Biografie

Kurt Georg Kiesinger

Der Jurist und CDU-Politiker stellte von 1966 bis 1969 den dritten Bundeskanzler der Bundesrepublik. Seine relativ kurze Kanzlerschaft war wesentlich von der prekären Stabilität der Großen Koalition geprägt, die er mit der SPD einging. Außenpolitischen Erfolgen in der Beziehung zu den Ostblockstaaten stand eine verfehlte Konfliktbewältigung im Innern gegenüber, wo im Zuge der Studentenproteste der staatliche Rückgriff auf die Notstandsgesetzgebung den Beginn einer langfristigen Krise markierte. Davor war er von 1958 bis 1966 Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Aufgrund seiner Vergangenheit im Nationalsozialismus war er vor allem in linken Kreisen sehr umstritten...

Ludwig Erhard < > Willy Brandt
Die Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
Kurt Georg Kiesinger wurde am 6. April 1904 als Sohn eines kaufmännischen Angestellten im württembergischen Ebingen geboren.

Nach dem frühen Tod der Mutter wuchs er nach der erneuten Heirat des Vaters mit sechs Stiefgeschwistern in bescheidenen Verhältnissen auf. Kiesinger besuchte die Realschule in Ebingen und das katholische Lehrerseminar in Rottweil, um anschließend in Stuttgart das Abitur zu machen. 1925 nahm er ein Philosophie- und Geschichtsstudium in Tübingen auf, das er jedoch nach einem Jahr abbrach, um Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin zu studieren. In seiner Studienzeit engagierte sich Kiesinger in katholischen Studentenvereinen. In den Jahren 1931 und 1934 erlangte er das erste und zweite juristische Staatsexamen. 1932 heiratete er Marie-Luise Schneider.

Kiesinger war in den Jahren von 1933 bis 1945 Mitglied der NSDAP, aus der er trotz wachsender Skepsis gegenüber der NS-Politik nicht austrat. Obwohl er eigentlich die Hochschullaufbahn anstrebte, begann Kiesinger ab 1935 als Rechtsanwalt beim Berliner Kammergericht und als privater Rechtslehrer zu arbeiten. 1940 wurde er in der Rundfunkabteilung des Reichsaußenministeriums als wissenschaftliche Kraft dienstverpflichtet. Drei Jahre später, 1943, stieg er dort zum stellvertretenden Abteilungsleiter auf. Nach internen NS-Akten nutzte Kiesinger in jener Zeit seine Position, um antijüdische Handlungen zu behindern. Nach Kriegsende verbüßte Kiesinger eine mehrmonatige Haft im Internierungslager Ludwigsburg. 1948 erhielt er in Tübingen die Zulassung als Rechtsanwalt.

Zugleich wurde er Landesgeschäftsführer der CDU, für die er 1949 erstmals in den Bundestag einzog. Seine brillante Rhetorik verschaffte ihm den Beinamen "König Silberzunge". Im neuen deutschen Parlament engagierte er sich bis 1958 als Vorsitzender des Vermittlungsausschusses und des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten. Schon 1950/51 trat er in den Partei- und in den geschäftsführenden Vorstand der CDU ein. Überdies war Kiesinger in den Jahren von 1950 bis 1958 Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarates. Am 17. Dezember 1958 wurde Kiesinger vom Landtag in Stuttgart zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg gekürt. 1960 bildete er dort eine Koalitionsregierung mit der FDP, die auch aus den darauffolgenden Landtagswahlen von 1964 siegreich hervorging.

Infolge des Ausscherens der FDP aus der Bonner Regierungskoalition und der dadurch im Herbst 1966 ausgelösten Krise der Regierung Ludwig Erhards nominierte die CDU/CSU Kurt Kiesinger zum Nachfolger des gescheiterten Bundeskanzlers. Kiesinger bildete eine Große Koalition mit der SPD und wurde am 1. Dezember 1966 vom Parlament zum dritten Bundeskanzler der Bundesrepublik gewählt. Wenige Monate später folgte er Erhard auch im CDU-Parteivorsitz nach. Die Große Koalition konnte im Innern vor allem im Wirtschafts- und Finanzbereich einige Erfolge erzielen. In Kiesingers Regierungszeit fiel allerdings auch die Verabschiedung der umstrittenen Notstandsgesetze, die die Bundesrepublik im Rahmen des Generationskonflikts und der Studentenproteste bis weit in die 1970er Jahre hinein in eine schwere Glaubwürdigkeitskrise und erste innenpolitische Bewährungsprobe stürzten.

Zugleich leitete Kiesinger auf außenpolitischem Feld 1967/68 mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Rumänien und Jugoslawien sowie von Handelskontakten zur CSSR eine erste Öffnung gegenüber den Ostblockstaaten ein. Zahlreiche Staatsbesuche führten den Bundeskanzler nicht nur in die europäischen Nachbarstaaten, sondern auch bis nach Asien, darunter im September 1968 in den politisch umstrittenen Iran. Anlässlich der Bundestagswahl von 1969 errang die SPD im Bündnis mit der FDP ein geringes Übergewicht gegenüber den Unionsparteien. Kurt Kiesinger wechselte auf die Oppositionsbank im Bundestag, wo er in der Folge gegenüber dem Fraktionsvorsitzenden Rainer Barzel und dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Helmut Kohl zunehmend an Einfluss verlor.

Im Jahr 1971 verzichtete Kiesinger daher auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz, zu dem dann Barzel bestellt wurde. Kiesinger behielt zwar als CDU-Ehrenvorsitzender und Bundestagsabgeordneter eine politische Funktion in der Partei, wo er jedoch kaum noch im Vordergrund stand. 1980 schied er infolge seines Kandidaturverzichts bei den Bundestagswahlen aus dem Parlament aus. In den folgenden Jahren lebte Kiesinger weitgehend zurückgezogen von der politischen Bühne. Nur 1984 trat er anlässlich seines 80. Geburtstags und der Würdigungen durch zahlreiche Persönlichkeiten der politischen Kultur der Bundesrepublik noch einmal ins Rampenlicht des öffentlichen Interesses.

Kurt Georg Kiesinger starb am 9. März 1988 in Tübingen.


Die Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland

NameKurt Georg Kiesinger

Geboren am06.04.1904

SternzeichenWidder 21.03 - 20.04

GeburtsortEbingen

Verstorben am09.03.1988

TodesortTübingen

google-site-verification: google44cc944cebb47e16.html