Biografie

Wilhelm von Humboldt

Der Spross einer preußischen Adelsfamilie war bereits in jungen Jahren Teil der aufgeklärten kosmopolitischen Gelehrtenrepublik Europas. Als Diplomat, Staatsmann und Bildungsreformer wirkte Wilhelm von Humboldt inmitten der europäischen Wirren der Französischen Re-volution, napoleonischen Herrschaft und Restauration. Besondere Verdienste erwarb er sich als Staatsmann bei der preußischen Bildungsreform und als Akademiker in der Sprachwissenschaft und Sprachphilosophie...
Wilhelm von Humboldt wurde am 22. Juni 1767 in Potsdam geboren.

Sein Vater war der adelige Major und Grundbesitzer Alexander Georg von Humboldt. Seine Mutter, Marie-Elisabeth von Colombe, entstammte einer südfranzösischen Hugenotten- und Kaufmannsfamilie. Zusammen mit seinem Bruder Alexander von Humboldt genoss Wilhelm die standesübliche hohe Bildung durch anerkannte Privatlehrer und Hofmeister. Bereits mit jungen Jahren verkehrte Humboldt im Berliner Salonleben der preußischen Aufklärung, wo er dem "Tugend-bund" beitrat. Mit seinem Bruder Alexander begann Humboldt 1787 ein Studium zunächst an der Universität Frankfurt/Oder, von wo er dann nach Göttingen wechselte.

Im Revolutionsjahr 1789 unterbrach er die Universitätsstudien, um eine für adelige Sprösslinge damals übliche Bildungsreise zu unternehmen, die ihn über Aachen und Lüttich just nach Paris führte, wo er sachlich-kühler Augenzeuge der französischen Revolutionsereignisse war. Von Paris aus setzte Humboldt die Reise nach Mainz, Mannheim, Stuttgart, Zürich, Weimar und Jena fort, wo er überall mit den bedeutendsten Vertretern des deutschen Geistesleben Bekanntschaft machte. Schließlich trat Humboldt 1790 in den preußischen Staatsdienst ein, wo er zunächst als Legationsrat im auswärtigen Departement und als Referendar am Hof- und Kammergericht tätig wurde.

Doch bereits ein Jahr später trat er wieder aus, um sich weiteren Studien und der politischen Publizistik zu widmen. In dieser Zeit entstanden seine ersten politischen Schriften, die sich wie die "Ideen über Staatsverfassung" kritisch mit dem monarchischen Staat auseinander setzten. Im Frühjahr 1794 ließ sich Humboldt mit seiner Frau Karoline von Dacheröden in Jena nieder, wo er engsten Umgang mit Friedrich von Schiller und anderen Geistesgrößen pflegte. Gegen Jahresende 1797 wechselten sie nach Paris, wo sie im Zentrum der geistig-literarischen Elite standen.

Von der französischen Hauptstadt aus unternahm Humboldt 1799/1800 und 1801 zwei Spanienreisen, die ihn wesentlich zu seinen universalen Sprachstudien inspirierten. Nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in Berlin ließen sich Humboldt und seine Frau, inzwischen mit vier Kindern, im November 1802 in Rom nieder, wo er bis 1908 als preußischer Resident beim Vatikan diente. In Italien verstarben zwei ihrer Kinder. Im Anschluss daran wurde Humboldt im Februar 1809 in das preußische Reformkabinett unter Freiherr vom Stein berufen, wo er bis Juni 1810 im Innenministerium die Sektion Kultus und Unterricht leitete.

Trotz der kurzen Dauer des Amtes konnte der Gelehrte bedeutende Bildungsreformen anstoßen, die von seinen Nachfolgern etwa zur Reform des Gymnasiums weiterentwickelt wurden und 1811 in die Gründung der Berliner Universität (heute: Humboldt-Universität) mündeten. Ab September 1810 fungierte Humboldt als preußischer Gesandter in Wien, von wo er maßgeblich an der antinapoleonischen Allianz der folgenden Jahre mitwirkte. Nach dem Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft war der Diplomat von 1814 bis 1818 in Frankfurt, Wien, Paris, London, Berlin und Aachen wesentlich an der Neuordnung Europas beteiligt, wie sie im Zuge der Restaurations- und Kongresspolitik durchgesetzt wurde.

Im Jahre 1819 übernahm Humboldt erneut, doch nur für kurze Zeit, als Minister für ständi-sche Angelegenheiten eine Regierungsfunktion in Berlin. Aufgrund seines Protestes gegen die durch die Karlsbader Beschlüsse vom 22. September 1819 auch in Preußen eingeleiteten repressiven Wende sah er sich gegen Jahresende mit seiner Entlassung aus dem Staatsdienst konfrontiert. Humboldt zog sich in den nachfolgenden Jahren ganz aus der Politik zurück, um sich seinen universalen Sprachstudien und der Lehre an der Akademie zu widmen. Als sein großes sprachwissenschaftliches Hauptwerk gilt das Buch "Über die Kawi-Sprache auf der Insel Java", das posthum veröffentlicht wurde.

Nachdem 1829 seine Frau Karoline verstorben war, übernahm Humboldt in seinen letzten Lebensjahren auch wieder öffentliche Funktionen: So war er ab 1829 Vorsitzender der Kommission für die Errichtung des Neuen Museums und ab 1830 auch im preußischen Staatsrat vertreten.

Wilhelm von Humboldt starb am 8. April 1835 in Tegel bei Berlin.

NameWilhelm von Humboldt

Geboren am22.06.1767

SternzeichenKrebs 22.06 - 22.07

GeburtsortPotsdam (D).

Verstorben am08.04.1835

TodesortTegel, Berlin (D).

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