Biografie

Ibrahim al-Dschafari

Der irakische Arzt engagierte sich seit 1966 für die schiitisch-religiöse Dawa-Partei, vor deren Verfolgung durch die Ba'ath-Partei Saddam Husseins er von 1980 bis 2003 ins Exil auswich. Als Präsident des irakischen Regierungsrates (2003/04) und Vizepräsident der Interimsregierung (2004/05) avancierte Ibrahim al-Dschafari im Nachkriegsirak zu einem der beliebtesten Politiker. Nach den ersten freien Wahlen zur Nationalversammlung berief ihn das siegreiche schiitische Wahlbündnis von 2005 bis 2006 zum Ministerpräsidenten des Irak...

Die Staats- und Regierungschefs Asiens
Ibrahim al-Jafari (oder: al-Jaafari, oder: al Dschafari, oder: al Dschaafari) wurde 1947 in Kerbala (Irak) geboren. Seine Familie war in der muslimischen Wallfahrtsstadt als Textilhändler und Hotelunternehmer tätig.

Nach der Schule studierte al-Dschafari in Mossul Medizin. In den 1960er Jahren begann er sich in der 1957 gegründeten schiitisch-religiösen Dawa-Partei ("Der islamische Ruf") zu engagieren, die in Opposition zur regierenden Ba'ath-Partei von Saddam Hussein stand. Ab 1966 vollzog sich sein Engagement für die Dawa-Partei im Untergrund. 1980 wich al-Jafari vor der Verfolgung der Schiiten durch das Hussein-Regime zunächst in den Iran nach Teheran aus. Danach hielt er sich ab 1989 lange Jahre mit seiner Familie im britischen Exil in London auf.

Nach dem Sturz Husseins und der Installation einer Übergangsadministration unter Leitung der US-Besatzung und von Lewis Paul Bremer im Frühjahr 2003 kehrte al-Jafari in sein Heimatland zurück. Rasch avancierte er zu einem der beliebtesten und einflussreichsten Politiker des neuen Irak. Im August 2003 wurde al-Jafari von Bremer zum ersten Vorsitzenden des gerade eingerichteten irakischen Regierungsrates erhoben. Nachdem der Irak im darauffolgenden Jahr die politische Autonomie erhalten hatte, fungierte al-Jafari ab Juni 2004 als Vize-Präsident unter dem Übergangspräsidenten Ghazi al-Yawar und unter dem Interims-Premier Ijad Allawi.

Bei den ersten freien irakischen Wahlen nach dem Sturz Husseins trug das schiitische Wahlbündnis im Januar 2005 den Sieg davon. Wenig später einigten sich die Wahlsieger dieser Wahlen zur Nationalversammlung auf al-Jafari als künftigen Regierungschef des Landes. Der Führer der Patriotischen Union Kurdistans (PUK), Jalal Talabani, wurde zum künftigen Staatspräsidenten bestimmt. Der neue Interims-Premier des Irak nahm bei Amtsantritt eine vermittelnde Position zwischen den Ethnien und Religionen des Landes ein. In der Tradition der Dawa-Partei strebt er eine islamische Reformpolitik und Modernisierung der religiösen Institutionen im Lande an.

Er gilt als gesamtirakische Integrationsfigur, da er auch unter den Minderheiten der Sunniten und Kurden Anerkennung genießt. Am 28. April 2005 stimmte eine Mehrheit des Parlaments in Bagdad der von Jafari vorgeschlagenen Kabinettsliste zu. Somit erhielt der Irak nach jahrzehntelanger Diktatur unter der Führung Jafaris seine erste demokratisch gewählte Regierung. Darin stellte die Allianz des schiitischen Ministerpräsidenten 17, das kurdische Parteienbündnis acht Minister. Im Oktober 2005 hatte die Volksabstimmung über den Verfassungsentwurf mehrheitlich die Zustimmung zur neuen Konstitution des Irak zum Ergebnis. Am 27. April votierte eine Mehrheit des irakischen Übergangsparlaments für das Kabinett von Ibrahim al-Dschafari.

al-Dschafari fungierte für einige Tage zusätzlich als Verteidigungsminister, bis nachträglich der Sunnit Saadun ad-Dulaimi für das Amt nominiert wurde. Ihm folgte 2006 sein Parteifreund Dschawad al-Maliki ins Amt. Im Mai 2008 gründete al-Dschafari die Reform-Parei (Islah). Er wurde daraufhin von der Dawa-Partei ausgeschlossen. Bei den Parlamentswahlen 2010 schloss sich seine Partei der irakischen Nationalallianz an.

Ibrahim al-Dschafari lebt mit seiner Frau in Bagdad, mit der er fünf Kinder hat, die noch immer in London wohnen.


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NameIbrahim al-Dschafari

Geboren am00.00.1947

GeburtsortKerbala (Irak)