Biografie

Horst Sindermann

Der kommunistische Jugendfunktionär schloss sich in jungen Jahren während der nationalsozialistischen Herrschaft dem Widerstand in Deutschland an, was ihm mehrere Inhaftierungen und die Internierung in Konzentrationslager einbrachte. Nach Kriegsende engagierte sich Horst Sindermann in der KPD bzw. SED und deren Presse, um dann ab Mitte der 1950er Jahre bis 1989 führende Positionen in Partei, Staat und Regierung der Deutschen Demokratischen Republik wahrzunehmen...
Horst Sindermann wurde am 5. September 1915 in Dresden als Sohn eines Angestellten geboren.

Während seiner Schulzeit am Realgymnasium trat er dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) bei. Von 1932 bis 1933 war der junge Sindermann Unterbezirksleiter des KJVD in Dresden. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme durch Adolf Hitler im Januar 1933 schloss er sich dem kommunistischen Widerstand in Deutschland an, was ihm mehrere Inhaftierungen einbrachte. 1935 wurde Sindermann wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Als er die Strafe abgesessen hatte, internierte man ihn in den KZ Sachsenhausen und Mauthausen.

Das Kriegsende bescherte Sindermann die Befreiung aus der KZ-Haft. Er trat nun in die KPD ein und wurde als Chefredakteur der "Sächsischen Volkszeitung" in Dresden eingesetzt. Infolge des Zusammenschlusses von SPD und KPD zur SED in der Sowjetischen Besatzungszone wurde er 1946 Mitglied der SED. Nun berief man Sindermann zum Chefredakteur der "Volksstimme" in Chemnitz. Von 1947 bis 1949 fungierte er als Erster Sekretär der SED-Kreisleitung in Chemnitz und in Leipzig. Von 1950 bis 1953 leitete Sindermann die "Freiheit" in Halle als Chefredakteur.

Von 1954 bis 1963 kam er als Abteilungsleiter für Agitation im Zentralkomitee (ZK) der SED zum Einsatz. Von 1963 bis 1989 war Sindermann Mitglied des ZK und 1967 bis 1989 Mitglied des Politbüros des ZK der SED. In den Jahren 1963 bis 1971 stand Sindermann als Erster Sekretär der SED-Bezirksleitung Halle vor. Dann wurde er 1971 zum Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrates (d. h. zum Ersten Stellvertretenden Ministerpräsidenten) der DDR berufen, über den er 1973 bis 1976 schließlich als Ministerpräsident den Vorsitz führte. 1973 stieg er zum Stellvertretenden Vorsitzenden des Staatsrates der DDR auf.

Im Jahr 1976 wechselte Sindermann auf den Präsidentenstuhl der Volkskammer, wo er bis zum Zusammenbruch von 1989 die Sitzungen leitete und zugleich 1963 bis 1989 selbst als Abgeordneter vertreten war. Infolge der Herbstereignisse von 1989, die den Zusammenbruch der DDR und die deutsche Wiedervereinigung einleiteten, trat Sindermann im November von allen Partei- und Staatsfunktionen zurück. Im Dezember 1989 folgte sein Ausschluss aus der SED. Nach seiner vorübergehenden Inhaftierung konnte Sindermann im Februar 1990 aus gesundheitlichen Gründen eine vorzeitige Haftentlassung durchsetzen.

Horst Sindermann starb am 20. April 1990 in Berlin, ohne dass seine Verantwortlichkeit für die Menschenrechtsverletzungen in der DDR noch durch ein Gericht geprüft worden wäre.


Die Staats- und Parteichefs der Deutschen Demokratischen Republik 1949-1990

NameHorst Sindermann

Geboren am05.09.1915

SternzeichenJungfrau 24.08 -23.09

GeburtsortDresden (D).

Verstorben am20.04.1990

TodesortBerlin (D).