Biografie

Johannes Winkler

Der schlesische Theologe und Ingenieur avancierte in den 1920er und 1930er Jahren zu einem der Pioniere der deutschen Luft- und Raumfahrttechnik. Zusammen mit seinem amerikanischen Kollegen Robert Goddard gilt Johannes Winkler als Erfinder der Flüssigkeitsrakete. Während des Nationalsozialismus unterstützte er zwar den Vernichtungskrieg Adolf Hitlers mit seiner Raketenforschung, deren Ergebnisse er in der unmittelbaren Nachkriegszeit aber auch den Alliierten zur Verfügung stellte...

Pioniere der Luft- und Raumfahrt
Johannes Winkler wurde am 29. Mai 1897 in Bad Carlsruhe im schlesischen Kreis Oppeln geboren.

Winkler besuchte die Volks- und Realschule in Oppeln und ging dann ab 1912 in Liegnitz auf das Gymnasium. Kurz vor dem Abitur zog er 1915 von der Schulbank weg als Kriegsfreiwilliger in den Ersten Weltkrieg, wo er 1916 eine schwere Verwundung erlitt. Nach dem Krieg holte Winkler 1917/18 sein Abitur in Danzig nach. Im Anschluss daran studierte er Maschinenbau an der Universität Danzig, wechselte dann aber auf elterlichen Wunsch zum Theologiestudium an die Universitäten Breslau und Leipzig, wo er allerdings weiterhin auch Naturwissenschaften im Nebenfach studierte.

Bei Abschluss seines Studiums wurde Winkler 1923 zum Kandidaten der Theologie in Witten an der Ruhr berufen. 1924 war er als Finanzverwalter in der Kirchendirektion Breslau tätig. Nebenher beschäftigte sich Winkler verstärkt mit der Luft- und Raumfahrtutopie. Im Juli 1927 gründete er mit Gleichgesinnten in Breslau den Verein für Raumschifffahrt, dem auch Hermann Oberth angehörte und dessen ersten Vorsitzenden Winkler selbst stellte. Winkler konkretisierte ab 1928 mit Experimenten zur Raketentechnik an der Technischen Hochschule Breslau seine Raumfahrtutopie.

Durch die Versuche erkannte er die Vorteile des flüssigen Treibstoffs für den Raketenantrieb, da dieser einen größeren Schub und eine längere Brenndauer erzielte. Durch Hugo Junkers, der für die Konstruktion von Wasserflugzeugen nach Startraketen suchte, wurde Winkler an Junkers Versuchsanstalt nach Dessau berufen, wo er ab September 1929 als Ingenieur tätig war. Dort begann Winkler auch mit der Entwicklung einer senkrecht startenden und mit Flüssigtreibstoff angetriebenen Rakete (HW1), die sich bei ihrem ersten Probeflug im Februar 1931 jedoch nur drei Meter in die Höhe erhob, um dann aber einen Monat später immerhin schon eine Höhe von 60 Metern und eine Flugstrecke von 200 Metern zu erreichen.

Damit zählte Winkler zusammen mit seinem amerikanischen Kollegen Robert Hutchings Goddard, der bereits 1926 in den USA die erste Rakete gestartet hatte, zu den Erfindern der Flüssigkeitsrakete. Ab Herbst 1931 führte Winkler seine Versuche zur Konstruktion einer größeren Rakete auf dem Raketenflugplatz in Berlin-Reinickendorf durch, die er bis zum nächsten Jahr fertig stellte. Zwei Startversuche mit der neuen HW2 misslangen jedoch, wobei die Rakete beim zweiten Versuch zerstört wurde. Winkler kehrte daraufhin nach Dessau zurück, wo er ab August 1933 wieder für die Junkerswerke tätig wurde. Dort befasste er sich bis 1939 mit der Entwicklung von Flüssigkeitstriebwerken.

Unter der nationalsozialistischen Herrschaft erlangte die Raketenforschung eine zunehmende Bedeutung für die Kriegsvorbereitungen und Rüstungsziele Adolf Hitlers. Davon profitierte auch Winkler in seinem beruflichen Werdegang. Im Juli 1939 wurde Winkler an die Deutsche Forschungsanstalt für Luftfahrt in Braunschweig berufen. 1941 wechselte er an die Aerodynamische Versuchsanstalt in Göttingen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs stellte Winkler seine Forschungsergebnisse in den unmittelbaren Nachkriegsjahren aber noch der Royal Air Force zur Verfügung.

Johannes Winkler starb am 27. Dezember 1947 in Braunschweig. Er war seit 1926 mit Elisabeth Froböß verheirat, mit der er zwei Kinder hatte.

In Gedenken an den deutschen Raketenpionier bemannte man 1970 einen Krater auf der Rückseite des Mondes nach Winkler.


Pioniere der Luft- und Raumfahrt

NameJohannes Winkler

Geboren am29.05.1897

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortBad Carlsruhe (Oppeln, Schlesien).

Verstorben am27.12.1947

TodesortBraunschweig (D).