Biografie

Ijad Allawi

Der irakisch-britische Neurologe und Sohn einer prominenten schiitischen Kaufmannsfamilie wandelte sich vom Ba‘ath-Anhänger Saddam Husseins zu einem bedeutenden Vertreter der irakischen Exilopposition. Seit Juni 2004 stellt er als erster irakischer Regierungschef nach Hussein den Interims-Premierminister des vom Krieg zerrissenen Landes. Bei den Wahlen im Jahr 2005 landete seine Partei mit 14 Prozent der Stimmen abgeschlagen auf dem dritten Platz. Im April 2005 wurde Dschalal Talabani vom irakischen Parlament mit 227 Stimmen zum Staatspräsidenten des Landes gewählt...

Die Staats- und Regierungschefs Asiens
Ijad (auch: Iyad oder Ayad) Allawi wurde 1945 als Sohn eines Kaufmannes im Irak geboren.

Seine Familie gehörte der muslimischen Glaubensrichtung Shia an und hatte sich im politisch-öffentlichen Leben des Landes hervorgetan. Der Großvater Allawis war seinerzeit an den Verhandlungen zur Erlangung der irakischen Unabhängigkeit von Großbritannien beteiligt gewesen. Der Vater war Abgeordneter im irakischen Parlament. Nach der Schule studierte Allawi in den 1960er Jahren an der Medizinhochschule von Bagdad, wo er erstmals mit Saddam Hussein zusammentraf und in dessen Ba’ath-Partei eintrat.

Bei seinen Studien spezialisierte er sich auf Neurologie. 1971 ging Allawi für ein Auslandsstudium nach Großbritannien, von wo aus er zunächst noch dem Verband irakischer Studenten in Europa vorstand. Vorwürfen zufolge soll er in dieser ersten Phase seines Auslandsaufenthaltes als Agent des Hussein-Regimes an der Liquidation oppositioneller irakischer Dissidenten beteiligt gewesen sein. In den folgenden Jahren wandte sich Allawi jedoch selbst zunehmend vom irakischen Staat und dessen Diktator ab. 1975 führte Allawi durch seinen Austritt aus der nationalistischen Ba‘ath-Partei den definitiven Bruch mit Hussein und der irakischen Regierung herbei.

Allawi lebte fortan im Exil bei London, während seine Verwandtschaft erheblichen Repressalien im Irak ausgesetzt war. 1978 überlebte er schwer verletzt einen Mordanschlag. Schließlich erhielt er die britische Staatsbürgerschaft. Vom Exil aus avancierte Allawi zu einem der bedeutendsten Führer der demokratischen irakischen Opposition, die er ab 1990 in seiner Partei des Irakischen Nationalen Konsenses, des Iraqi National Accord (INA), sammelte. Die Organisation wurde von den USA, Großbritannien, der Türkei, Saudi-Arabien und Jordanien unterstützt. In Kooperation mit den US-Geheimdiensten, für die er ab 1992 arbeitete, bereitete Allawi den Sturz Husseins mit vor.

Nach Aussage ehemaliger CIA-Agenten soll er von 1992 bis 1995 mit der INA an der Ausführung von Terroranschlägen im Irak beteiligt gewesen sein, denen auch zahlreiche Zivilisten zum Opfer gefallen waren. 1996 misslang ein Staatsstreichversuch gegen Hussein. Vom US-Außenministerium wurde Allawi zum künftigen irakischen Regierungschef aufgebaut. Im Vorfeld des US-Militärangriffs gegen den Irak war er auch maßgeblich an der Verbreitung von Informationen über die angebliche Existenz von Massenvernichtungswaffen in dem Land beteiligt, die den Angriff 2003 rechtfertigen sollten.

Nach dem Sturz des Diktators im Zuge des Irak-Krieges wirkte Allawi 2003 als Vorsitzender der INA-Partei maßgeblich am demokratischen Wiederaufbau des Landes mit. Hierbei bewies er eine große Integrationskraft, da es ihm gelang, unter den schiitischen, sunnitischen und christlichen Parteimitgliedern auch ehemalige Ba‘ath-Anhänger für den INA und den demokratischen Neubeginn zu gewinnen. Im Oktober 2003 stellte Allawi vorübergehend den Vorsitzenden des irakischen Interims-Regierungsrates. In dieser Funktion trat er als "starker Mann" der provisorischen Exekutive auf, um das durch den Sturz Husseins entstandene Machtvakuum mit nicht immer rechtsstaatlichen Mitteln auszugleichen.

Nach der Auflösung des Irakischen Interims-Regierungsrates zum 1. Juni 2004 und der Souveränitätsübergabe seitens des US-Kommissars Lewis Paul Bremer, wurde Allawi noch im selben Monat, am 28. Juni, zum Ministerpräsidenten der neu gebildeten irakischen Interimsregierung erhoben. Er sollte bis zu den für Frühjahr 2005 vorgesehenen ersten Parlamentswahlen den provisorischen Regierungschef des Irak stellen. Allawis erste Amtshandlungen betrafen Umstrukturierungen im Militär- und Sicherheitsapparat des vom Bürgerkrieg zerrissenen Landes. Um die von Unruhen gekennzeichnete innenpolitische Situation in den Griff zu bekommen, erwog der Premier auch die Verfügung von Notstandsgesetzen.

In Kreisen islamistischer Aufständischer rangiert Allawi indes auf Platz 1 ihrer Todesliste. Wiederholt sah er sich mit Morddrohungen arabischer Terrorkommandos konfrontiert. Anlässlich seines ersten Staatsbesuchs in Deutschland entging Allawi Anfang Dezember 2004 in Berlin nur knapp einem Attentat der Terrororganisation "Ansar al Islam". Die Anschlagspläne konnten von den deutschen Sicherheitsbehörden rechtzeitig aufgedeckt und die in Deutschland lebenden irakischen Mitglieder des Terrorkommandos verhaftet werden. Im Vorfeld der ersten freien Parlamentswahlen im Irak ließ Allawi im Januar 2005 die Militärpräsenz im Lande verstärken. Angesichts der Anschlagswelle, die das Land erschütterte, schien es zweifelhaft, ob die Wahlen in allen Regionen stattfinden konnten.

Am 30. Januar 2005 fanden die ersten freien Parlamentswahlen im Irak nach Hussein unter überraschend hoher Wahlbeteiligung von mehr als 60% statt. Dies obwohl noch im Vorfeld der Wahl und auch am Wahltag selbst zahlreiche Anschläge und Attentate zur Destabilisierung der inneren Situation beigetragen und sunnitische Religionsführer zum Wahlboykott aufgerufen hatten. Der Sieger der Wahlen zur verfassungsgebenden Übergangs-Nationalversammlung stand erst eine Woche später fest: Die überwiegend schiitische "Vereinigte Irakische Allianz" konnte 48,1 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, gefolgt von der kurdischen Wählervereinigung mit 25,8 Prozent. Allawis "Irakische Liste" rangierte mit knapp 14 Prozent an dritter Stelle.

Am 6. April 2005 wurde Dschalal Talabani vom irakischen Parlament mit 227 von 275 Stimmen zum Staatspräsidenten des Landes gewählt.


Die Staats- und Regierungschefs Asiens

NameIjad Allawi

AliasIyad, Ayad Allawi

Geboren am00.00.1945

GeburtsortBagdad (IRQ).