Biografie

Dieter Hildebrandt

Der Sohn schlesischer Vertriebener und Schauspieler vollzog in der durch ihn 1956 mitbegründeten Münchener "Lach- und Schießgesellschaft" eine erfolgreiche Karriere als Berufskabarettist. Für über zwei Jahrzehnte fungierte Dieter Hildebrandt mit seinen Sendungen "Notizen aus der Provinz" und "Scheibenwischer" als kritisches und ironisches "Gewissen der Nation". Im Frühjahr 2003 begeisterte der dienstälteste Fernsehkabarettist der Bundesrepublik in seiner vorletzten "Scheibenwischer"-Sendung das Publikum der ARD, von dem er sich am 2. Oktober 2003 endgültig verabschiedete. Mit Lesungen aus seinen Büchern erlebte ihn sein Publikum zuletzt regelmäßig auf der Bühne...

Prominente Vertreter der deutschen Fernsehkultur
Dieter Hildebrandt wurde am 23. Mai 1927 im schlesischen Bunzlau geboren.

Sein Vater war Beamter in der Regionalverwaltung. Nach einem Internatsbesuch kam Hildebrandt ab seinem 16. Lebensjahr als Luftwaffenhelfer im Arbeitsdienst und als Soldat im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz. Kurz vor Kriegsende geriet er in britische Gefangenschaft. Durch die deutsche Kriegsniederlage wurde die Familie aus Schlesien vertrieben. Sie ließ sich in der Oberpfalz nieder. In Weiden machte Hildebrandt 1947 das Abitur nach. 1950 nahm Hildebrandt ein Studium der Literatur- und Theaterwissenschaften und der Kunstgeschichte an der Universität München auf. 1955 brach er seine Studien ohne Abschluss ab. Stattdessen führten ihn seine unterschiedlichen Erwerbstätigkeiten, denen er zur Finanzierung des Studiums und Lebensunterhalts nachgehen musste, in die Kultur- und Kabarettszene der bayerischen Hauptstadt ein.

Die als Platzanweiser im Kabarett "Kleine Freiheit" gesammelten persönlichen und künstlerischen Erfahrungen orientierten ihn zur Schauspielerei. Im Jahr 1953 absolvierte Hildebrandt die Schauspieler-Genossenschaftsprüfung. 1955 gründete er mit Kommilitonen das Kabarett "Die Namenlosen", dessen Aufführungen in Schwabing auf seine Skripte zurückgingen. 1956 wirkte Hildebrandt an der Gründung der "Münchner Lach- und Schießgesellschaft" mit, in der er in den folgenden Jahren als Schauspieler und Texter seinen Durchbruch zum professionellen Kabarettisten vollzog. Bis 1990 wirkte Hildebrandt aktiv an der Programmgestaltung des Schwabinger Kabaretts mit, in dem er bis heute noch Gesellschafter ist. Der Kabarettist erzielte jedoch vor allem durch seine Fernsehauftritte eine breite Popularität im deutschsprachigen Kulturraum.

Seine ZDF-Serie "Notizen aus der Provinz" erfreute sich von 1972 bis 1979 einer regelmäßigen Aufwertung durch die Proteste von CDU/CSU-Politikern. Seit Juni 1980 verschaffte sich Hildebrandt dann mit seinem beim "Sender Freies Berlin" für die ARD produzierten Live-Kabarett "Scheibenwischer" den Ruf des politischen Kabarettisten der Bundesrepublik. Hildebrandt moderierte in den folgenden beiden Jahrzehnten den "Scheibenwischer" mit unerbittlicher Kritik gegenüber der Tagespolitik, die er mit einer unbestechlichen Haltung, Satire, Ironie und optimistischem Humor zu kommentieren pflegte. Dadurch geriet er zu einer "moralischen Instanz" der Fernsehnation, der sich der Bayerische Rundfunk gelegentlich zu entziehen versuchte, indem er sich aus dem Gemeinschaftsprogramm der ARD verabschiedete.

Einen größeren Spielfilmauftritt feierte Hildebrandt, der neben dem "Scheibenwischer" noch an mehreren anderen Film- und Theaterproduktionen mitwirkte, 1992 in "Wir Enkelkinder" von Bruno Jonas. Bestseller wurde auch die autobiographische Trilogie des Kabarettisten, die 1986 unter dem Titel "Was bleibt mir übrig", 1992 als "Denkzettel" und 1997 als "Gedächtnis auf Rädern" erschien. Er erhielt für sein künstlerisches Schaffen zahlreiche Kunst- und Medienpreise. 1986 nahm er stellvertretend für das gesamte Kabarett-Team des "Scheibenwischer" den "Adolf-Grimme-Preis" in Gold entgegen. Im Sommer 2002 ehrte man ihn mit dem "Goldenen Spaten", dem bayerischen Kabarettpreis. Indes stellte der 76-Jährige seine Mitwirkung an der "Scheibenwischer"-Serie erst gegen Jahresende 2003 ein.

Nach der Moderation der vorletzten "Scheibenwischer"-Sendung am 15. Mai 2003 nahm der Kabarettist am 2. Oktober mit dem letzten "Scheibenwischer", an dem er verantwortlich mitwirkte, seinen Abschied. Indes war auch die Fortsetzung des "Scheibenwischers" nach dem Ausscheiden Hildebrandts gesichert: Mitte September 2003 verlautete, dass ausgerechnet der Bayerische Rundfunk (BR), der zeitweilig eine erbitterte Kampagne gegen den "Scheibenwischer" geführt hatte, zusammen mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) die erfolgreiche Satiresendung unter demselben Titel fortführen wolle. Am 8. Januar 2004 wurde die erste Ausgabe der neuen "Scheibenwischer"-Folge ohne Hildebrandt ausgestrahlt, die ohne Frontmann nun durch das Team Bruno Jonas, Mathias Richling und Georg Schramm bestritten wird.

Nach dem Krebstod seiner ersten Frau, mit der er zwei Töchter hatte, war Hildebrandt seit 1992 mit der Kabarett-Kollegin Renate Küster verheiratet.

Dieter Hildebrandt starb am 20. November 2013 in München.


Prominente Vertreter der deutschen Fernsehkultur

NameDieter Hildebrandt

Geboren am23.05.1927

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortBunzlau (Schlesien, Polen).

Verstorben am20.11.2013

TodesortMünchen (D).