Biografie

Hans Hartung

Der deutsch-französische Maler und Graphiker zählte zu den bedeutendsten Vertretern der gegenstandslosen Malerei und des europäischen Informel. Er avancierte mit seinen Werken in den 1950er Jahren zu einem der einflussreichsten Repräsentanten der Ècole de Paris. Schon früh stieß Hans Hartung unter dem Einfluss von Wassily Kandinsky und Paul Klee zum abstrakten Stil. In seiner Auffassung legte er der Kunst eine eigene Realität bei. Damit verbunden war die strikte Vermeidung der Abbildung von Wirklichkeit im Kunstwerk. Charakteristisch für Hartungs Arbeiten ist sein rascher Pinselstrich. 1960 wurde er auf der Biennale in Venedig mit dem Großen Internationalen Preis der Malerei geehrt; 1968 erfolgte die Ernennung zum Kommandanten der Ehrenlegion; 1977 wurde er Mitglied des Instituts de France, Academie des Beaux-Arts in Paris und zugleich Mitglied des Orden Pour Le Merite für Wissenschaft und Künste...
Hans Heinrich Ernst Hartung wurde am 21. September 1904 in Leipzig geboren.

Ab 1915 besuchte Hartung das humanistische Gymnasium in Dresden und absolvierte dort sein Abitur. 1922 wandte er sich der gegenstandslosen Malerei zu – noch vor seinem Studium an den Akademien in Leipzig, Dresden und München – und fertigte abstrakte Bilder an. Im Anschluss an seine Schulzeit studierte er 1924 in Leipzig zunächst Geschichte und Philosophie. Dann wechselte er zur Malerei. Er besuchte in den Jahren von 1924 bis 1926 die Kunstakademien in Leipzig und Dresden. 1926 beteiligte er sich an der Internationalen Ausstellung in Dresden. Im selben Jahr machte er eine Fahrradtour durch Italien.

Im Jahr 1928 studierte er an der Akademie in München bei Max Doerner. 1929 heiratete er Anna-Eva Bergmann. Bis zum Jahr 1930 studierte er klassische Malerei und Maltechnik. 1931 beendete er seine Kunststudien und erhielt eine erste Ausstellung in der Dresdner Galerie Kühl. 1932 zog er nach Paris. Später machte sich dann der Einfluss von Wassily Kandinsky, dessen Werke er im Jahr 1925 kennen lernte, in den Arbeiten von Hartung bemerkbar. Auch in Paul Klee und den deutschen Expressionisten sah er ein Vorbild, woraus er eine graphische Bilderschrift ableitete, die aus gebündelten Linien auf diffusen Farbböden bestand.

Die Arbeiten stellten eine Niederschrift psychomotorischer Energien dar und zählen zum Informel, der künstlerischen Parallelbewegung aus Frankreich zum abstrakten Expressionismus aus den USA. Auf französischer Seite realisierten Jean Fautrier und Alfred Otto Wolfgang Schulze, besser bekannt unter Wols, einen ähnlichen Ausdrucksstil. In den Dreißigern durchreiste Hartung unter anderem Frankreich, Spanien, Holland und Skandinavien. 1935 emigrierte er vor den deutschen Nationalsozialisten nach Paris. 1937 nahm er an der Ausstellung "De Cézanne a l'art non-figuratif" im Jeu de Paume in Paris teil. Im Jahr darauf beteiligte er sich an der Ausstellung "Twentieth century German Art" in den New Burlington Galleries London, die die in Deutschland verfolgte "Entartete Kunst" präsentierte.

Der Künstler beteiligte sich weiter an den Ausstellungen im "Salon des Surindépendants". 1939 trat Hartung in die Fremdenlegion ein. Er wurde unter anderem in Afrika eingesetzt und mehrmals gefangen genommen. Während seiner gesamten Militärzeit gab er die Malerei auf. 1944, nachdem er bereits entlassen worden war, schloss er sich wieder den französischen Truppen in Nordafrika an. Als Legionär wurde er 1944 im Elsass so schwer verletzt, dass ihm das rechte Bein amputiert werden musste. Hartung kehrte nach Paris zurück. Nach Kriegsende im Jahr 1946 wurde Hans Hartung französischer Staatsbürger. In diesem Jahr wurde er in die französische Ehrenlegion aufgenommen und er bekam den Orden "Croix de Guerre" verliehen.

In dieser Zeit begann er wieder zu malen. Durch seinen abstrakten Ausdruck maß Hartung der Kunst eine eigene Wirklichkeit bei. Mit dieser Auffassung war eine radikale Vermeidung von Abbildung der Wirklichkeit in den Kunstwerken verbunden. Bezeichnend für seine Stilausführungen wurde der rasche Pinselstrich, der der östlichen Kalligraphie ähnelte. In der Bezeichnung vieler seiner Werke tritt eine schöne Regelmäßigkeit zutage. Er bezeichnete diese Werke mit dem Buchstaben T für Tableau und einer Folge aus Zahlen beziehungsweise Buchstaben, die unter anderem das Entstehungsdatum angibt. So sind Werke betitelt mit "T 1951-12" oder "T 1962-U7". 1972 ließ er sich in Antibes nieder, wo er bis zu seinem Tod lebte und arbeitete.

Hans Hartung ist ein vielgeehrter Künstler. 1960 wurde er auf der Biennale in Venedig mit dem Großen Internationalen Preis der Malerei geehrt. 1967 wurde er zum Kommandeur des Ordens des "Arts et des Lettres" ernannt und er erhielt den Ehrenpreis auf der VII. Internationalen Biennale der Graphik in Ljubljana. 1968 erfolgte die Ernennung zum Kommandanten der Ehrenlegion. 1970 konnte der Künstler den Grand-Prix des Beaux-Art de la Ville de Paris entgegennehmen. 1976 wurde er Ehrenbürger der Stadt Antibes. 1977 wurde er Mitglied des Instituts de France, Academie des Beaux-Arts in Paris und zugleich Mitglied des Orden Pour Le Merite für Wissenschaft und Künste. 1981 war er Träger des Oskar Kokoschka-Preises der Republik Österreich.

Im Jahr 1982 wurde der Hartung-Saal in der Staatsgalerie Moderner Kunst München eingeweiht. 1984 wurde der Hartung-Raum im Hessischen Landesmuseum Darmstadt eingerichtet. In dieser Zeit bekam Hartung den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Künste verliehen. 1985 wurde ihm das Große Abzeichen der Zweitausendjahrfeier der Stadt Paris verliehen. 1987 machte ihn Belfort zum Ehrenbürger, und ihm zu Ehren gab das Münzamt Paris die Medaille von Pierre Lovy heraus. 1988 erhielt er die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde von Lau Gaude. Und 1989 wurde Hartung in die Würde eines Großoffiziers der Ehrenlegion erhoben.

Hans Hartung starb am 8. Dezember 1989 in Antibes.

NameHans Hartung

Geboren am21.09.1904

SternzeichenJungfrau 24.08 -23.09

GeburtsortLeipzig (D).

Verstorben am08.12.1989

TodesortAntibes (F).