Biografie

Willi Baumeister

Der Maler, Graphiker und Bühnenbildner zählte in den vierziger und fünfziger Jahren zu den führendsten deutschen Künstlern der abstrakten Malerei. Im Bereich der gegenständlichen Darstellung wandte sich Willi Baumeister häufig den Themen Sport und Maschinen zu. In seiner experimentellen Kunst entwickelte er sich immer weiter zum Abstrakten und Surrealistischen unter dem Einfluss des Konstruktivismus. Bekannt wurde er unter anderem durch seine sogenannten konstruktivistischen Mauerbilder. Später stellten seine Bilder häufig Archaismen afrikanischer oder vorderasiatischer Höhlenkulturen dar. Sein Buch, "Das Unbekannte in der Kunst", ist als eine Verteidigungsschrift der abstrakten Malerei zu verstehen, in der er das Unbekannte als kunsttheoretisches Zentrum postuliert. Baumeister selbst definiert das Unbekannte in der Kunst darin nicht explizit, sondern bezeichnet es als "das Geheimnis der Schöpfungstat"...
Willi Baumeister wurde am 22. Januar 1889 in Stuttgart geboren.

Baumeister absolvierte von 1905 bis 1907 eine Lehre als Dekorationsmaler. In den Jahren 1907 und 1908 leistete er seinen Militärdienst ab. Danach studierte er bis 1910 an der Kunstakademie Stuttgart unter anderem bei Adolf Hölzel. 1913 beteiligte er sich am Ersten Deutschen Herbstsalon in der Galerie "Der Sturm" in Berlin. Von 1914 bis 1918 nahm er am Kriegsdienst teil. Danach beschäftigte er sich bis 1923 mit Bühnenbildern und typographischen Arbeiten. Mit seinen 1919 entstandenen konstruktivistischen Mauerbildern wurde er bekannt. Die auf Sandgrund gemalten Bilder bestehen vielfach aus Holzreliefs. Themen der gegenständlichen Darstellungen sind oft Sport und Maschinen. Baumeister experimentierte häufig mit Formen und Materialien.

Daraus entwickelte sich zunehmend ein abstrakter Stil mit konstruktivistischen und surrealistischen Elementen. Baumeisters künstlerisches Schaffen zeichnete sich dadurch aus, dass er oftmals komplette Bilderreihen schuf. In den Jahren 1926 und 1927 stellte er seine Werke in Paris aus. Ab 1928 war er Professor an der Städelschen Kunstschule in Frankfurt/M. und lehrte Typographie und Photographie. 1933 entließen ihn die Nationalsozialisten aus dem Lehramt. 1932 stellte er seine Bilder bei Ernst Cassirer in Berlin aus. Die von den Nationalsozialisten organisierte Ausstellung "Entartete Kunst" zur Diffamierung von Künstlern zeigte 1937 auch die Werke von Willi Baumeister. Im Jahr darauf waren seine Bilder auf einer Londoner Ausstellung zu sehen. In dieser Zeit brachte Baumeister etwa 60 seiner Werke in die Schweiz, um sie vor den Nationalsozialisten zu schützen.

Ab Ende der dreißiger Jahre, interessierte er sich für historische Höhlenmalereien aus Vorderasien und Afrika und ließ sich davon in seinem Schaffen anregen. Archaischen Motive fanden ihren Niederschlag in seinen Kunstwerken. 1941 belegten die NS-Machthaber den Künstler mit einem Mal- und Veröffentlichungsverbot. Baumeister arbeitete in dieser Zeit in dem maltechnischen Institut des Wuppertaler Lackfabrikanten Herberts. 1943 begannen die Arbeiten zu seinem kunsttheoretischen Werk "Das Unbekannte in der Kunst", das sich mit der abstrakten Malerei beschäftigt. Veröffentlicht wurde es 1947. Von 1946 bis 1955 war er an der Stuttgarter Kunstakademie als Professor tätig. In dieser Zeit entstanden unter anderem die Bildreihen "Urbilder", "Kegelspiele" und "Metaphysische Landschaften". Sie bedeuteten Baumeister ein Neuanfang. 1954 wurde er mit der Klimt-Ehrung für sein Gesamtwerk ausgezeichnet.

Zu seinen Spätwerken bevorzugte Baumeister oftmals die Farbe Schwarz als das Farblose, das er in Zusammenhang mit dem Unbekannten brachte. Höhepunkt seiner künstlerischen Kreativität sind die ab 1953 geschaffenen Montaru- und Monturi-Serien, die von starker Farbigkeit und einem abstraktem Stil geprägt sind. Dennoch spielt auch dabei die Farbe Schwarz eine Rolle. In der abstrakten Malerei, die Baumeister in seinem Buch "Das Unbekannte in der Kunst" kunsttheoretisch begründet, hat er sich unter den führendsten Künstlern dieser Richtung in Deutschland einen Namen gemacht. Das Buch ist als eine Verteidigungsschrift der abstrakten Malerei zu verstehen, in der er das Unbekannte als kunsttheoretisches Zentrum postuliert. Baumeister selbst definiert das Unbekannte in der Kunst darin nicht explizit, sondern bezeichnet es als "das Geheimnis der Schöpfungstat".

Das Unbekannte spielt eine ureigentliche Rolle in der abstrakten Malerei, denn es ist keine Ableitung von etwas anderem, sondern die urtümlichste Schaffenstat selbst. Baumeister verband das Unbekannte mit den Naturkräften als eine Gleichsetzung. Dem Künstler obliegt es, diese Naturkräfte in seinem Schaffensprozess zu offenbaren durch möglichst reine Formen. Diese waren für ihn nicht ausschließlich gleichbedeutend mit exakten Formen der Geometrie, sondern sie entsprachen den Grundformen in der Natur. Willi Baumeister folgte in Bezug auf das Spirituelle in der Kunst der Auffassung von Wassily Kandinsky, die Kandinsky in seinem Werk "Über das Geistige in der Kunst" darlegt. Zum Unbekannten in der Kunst gehörte für ihn die Flexibilität, die Entwicklung, die mit vielen Erscheinungsformen zusammenhängt.

Den künstlerischen Einfall zu einem Kunstwerk bezeichnete er als Scheinziel, da ja das eigentliche Ziel das Unbekannte sei. Baumeister gehörte in den vierziger und fünfziger Jahren zu den führendsten Avantgardisten in Deutschland. Zu seinen Werken zählen unter anderem "Aru Dunkel-Blau", "Bewegte Vertikalen auf Blau", "Blixao", "Das schwarze Zelt", "Fries mit gelber Spirale", "Kessaua Aru", "Komposition in Gruen", "Laterne auf Gelb", "Metaphysische Landschaft", "Mo mit Kreis", "Nocturn", "Roter Fries" oder "Szene in Blau". Eine bedeutende Sammlung von Werken Baumeisters befindet sich im "Archiv Willi Baumeister", das Teil des Kunstmuseums Stuttgart ist, und in der Sammlung Domnick, Nürtingen.

Willi Baumeister starb am 31. August 1955 in Stuttgart.

NameWilli Baumeister

Geboren am22.01.1889

SternzeichenWassermann 21.01 - 19.02

GeburtsortStuttgart (D).

Verstorben am31.08.1955

TodesortStuttgart (D).