Biografie

Klaus Wagenbach

Der gelernte Buchhändler und promovierte Geisteswissenschaftler leitete nach mehrjähriger Lektoratstätigkeit für knapp vier Jahrzehnte seinen eigenen Verlag in Berlin. In den späten 1960er und in den 1970er Jahren avancierte Klaus Wagenbach zum Verleger der Wortführer von Studentenbewegung und Außerparlamentarischer Opposition. Der "Wagenbach-Verlag" leistet durch sein engagiertes Italien-Programm aber auch einen bedeutenden Kulturtransfer zwischen der mediterranen und deutschen Literaturszene. Überdies gilt Wagenbach als Eigentümer-Verleger, der mit wenigen anderen dem Konzentrationsprozess im deutschen Verlagswesen trotzt...
Klaus Wagenbach wurde am 11. Juli 1930 als Sohn des Bankangestellten und Landrats Joseph Wagenbach und von Margarete Weißbäcker in Berlin geboren.

Nachdem er 1949 das Abitur in Frankfurt abgelegt hatte, machte Wagenbach eine zweijährige Buchhandelslehre beim "Suhrkamp-Verlag". 1951 nahm er ein Studium der Germanistik, Archäologie und Kunstgeschichte an der Universität München auf, das er dann 1957 in Frankfurt mit der Promotion abschloss. Neben den Studien war Wagenbach im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) engagiert. 1958 stieg Wagenbach als Lektor in den "Modernen Buch-Club" in Darmstadt ein. 1959 wechselte er in derselben Funktion zum Frankfurter "S. Fischer Verlag", aus dem er 1964 wegen seiner Proteste gegen die Verhaftung eines Verlegers aus der DDR auf der Frankfurter Buchmesse entlassen wurde. Wagenbach wagte daraufhin noch im selben Jahr den Schritt in die Selbständigkeit und gründete in Berlin die "Verlag Klaus Wagenbach GmbH".

Das Unternehmen zeichnete sich von Beginn an durch seine autorenfreundliche Haltung aus. Im Zuge der gegen Ende der 1960er Jahre durch die Studentenbewegung herbeigeführten Kulturrevolution avancierte der "Wagenbach-Verlag" zur publizistischen Plattform der Außerparlamentarischen Opposition (APO) und der sogenannten radikalen Linken. Deren Vertreter - wie Ulrike Meinhof, Rudi Dutschke, Johannes Agnoli u.a. - veröffentlichten ihre Schriften in der "Rotbuch"-Reihe des Berliner Verlags. Wagenbach war seit 1969 Mitglied im PEN-Zentrum der Bundesrepublik Deutschland. In den 1970er Jahren geriet der "Wagenbach-Verlag" im sich verschärfenden innenpolitischen Klima der Terrorismusbekämpfung zum Objekt polizeilicher und juristischer Maßnahmen, die sich in Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmeaktionen äußerten, gegen die der damalige Rechtsanwalt Otto Georg Schily auf den Plan trat.

Zum Verlagsprogramm gehörte in den folgenden Jahren auch allgemeine, insbesondere italienische Literatur, die Wagenbach in der Buchreihe "Salto" durch Übersetzungen dem deutschen Lesepublikum erschloss. Seit 1979 betreute der Verleger als Mitherausgeber auch den "Freibeuter", eine Vierteljahresschrift für Kultur und Politik. Neben seiner verlegerischen Tätigkeit war Wagenbach selbst auch als Schriftsteller tätig, wobei sein vormaliges Promotionsthema, der Prager Schriftsteller Franz Kafka, das bevorzugte Feld seiner Veröffentlichungen abgab. 1980 erhielt Wagenbach den Kritikerpreis für Literatur. Für seine Verdienste um die italienische Kultur wurde er 1985 mit dem "Montecchio-Preis" geehrt. Ein Jahr später verlieh man ihm gar den Verdienstorden der Italienischen Republik ("Cavaliere al Merito della Repubblica Italiana"). 1990 wurde Wagenbach von italienischer Seite der Nationale Übersetzer-Preis (Premio Nazionale per la Traduzione) und von deutscher Seite das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Der Verleger erhielt überdies 1994 eine Honorar-Professur an der Philologischen Fakultät der Freien Universität Berlin. 1999 zeichnete ihn die Stadt Pirmasens mit ihrem "Hugo-Ball-Literaturpreis" aus. 2000 trat er in den Vorstand der neugegründeten "Kurt-Wolff-Stiftung zur Förderung des Verlagswesens" ein. Anfang 2002 zog sich Wagenbach von der Leitung seines Verlags zurück, die auf die Lektorin Susanne Schüßler überging, mit der der Verleger seit 1996 in dritter Ehe verheiratet ist. Die Wagenbach-Familie ist somit bis heute Eigner und Leiter des Verlags geblieben, dessen Überleben im Zuge des sich ausweiteten Konzentrationsprozess im Verlagswesen wesentlich von der Buchpreisbindung abhängt. Im September 2004 feierte der Verleger das 40-jährige Jubiläum seines Unternehmens in Berlin. 2006 erhielt er den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln.

Klaus Wagenbach ist vierfacher Vater und lebt in Berlin.

NameKlaus Wagenbach

Geboren am11.07.1930

SternzeichenKrebs 22.06 - 22.07

GeburtsortBerlin (D).