Biografie

Jürgen Peters

Der gelernte Maschinenschlosser engagierte sich ab den 1960er Jahren in der Industriegewerkschaft Metall (IGM), als deren Bezirksleiter in Hannover er in den 1990er Jahren neue tarifpolitische Akzente setzte. Jürgen Peters Amt als Vizechef der IGM (1998-2003) wurde im Sommer 2003 von der größten Streikniederlage der Gewerkschaft und einer kritischen inneren wie öffentlichen Auseinandersetzung über ihre Tarifpolitik überschattet. Von 2003 bis 2007 stand Peters, zusammen mit Berthold Huber, als Vorsitzender der IG Metall an der Spitze einer der größten und mächtigsten Gewerkschaften der Welt...
Jürgen Peters wurde am 17. März 1944 in Bolko/Oppeln (heute: Polen) geboren.

Im Zuge der Kriegswirren kam die Familie nach Westdeutschland, so dass Peters in Hannover aufwuchs. Nach Abschluss der Mittleren Reife begann Peters dort 1961 eine Ausbildung als Maschinenschlosser bei Hanomag. 1964 erlangte Peters die Fachschulreife. Mit Ausbildungsbeginn war Peters bereits in die Industriegewerkschaft Metall (IGM) eingetreten. Von 1964 bis 1968 führte er den Vorsitz der gewerkschaftlichen Jugendvertretung, 1963 bis 1968 leitete er außerdem den IGM-Ortsjugendausschuss. 1966 wurde Peters auch Mitglied der SPD.

Im Jahr 1964 wurde Peters als Maschinenschlosser von Hanomag übernommen, wo er bis 1968 tätig war. 1968/69 besuchte er die Akademie der Arbeit in Frankfurt. Ab 1969 begann er als Lehrassistent an der Bildungsstätte der IGM in Lohr zu arbeiten, wo er dann ab 1971 mit vollem Lehrdeputat eingesetzt wurde. 1976 wurde Peters nach Düsseldorf berufen, um dort bis 1988 das Zweigbüro des IGM-Vorstandes zu leiten. Im Anschluss daran ernannte man ihn zum IGM-Bezirksleiter in Hannover.

In dieser Funktion war Peters 1993 an den Vereinbarungen zur 28-Stunden-Woche beteiligt, mit der bei der Volkswagen AG bevorstehende Massenentlassungen erfolgreich abgewendet werden konnten. 1996 vereinbarte Peters das "Hannover-Modell" mit der Arbeitgeberseite, wonach bis 2001 die hundertprozentige Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle und die Kürzung des Weihnachtsgeldes von 60% auf 55 % gelten sollten. Ende November 1998 wurde Peters zum IGM-Vizechef gewählt, nachdem der durch den Gewerkschaftsvorsitzenden Klaus Zwickel favorisierte Gegenkandidat Bertin Eichler im Vorfeld zurückgetreten war.

Seither galt Peters auch als Nachfolger des zum Oktober 2003 ausscheidenden IGM-Vorsitzenden Zwickel. Als Leiter des Bereichs Tarifpolitik zog der neue Vizechef bereits bei den Tarifverhandlungen zu Jahresbeginn 1999 in seine erste Konfrontation mit der Arbeitgeberseite, die er jedoch dank des Verhandlungsgeschicks des baden-württembergischen Bezirksleiters Berthold Huber zu einem für die Gewerkschaft günstigen Ergebnis führen konnte.

Im August 2001 konnte in zähen Verhandlungen mit VW das neue Tarifmodell "5.000 mal 5.000", das im Wesentlichen auf Peter Hartz zurückging und zum Abbau der Arbeitslosigkeit beitragen sollte, vereinbart werden. 2002 stellte sich Peters angesichts der sich verschärfenden Krise der Wirtschaft und des Sozialstaates gegen eine neoliberale Wirtschaftspolitik, die er für die zunehmende Armut in der deutschen Gesellschaft verantwortlich machte.

Im Gegenzug setzte sich der Zweite Vorsitzende der IGM für eine forcierte Umverteilungspolitik ein, die etwa durch die Einführung der Vermögenssteuer eine sozial gerechtere Lastenverteilung herstellen sollte. Eine der schwersten Niederlagen in der Gewerkschaftsgeschichte musste die IGM im Sommer 2003 hinnehmen, als sie sich gezwungen sah, die Kampfmaßnahmen zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche in den neuen Bundesländern ergebnislos einzustellen.

Der wochenlange Streik war unter den betroffenen Arbeitern selbst auf Unverständnis gestoßen und hatte die Metallbranche, auch der neuen Bundesländer, in solche Schwierigkeiten gebracht, dass vielfach Kurzarbeit angeordnet werden musste. Im Juli 2003 entspann sich daraufhin ein vehementer innergewerkschaftlicher Streit über die Verantwortung für das Desaster. Im Laufe der sich verschärfenden Auseinandersetzungen steigerte sich die alte Antipathie zwischen dem IGM-Vorsitzenden und seinem Stellvertreter zur offenen Feindseligkeit: Klaus Zwickel sprach sich nun gegen Peters als sein Nachfolger aus.

Als ein Kompromissentscheid der Gewerkschaftsspitze immer wahrscheinlicher wurde, trat Zwickel am 21. Juli 2003 vorzeitig als Vorsitzender der IGM zurück. Am 23. Juli 2003 beschloss der Vorstand der IGM, dass Peters in Kooperation mit dem baden-württembergischen Bezirksleiter Berthold Huber die Gewerkschaft bis 2007 führen sollte. Nach fünf souveränen Jahren an der Spitze einer der größten und mächtigsten Gewerkschaften der Welt wurde auf dem Gewerkschaftstag vom 6. November 2007 Berthold Huber zum Ersten Vorsitzenden der IGM gewählt.


Bedeutende deutsche Wirtschafts- und Gewerkschaftsfunktionäre

NameJürgen Peters

Geboren am17.03.1944

SternzeichenFische 20.02 - 20.03

GeburtsortBolko/Oppeln (heute: Polen).