Biografie

Manfred Gerlach

Der Justizangestellte und Jurist büßte seine Mitwirkung an einer illegalen Jugendgruppe unter der nationalsozialistischen Herrschaft mit einer Jugendhaft. Nach Kriegsende vollzog Manfred Gerlach in der Sowjetischen Besatzungszone und dann in der Deutschen Demokratischen Republik eine politische Karriere als FDJ-Funktionär und in der "Blockpartei" der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD). Infolge der Herbstrevolution von 1989 führte er in der Nachfolge des gescheiterten Egon Krenz den Vorsitz über den Staatsrat der DDR. Eine Anschlusskarriere in der gesamtdeutschen FDP scheiterte an parteiinternen und öffentlichen Auseinandersetzungen über seine politische Laufbahn in der DDR...
Manfred Gerlach wurde als Sohn eines Mechanikers am 8. Mai 1928 in Leipzig geboren.

Nach dem Schulbesuch war er ab 1944 als Justizangestellter tätig. Aufgrund seiner Mitwirkung an einer illegalen Jugendgruppe, die unter der nationalsozialistischen Herrschaft verboten worden war, geriet er jedoch vorübergehend in Jugendhaft, nach der er seine vorherige Tätigkeit wieder aufnahm. Nach Kriegsende trat Gerlach in die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD) ein, für die er 1946 bis 1950 als Jugendreferent tätig war. 1946 zählte er zu den Gründern der FDJ in Leipzig.

Von 1947 bis 1952 gehörte Gerlach dem Landesvorstand der LDPD für Sachsen und 1949 bis 1959 außerdem dem Zentralrat der FDJ an. Seit 1949 war er für seine Partei auch in der Volkskammer der DDR vertreten. Ab 1950 nahm Gerlach die Funktion eines Bürgermeisters, 1952 bis 1954 des stellvertretenden Oberbürgermeisters von Leipzig wahr. Für die LDPD war er 1951 bis 1953 stellvertretender Vorsitzender und 1954-1967 Generalsekretär. In den Jahren von 1967 bis 1990 fungierte Gerlach als Vorsitzender der Blockpartei. Von 1951 bis 1954 eignete sich Gerlach durch ein Fernstudium den Diplomtitel in Rechtswissenschaften an.

Im Jahr 1964 folgte die juristische Promotion, 1984 seine Berufung zum Professor. Von 1960 bis 1989 zählte Gerlach zu den stellvertretenden Vorsitzenden des Staatsrates. Neben seinen parteipolitischen Funktionen war er außerdem als Chefredakteur der "Liberal-Demokratischen Zeitung" in Halle tätig. Infolge der Herbstereignisse von 1989 stellte Gerlach als erster führender DDR-Politiker das Machtmonopol der SED in Frage, um prinzipielle Reformen des politischen Systems einzuklagen. Nach dem Rücktritt der alten SED-Nomenklatura und dem Scheitern von Egon Krenz übernahm Gerlach von diesem Anfang Dezember 1989 den Vorsitz des Staatsrates der DDR, den er bis März 1990 innehatte.

Im Anschluss daran engagierte sich Gerlach bis August 1990 im Bund Freier Demokraten, dann in der FDP, aus der er jedoch gegen Ende 1993 nach öffentlichen und parteiinternen Polemiken über seine Parteikarriere in der DDR wieder austrat. Im Jahr 2000 sah sich Gerlach mit der Eröffnung eines Prozesses vor dem Landgericht Leipzig konfrontiert, in dem der gegen ihn erhobene Verdacht geprüft werden sollte, wonach er 1947/48 sieben Jugendliche beim "Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten der UdSSR" (NKWD) denunziert haben soll. Zumindest einer der Studenten soll danach in der Leipziger Haft verstorben sein. Da das Verfahren jedoch 2000 so spät eröffnet wurde, dass bereits Verjährung eingetreten war, endete es mit einem Freispruch Gerlachs.


Die Staats- und Parteichefs der Deutschen Demokratischen Republik 1949-1990

NameManfred Gerlach

Geboren am08.05.1928

SternzeichenStier 21.04 - 21.05

GeburtsortLeipzig (D).