Biografie

Günter Schabowski

Der Arbeitersohn und Diplom-Journalist vollzog eine steile Karriere in Journalismus und Partei der DDR. Als ZK- und Politbüro-Mitglied der SED sowie als Parteichef der Hauptstadt der DDR galt Günter Schabowski als möglicher Nachfolger Erich Honeckers. Im Zuge der Herbstereignisse von 1989 stellte sich "Schabo" als einziges Politbüro-Mitglied der aufgebrachten Öffentlichkeit, um dann durch ein historisches Missverständnis den Fall der Berliner Mauer auszulösen...

Die Staats- und Parteichefs der Deutschen Demokratischen Republik 1949-1990
Günter Schabowski wurde am 4. Januar 1929 im mecklenburgischen Anklam geboren.

Schabowski entstammte einer Arbeiterfamilie. Bereits mit 17 Jahren trat Schabowski dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) bei. 1947 begann er als Assistent für die Gewerkschaftszeitung "Tribüne" zu arbeiten, in deren Redaktionskollegium er 1952 eintrat. Nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurde Schabowski 1950 Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und 1952 Mitglied der SED. In den Jahren von 1953 bis 1967 fungierte er als stellvertretender Chefredakteur der "Tribüne". Zugleich studierte Schabowski im Fernstudium an der Karl-Marx-Universität Leipzig Journalismus. 1962 schloss Schabowski mit dem Diplom ab.

In den Jahren 1967/68 folgte eine Ausbildung an der Parteihochschule der KPdSU in Moskau. 1968 wurde Schabowski zum stellvertretenden Chefredakteur des Zentralorgans der SED "Neues Deutschland" berufen. 1974 erhob man ihn zum ersten stellvertretenden Chefredakteur. Von 1978 bis 1985 fungierte er als Chefredakteur. In dieser Position war Schabowski auch Mitglied des Zentralvorstands des Journalistenverbandes der DDR und des Agitationskomitees beim SED-Politbüro. Im Jahr 1981 zog er in die Volkskammer ein, in der er bis zum Ende der DDR vertreten blieb. 1981 wurde Schabowski Mitglied des ZK der SED, 1984 Mitglied des Politbüros. Ab 1986 fungierte er auch als Sekretär des ZK. In den Jahren 1985 bis 1989 war er auch Erster Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin.

Als möglicher Nachfolger Erich Honeckers im Amt des Parteichefs der SED konnte der Politiker auf mehrere offizielle Ehrungen wie den Vaterländischen Verdienstorden in Gold (1977) und den Karl-Marx-Orden (1989) verweisen. Im Zuge der Herbstunruhen von 1989, die zur Auflösung der DDR und zur deutschen Wiedervereinigung führten, spielte Schabowski von parteioffizieller Seite eine Schlüsselrolle. Am 4. November 1989 stellte er sich bei einer Protestkundgebung auf dem Berliner Alexanderplatz den Massen. Am Abend des 9. November 1989 gab Schabowski im Rahmen einer live im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz die kurzfristige Visa-Erteilung für ausreisewillige DDR-Bürger an allen DDR-Grenzübergängen bekannt. Die Verlautbarung erfolgte verfrüht und zur Überraschung seiner Politbüro-Kollegen.

Sie löste noch in der Nacht einen massenhaften Ansturm auf die Grenzübergänge und den unerwarteten Abbau von Mauer und Grenzanlagen innerhalb weniger Tage und Wochen aus. Nachdem Schabowski noch Mitte November zum Sekretär des ZK für Informationswesen und Medienpolitik berufen worden war, trat er im Dezember 1989 mit dem ZK der SED von seinen politischen Führungsämtern zurück. Im Januar 1990 folgte der Ausschluss Schabowskis aus der sich neu formierenden SED/PDS. Ein Jahr später legte er seinen Erfahrungsbericht "Der Absturz" vor. Schabowski wandte sich wieder dem Journalismus zu und war von 1992 bis 1999 für die "Heimatnachrichten" in Bebra tätig. 1994 veröffentlichte er "Abschied von der Utopie".

Ein im Zusammenhang mit den Fälschungen der DDR-Kommunalwahlen gegen Schabowski eingeleitetes Verfahren wurde 1997 eingestellt. Im selben Jahr wurde er jedoch im Zuge eines Prozesses wegen seiner Mitverantwortung für die Maueropfer zu drei Jahren Haft verurteilt. Nach ergebnisloser Revision trat Schabowski im Dezember 1999 seine Haftstrafe in Berlin an, aus der er im Oktober 2000 vorzeitig entlassen wurde. Privat war er mit Irina verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Günter Schabowski starb am 1. November 2015 in Berlin. 


NameGünter Schabowski

Geboren am04.01.1929

SternzeichenSteinbock 22.12 - 20.01

GeburtsortAnklam (D).

Verstorben am01.11.2015

TodesortBerlin (D).