Biografie

Vicco von Bülow

Der Humorist, Karikaturist und Schnellzeichner zählte mit intelligentem und pointiertem Humor zu den vielseitigsten deutschen Künstlern. Mit Wortwitz, Tiefsinn, feinem Humor und legendären Pointen avancierte er zum Feingeist der Unterhalter. Mit seinen Knollennasen-Figuren, Filmen und Sketchen schrieb Vicco von Bülow deutsche Fernsehgeschichte. Als "Loriot" wurde er in zahlreichen Cartoons, Sketchen und Bühnenstücken unvergesslich. Größte Hochachtung verdiente er sich auch als Autor und Regisseur. Bedacht wurde seine Arbeit mit den renommiertesten Preisen und Auszeichnungen der Medien und des Landes; darunter der Karl-Valentin-Orden. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen "Evelyn und die Männer" (1987), "Ödipussi" (1988) und "Pappa ante Portas" (1991)...
Bernhard Victor "Vicco" Christoph Carl von Bülow wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel, als Sohn einer preußischen Offiziersfamilie geboren.

Von 1934 an besuchte von Bülow das Humanistische Gymnasium in Berlin und später in Stuttgart, wo er 1941 das Abitur ablegte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zog von Bülow nach Hamburg. An der Kunstakademie studierte er von 1947 bis 1949 Malerei und Grafik. Im Anschluss daran arbeitete er als Werbegrafiker. Ab 1950 war von Bülow als Cartoonist für den "Stern" in Hamburg tätig. Seit dieser Zeit signierte er mit dem Pseudonym "Loriot", das der französischen Bezeichnung des Wappentieres seiner Familie, des Pirols, entspricht. Der erste Cartoonband von Loriot erschien 1954 unter dem Titel "Auf den Hund gekommen". Erste Aufträge als Cartoonist für die Illustrierte "QUICK" sowie erste humoristische Werbeplakate für einen Spirituosen-Hersteller folgten im Jahr 1955 und bescherten ihm erste Popularität.

Ab 1967 war Loriot an der satirischen "Prosa" und an den TV-Zeichentrick-Produktionen "Cartoon" oder "Stanwell" beteiligt. Bereits 1968 wurde von Bülow für sein Schaffen mit dem "Adolf-Grimme-Preis" und 1969 mit der "Goldenen Kamera" bedacht. 1971 entstand von Bülows Entwurf zum legendären TV-Hund "Wum", der als Maskottchen der von Wim Toelke moderierten Sendung "Aktion Sorgenkind" Karriere machte. 1972 wurde von Bülow mit der "Rose D´or de Montreux" und dem "Stern des Jahres" der "Münchner Abendzeitung" geehrt. Für seine musikalische Komposition "Ich wünsch mir eine kleine Miezekatze" erhielt er 1973 die "Goldene Schallplatte" und den "Adolf-Grimme-Preis" in Silber. Seine Arbeiten wurden im Rahmen einer Sonderausstellung im Wilhelm-Busch-Museum Hannover gezeigt.

Höchste Anerkennung verdiente sich von Bülow 1974 mit der Fernsehsendung "Telekabinett", für die er noch im selben Jahr mit dem "Großen Verdienstkreuz" des "Karl-Valentin-Ordens" geehrt wurde. 1975 schrieb er den Text zu "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saens, wofür er 1976 den "Deutschen-Schallplatten-Preis" erhielt. Ebenso wurde 1976 die erste Sendung der fünfteiligen Serie "Loriot" ausgestrahlt. In der Produktion dieser Fernseh-Sketche war von Bülow sowohl Hauptdarsteller wie auch als Autor und Regisseur aktiv. Abermals wurde er für "Loriot" 1978 mit der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet. Für seine politische Satire im Rahmen des TV-Magazins "REPORT" erhielt von Bülow 1980 den "Bayerischen Verdienstorden". Anlässlich des 100. Geburtstages der Berliner Philharmoniker 1982, führte von Bülow mit einer Festrede sowie mit Sketchen durch den Abend, ebenso zur Wiedereröffnung des Deutschen Theaters in München.

Zu seinem 60. Geburtstag im Jahr 1983 produzierte Radio Bremen für die ARD die Sendung "Loriots 60. Geburtstag". Im selben Jahr wurde sein Werk mit dem Titel "Möpse und Menschen. Eine Art Biografie" publiziert. 1985 inszenierte er als Regisseur "Dramatische Werke" im Stadttheater Aachen sowie die Oper "Martha" von F. von Flotow an der Staatsoper in Stuttgart. 1986 wurde von Bülow mit dem Ehrenpreis für Fernsehunterhaltung "Telestar" und dem "Critici in erba" auf der internationalen Jugendbuchmesse Bologna ausgezeichnet. 1987 entstand mit "Ödipussi" der erste abendfüllende Kinofilm von "Loriot". Auch bei dieser Produktion war er Hauptdarsteller, Regisseur und Autor. Der Streifen wurde mit dem "Ernst-Lubitsch-Preis" für die beste deutschsprachige Filmkomödie des Jahres ausgezeichnet.

Erneut für das Theater inszenierte von Bülow 1988 die Oper "Freischütz" anlässlich der Ludwigsburger Schlossfestspiele, und 1990 folgte der erste Auftritt mit dem Scharoun-Ensemble in Berlin in dem Stück "Karneval der Tiere". Anfang des Jahres 1991 erschien von Bülows zweite Spielfilmproduktion "Papa ante portas" in den Kinos, die ihm die "Goldene Leinwand" der Gilde Deutscher Filmkunsttheater bescherte. Er feierte im selben Jahr mit den Theaterstücken "Karneval der Tiere" im Gewandhaus Leipzig sowie mit "Peter und der Wolf" im Brandenburger Theater große Erfolge. 1993 inszenierte er "Der Ring an einem Abend" in der Volksoper in Wien. Im selben Jahr wurde von Bülow Ehrenbürger der Stadt Brandenburg sowie der Gemeinde Münster. Darüber hinaus wurde er Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in der Abteilung Darstellende Kunst.

Im Jahr 1994 veröffentlichte von Bülow das Buch "Sehr verehrte Damen und Herren" und eine CD mit Erzählungen. Ebenso erfolgten zahlreiche Lesungen aus dem Briefwechsel von Friedrich II. und Voltaire. Nach einigen weiteren Lesungen zu diesem Thema im Jahr 1995, beteiligte sich von Bülow Anfang 1996 an der Thomas Mann-Lesung im Jüdischen Gemeindezentrum in Frankfurt. Vicco von Bülow wurde 1997 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin-Brandenburg. Im Jahr darauf erhielt er die Auszeichnung des "Großen Verdienstkreuzes mit Stern" des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Weiter erfolgte 1999 die Verleihung des Weilheimer Literaturpreises. Im Mai 2002 wurde Vicco von Bülow der "Ehrenpreis" des "Bayerischen Filmpreises" durch Edmund Stoiber, der auch die Laudatio hielt, überreicht.

Anlässlich des 80. Geburtstages von Bülows, feierte das deutsche Fernsehen Mitte November 2003 den "Grandseigneur des deutschen Humors" mit einer ausführlichen Hommage. 2004 wurde er mit dem "Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache" ausgezeichnet. Für sein Lebenswerk wurde er 2009 mit dem Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie ausgezeichnet.

Vicco von Bülow starb am 22. August 2011, im Alter von 87 Jahren, in Ammerland am Starnberger See.


Prominente Vertreter der deutschen Fernsehkultur

NameVicco von Bülow

AliasLoriot

Geboren am12.11.1923

SternzeichenSkorpion 24.10 - 22.11

GeburtsortBrandenburg an der Havel (D).

Verstorben am22.08.2011

TodesortAmmerland, Starnberger See (D).