Biografie

Michel Friedman

Der Politiker und Fernsehmoderator war von 2000 bis 2003 Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Als solcher bewährte er sich in der Öffentlichkeit als ein messerscharfer, politisch offensiver Denker, der direkte und ungeschminkte Aussagen nicht scheut und gegen Neonazismus, Fremdenhass und antisemitische Erscheinungen in der deutschen Gesellschaft eine unmissverständliche Haltung einnimmt. Im Rahmen seiner TV-Sendung "Vorsicht Friedman!" entwickelte er sich zu einem der gefragtesten und gefürchtetsten politischen Moderatoren der deutschen Medienlandschaft. Nachdem Friedman 2003 nach einer Kokain-Affäre von allem Ämtern zurückgetreten war und auch seine TV-Sendung aufgegeben hatte, kehrte er im August 2004 zum Fernsehen zurück...

Prominente Vertreter der deutschen Fernsehkultur
Michel Friedman wurde am 25. Februar 1956 in Paris geboren.

Er wuchs in einer polnisch-jüdischen Kaufmannsfamilie auf, die zur Zeit des deutschen Nationalsozialismus durch die Mitwirkung des Unternehmers Oskar Schindler vor dem Konzentrationslager bewahrt worden war. Die Erlebnisse der Eltern prägten das Bewusstsein Michel Friedmans in jungen Jahren nachhaltig. Bereits als Schüler engagierte er sich im Bundesvorstand jüdischer Studenten. 1965 siedelte er mit seiner Familie nach Frankfurt am Main über. Im Anschluss an sein Abitur studierte Michel Friedman zunächst zwei Jahre Medizin, dann wechselte er über zu Jura. Nachdem er 1988 sein juristisches Staatsexamen abgelegt hatte, ließ er sich in Frankfurt als freier Rechtsanwalt nieder. Er promovierte 1994 an der Universität Mainz in Rechtswissenschaften. Seine politische Karriere begann Michel Friedman 1983 mit dem Eintritt in die CDU.

Mit dem politischen Interesse verband sich auch eine ausgeprägte jüdische Identität, die Friedman schon frühzeitig auch zum Anlass für sein gesellschaftspolitisches Engagement nahm: 1984 wurde er Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main. Ein Jahr später erfolgte seine Ernennung zum CDU-Stadtverordneten in Frankfurt. Überdies wurde Friedman Mitglied im ZDF-Fernsehrat. Darüber hinaus engagiert er sich in zahlreichen sozialen Stiftungen. 1994 wurde er in den CDU-Parteivorstand gewählt. Hier setzte er sich in erster Linie für die europäische Einigung und für eine Reform des Einbürgerungs- und Staatsbürgerschaftsrechts ein. Gemeinsam mit Luc Jochimsen und Holger Weinert moderierte er 1995 erfolgreich die HR-Sendung "3-2-1 des hessen fernsehen". Ab Januar 1998 wurde Michel Friedman als Moderator der ARD-Sendung "Vorsicht Friedman!" einem breiteren Publikum bekannt.

Im Rahmen der 30minütigen Talk-Sendung behandelte er aktuelle Themen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Mit der ihm eigenen unerbittlichen Kritik gegenüber seinen Gesprächspartnern hat sich der elegante Rhetoriker sowohl als kompetenter als auch gefürchteter politischer Moderator ausgewiesen. Im Januar 2000 wurde Friedmann als Vizepräsident in den Zentralrat der Juden in Deutschland berufen. In dieser Funktion begleitete er seitdem die Entwicklung von Gesellschaft und politischer Kultur in der neuen Berliner Republik mit unmissverständlicher Kritik, sobald diese die Grundlage des Nachkriegskonsenses zwischen deutscher Politik und jüdischen Verbänden zu verlassen schienen. Zu solchen kritischen Entwicklungstendenzen im wiedervereinigten Deutschland zählen die Fremdenfeindlichkeit und die Indifferenz gegenüber der historischen Verantwortung nicht des Individuums, aber der Politik.

Die wachsende historische Unsensibilität gegenüber den Verbrechen des Nationalsozialismus belastet das Verhältnis zwischen deutscher Gesellschaft und den ehemaligen Opfergruppen zunehmend. Ausdruck dieser Entfremdung war der anlässlich des Bundestagswahlkampfes 2002 durch den FDP-Politiker Jürgen W. Möllemann im Frühjahr ausgelöste “Antisemitismus-Streit”. Michel Friedmann und Paul Spiegel, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, gebührt der Verdienst, in der Auseinandersetzung den Finger in die Wunde der neuen bundesdeutschen Befindlichkeit gelegt zu haben. Michel Friedman wurde im Jahr 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Im Juni 2003 geriet Friedman in den Verdacht, gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen zu haben. Bei einer Durchsuchung von Friedmans Privat- und Kanzleiräumen durch die Staatsanwaltschaft wurden drei szenetypische Beutel mit Kokainresten sichergestellt. Friedman zog sich daraufhin von der Moderation der Sendungen "Friedman" und "Vorsicht Friedman" vorübergehend zurück. Nach unbestätigten Berichten ergab die anschließende Analyse einer Haarprobe Friedmans, dass er "mäßig oder gelegentlich" Kokain konsumiert haben soll. Am 7. Juli 2003 endete das Verfahren gegen ihn mit einem Strafbefehl in Höhe von 17.400 Euro. Im Rahmen einer Pressekonferenz entschuldigte sich Michel Friedman gegenüber der Öffentlichkeit, um dann am 8. Juli 2003 von allen seinen gewählten Ämtern zurückzutreten.

Auch seine Fernsehsendung gab der nun vorbestrafte Talkmaster auf. Der Rechtsanwalt wurde Ende August 2003 in den Aufsichtsrat der Berliner "Wall AG" gewählt, die in 20 deutschen Städten für Außenwerbung und Stadtmöblierung sorgt. Am 16. Juli 2004 heiratete Michel Friedman die Moderatorin Bärbel Schäfer, die für die Eheschließung zum jüdischen Glauben konvertierte. Friedman kehrte im Sommer 2004 ins Fernsehen zurück. Am 22. August stand er als Moderator der N24-Talksendung "Im Zweifel für ... Friedmans Talk" erstmals wieder vor der Kamera. In der wöchentlichen Sonntagabend-Sendung diskutiert der promovierte Jurist mit zwei Gästen über rechtspolitische Streitfragen. Anfang Oktober 2004 eröffnete der Journalist mit der politischen Talkshow "Studio Friedman" seine zweite Sendereihe auf N24.

Am 17. Januar 2005 wurde das erste Kind des Moderatorenpaares, ein Junge namens Samuel, geboren. Der Anwalt betätigt sich auch als Autor und veröffentlichte seinen ersten Roman mit dem Titel "Kaddisch vor Morgengrauen" (Kaddisch = Totengebet) am 25. Mai 2005. Michel Friedman wurde im Oktober 2005 als einziger Deutscher in den Aufsichtsrat der Jewish Agency for Israel berufen. Die Organisation stellt das Bindeglied zwischen dem Staat Israel und den jüdischen Gemeinden in achtzig Ländern der Welt dar.


Prominente Vertreter der deutschen Fernsehkultur
Sehr geehrter Herr Dr. Michel Friedman,

zu tiefst bestürzt habe ich Ihren Rückzug aus der Öffentlichkeit erfahren. Ich habe stets mit Respekt und Verwunderung Ihre Auftritte im Fernseher verfolgt. Ihre Art wie Sie sprechen habe ich stets genossen. Sie sprachen mir quasi aus der Seele. Ihre präzis formulierten statements, Ihre retorische Begabung einem derartige Antworten zu geben, dass derjenige für eine gewisse Zeit sprachlos wurde, sind und waren einfach exzellent. Ich warte ungeduldig auf jenem Tag, an dem Sie wieder "zu uns" zurück kehren werden. Menschen wie Sie brauchen wir, sind leider "rar" in unserer Gesellschaft in Deutschland. Wir alle sind Menschen und machen Fehler. Ich bin mir sicher auch Ihre Fehler, die Sie machten, sind zu entschuldigen und werden eines Tages verjährt sein.

Mit freudlichem Gruß

Virej Unciyan, 05.11.2003



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Respekt Hr. Dr. Friedman

Sehr geehrter Hr. Dr. Friedman,

im Gegensatz zum ungehobelten Fußballlehrer und Medienclown, gewähre ich Ihnen und hoffentlich auch alle Anderen die zweite Chance und hoffe, wir sehen Sie bald wieder.

Mit freundlichen Grüßen

T.Raters, 09.07.03



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Sehr geehrter Herr Dr. Friedman,

wir, meine Frau und ich, gratulieren Ihnen. Sie sind der Einzige, in Deutschland tätige Jurnalist im TV der noch in der Lage ist ein GUTES Intervie zu machen. Der Rest besteht doch nur noch aus JASAGERN und sehr freundlichen Menschen. Bei Ihnen ist uns wenigsten noch klar, wer hier der Journalist ist. Unsere wirkliche BITTE: Bleiben Sie uns noch lange erhalten und lassen Sie sich nicht von den SCHREIBERLINGEN unterkriegen.

Mit freundlichem Gruß

V&U Stüker, 08.07.03



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Mit großer Bestürzung habe ich die Berichterstattung der vergangenen Wochen über Michel Friedman verfolgt, da ich seine journalistische und politische Tätigkeit immer sehr geschätzt habe. Sollte er sich nun aus der Öffentlichkeit zurückziehen, wäre dies ein großer Verlust. Gerade auch sein Umgang mit der "Kokainaffaire" zeigt einmal mehr, dass Herr Friedman Anstand und Integrität besitzt, für die ich ihm meine Hochachtung und meinen Respekt zolle.
Dagegen erscheinen mir die meisten der hier [zuvor] veröffentlichten Leserkommentare eher beschämend.
Heike Horn, 08.07.03

NameMichel Friedman

Geboren am25.02.1956

SternzeichenFische 20.02 - 20.03

GeburtsortParis (F).