianz, während sie sich im Innern zu vehementen Studenten- und Bürgerprotesten verselbständigte...
Mohammed Khatami wurde am 14. Oktober 1943 in Ardakan (Jasd, Iran) geboren.

Sein Vater war als Ayatollah sehr bekannt. Nach der Schule nahm Khatami 1962 ein Studium der Islamischen Theologie in Qom auf, das er dort zunächst bis 1965 fortführte, um es zu Beginn der 1970er Jahre nochmals aufzunehmen und zu beenden. Von 1965 bis 1968 studierte er in Isfahan Philosophie. Es folgten erziehungswissenschaftliche Studien an der Universität Teheran, die er 1971 abschloss. Bereits während des Studiums engagierte sich Khatami politisch in den Reihen der Gegner des letzten Schah. Er agitierte publizistisch und durch oppositionelle Tätigkeit gegen Mohammed Resa Pahlevi. Khatami war nach dem Studium zunächst als Übersetzer und in der Auslegung des Korans tätig.

Im Jahr 1974 lernte er den Sohn des späteren iranischen Revolutionsführers Ayatollah Khomeini, Ahmad Khomeini, kennen. In den folgenden Jahren tat sich Khatami als Verfasser der Erklärungen des oppositionellen Verbandes der „Militanten Kleriker“ hervor. 1978 wurde Khatami zum Direktor des Islamischen Zentrums nach Hamburg berufen, wo er Deutsch lernte und ersten Kontakt mit der westlichen Kultur und Lebensweise aufnahm. Infolge des Sturz des Schahs und des Regimewechsels 1979 im Iran kehrte Khatami in seine Heimat zurück, um 1980 bei den ersten Parlamentswahlen zum Abgeordneten von Ardakan gewählt zu werden.

Es folgte eine rasche politische Karriere, die Khatami zum Minister für Kultur und Islamische Führung (1982) und zum Kulturbeauftragten bei der Armee (1988) aufsteigen ließ. Seine Liberalität gegenüber einer kritischeren Presse und den künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten in Film und Musik zwangen ihn unter dem Druck des fundamentalistischen Lagers aber 1992 zum Rücktritt. Als Direktor der Nationalbibliothek und offizieller Berater des Präsidenten Rafsandschani spielte Khatami jedoch weiterhin eine bedeutende Rolle im öffentlichen Leben.

Bei den Präsidentschaftswahlen vom Mai 1997 errang Khatami einen überraschenden Wahlsieg gegen die Kandidaten der konservativ-fundamentalistischen Richtung, wofür vor allem die Stimmen der Jungwähler, die bereits ab 15 Jahren partizipieren konnten, und der weiblichen Bevölkerung ausschlaggebend gewesen sein dürften. Seit August 1997 bemühte sich der iranische Präsident um die Durchsetzung rechtsstaatlicher Garantien in dem seit der islamischen Revolution von 1979 stark religiös geprägten und reglementierten Staat.

Innerhalb der durch Verfassung und Islam gesetzten Grenzen konnte Präsident Khatami gegen den Widerstand der fundamentalistischen Parlamentsmehrheit viele Fachexperten in seine Regierung berufen und islamische Theologen weitgehend daraus ausschließen. Mit Massoumeh Ebtekar als Vizepräsidentin wurde außerdem erstmals seit 1979 wieder eine Frau in ein hohes Staatsamt berufen. Es folgten weitere Ämterbesetzungen mit Frauen. Unter der Präsidentschaft Khatamis kam es ab 1998 erstmals seit der Revolution von 1979 wieder zu politischen Parteigründungen im Iran. Dennoch geriet die Reformpolitik des aufgeschlossenen Präsidenten bald ins Stocken, um am Widerstand der konservativ-islamistischen Elite in Parlament und Verwaltung fast zu scheitern.

Im Sommer 1999 entlud sich die Ungeduld und Unzufriedenheit der Jugend über die Langwierigkeit der Reformpolitik in ersten Studentenunruhen, die vom islamisch-konservativen Machtapparat blutig niedergeschlagen wurden. Die Parlamentswahlen vom Februar 2000 bestätigten die Reformparteien in ihrem Kurs, die einen deutlichen Hinzugewinn verbuchen konnten. Im Juli 2000 besuchte Khatami als erstes iranisches Staatsoberhaupt nach dem Schah-Besuch von 1967 die Bundesrepublik Deutschland.

Dennoch hatte die Reformpolitik Khatamis auch weiterhin gegen den Widerstand der konservativ-islamistischen Kräfte anzukämpfen, die vor allem das Justizwesen dominierten. Nachdem ein iranisches Gericht zu Jahresbeginn 2001 empfindliche Freiheitsstrafen gegen die iranischen Teilnehmer einer Berliner Iran-Konferenz vom April des Vorjahres ausgesprochen hatte, rief der Präsident das iranische Volk zur Verteidigung der Demokratie auf.

Bei den Präsidentschaftswahlen vom Juni 2001 wurde Khatami für eine weitere vierjährige Amtsperiode bestätigt. Die zweite Amtszeit des Präsidenten stand ganz im Schatten der internationalen Spannungen infolge der Terroranschläge des 11. September 2001, die sich auch auf die innenpolitische Situation im Iran auswirkten. Im Zuge des Anti-Terror-Feldzuges der USA und einiger ihrer Verbündeten gegen angebliche Terror-Staaten verschärften sich auch die Beziehungen zwischen dem Westen und dem Iran.

Im Februar 2003 löste die Erklärung Khatamis über die iranische Eigenproduktion von Kernbrennstäben den Vorwurf der USA aus, ein heimliches Atomwaffenprogramm im Iran zu betreiben. Angesichts der Verschärfung der internationalen Beziehungen, die infolge des amerikanisch-britischen Krieges gegen den benachbarten Irak im März 2003 noch weiter eskalierte, geriet die Reformpartei Khatamis auch innenpolitisch zunehmend ins Hintertreffen. Gegenüber der fundamental-islamischen Opposition formierte sich eine studentische Protestbewegung, der die Reformpolitik nicht schnell genug voranging.

Angesichts des im Nachbarland Irak von außen herbeigeführten Sturzes des Diktators Saddam Hussein drängte der Protest im Juni 2003 mit unerwarteter Vehemenz zum Ausbruch. Die gewalttätigen Unruhen auf den Straßen Teherans wie auch ihre blutige Unterdrückung von militärischer Seite stellten seither die Zukunft des bisherigen politischen Systems des Iran und damit auch die Präsidentschaft Khatamis in Frage.

Im August 2005 endete seine zweite Amtszeit. Sein Nachfolger wurde Mahmud Ahmadinedschad.

Mohammed Khatami ist Vater von drei Kindern.


Die Staats- und Regierungschefs Asiens
Die Staats- und Regierungschefs der Welt

NameMohammed Khatami

Geboren am26.03.1943

SternzeichenWidder 21.03 - 20.04

GeburtsortArdakan (Jasd, Iran).