Biografie

Sigmar Polke

Der deutsche Künstler war Miterfinder des Begriffs "Kapitalistischer Realismus". Neben einer ironischen Bedeutungsvariante erkannte sich der Maler in der Ausübung seiner Kunstauffassung darin aber als deutsche Version der amerikanischen Pop-Art. Seine Werke haben Produkte der alltäglichen Lebenswelt zum Mittelpunkt, die Sigmar Polke auf ebensolchen Materialien, wie Tapete oder Stoff, realisierte. Er amte in seinem Stil scheinbar die Richtung der Dekorations- und Reklamedarstellung nach. Später wechselte er zur Technik des Punkterasters. Polke kombiniert Elemente aus dem Bereich der alltäglichen Kultur und der Kunstgeschichte in ironisierender Weise...
Sigmar Polke wurde am 23. März 1941 im niederschlesischen Oels geboren.

Polke ging im Jahr 1953 nach Westdeutschland. Von 1959 bis 1960 absolvierte er eine Glasmalerlehre. Danach studierte er von 1961 bis 1967 an der Kunstakademie in Düsseldorf und war Schüler von Karl-Otto Götz und Gerhard Hoehme. 1963 prägte Polke, zusammen mit Konrad Lueg und Gerhard Richter, den Begriff des "Kapitalistischen Realismus". Die Künstler spielten damit in ironischer Weise auf die offizielle DDR-Bezeichnung "Sozialistischer Realismus" als dortige Kunstrichtung an. Dahinter verbarg sich aber auch die kritische Sichtweise auf den Massenkonsum und den fraglosen Optimismus über den Fortschritt. Andererseits sahen sich die Künstler als deutsche Antwort auf die amerikanische Pop-Art.

Dabei steht die Abkürzung Pop-Art für die Bezeichnung "popular art", was man als "volkstümliche Kunst" übersetzen kann. In dieser Weise realisierte Sigmar Polke zunächst in den sechziger Jahren auch seine Werke. Sie stellten Massenprodukte des alltäglichen Lebens dar, wie zum Beispiel Schokolade, Wannen oder Liebespaare. Konsequenterweise verwand er auch Untergründe aus diesem Bereich, wie gängige Tapete oder Stoff. 1966 erhielt er den Kunstpreis der deutschen Jugend in Baden-Baden. Vorbild zu seinen Motiven war die zeitgenössische Dekorations- und Reklamemalerei. Ab 1963 wechselte Polke zur Technik des Punkterasters, das er grob auflöste – ein Verfahren, das der Drucktechnik entstammt.

In seiner Weiterentwicklung stieß er auf Materialien, die sich auch nach dem Malprozess auf dem Bild verändern und beispielsweise ihr farbliches Aussehen wechseln. Als gefragter Künstler veranstaltete Polke seit 1966 jedes Jahr – ausgenommen 1971 – mehrere Ausstellungen. Darüber hinaus beteiligte sich der Künstler noch an einer Vielzahl von Gemeinschaftsausstellungen. Sigmar Polke verstand es in seinen Bildern in naiv-verspielter Weise Gegenstände aus der alltäglichen Lebenskultur mit kunstgeschichtlichen Elementen zusammenzubringen. Von 1970 bis 1971 dozierte Polke als Gastprofessor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. 1972 zog er in den Gaspelshof in Willich/Niederrhein.

In den Jahren 1972, 1979 und 1982 nahm er an der documenta 5, 6 und 7 in Kassel teil. Es folgte 1974 eine Reise nach Pakistan und Afghanistan. 1975 erhielt er den Preis der Stadt São Paulo anlässlich der 13. Biennale São Paulo. Von 1977 bis 1991 hatte er einen Lehrstuhl an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Die Werke des Künstlers Sigmar Polke sind einer breiten Öffentlichkeit auf nationalen und internationalen Ausstellungen in Galerien und Kunsthäusern zugänglich. Im Folgenden ein Ausschnitt aus dem Verzeichnis seiner Einzelausstellungen. 1986 war Polke deutscher Vertreter auf der Kunst-Biennale Venedig. Zu seinen Veröffentlichungen aus dieser Zeit zählen unter anderem die Titel: "Zeichnungsheft; Faksimile" (1983), "Der kunstfeind von welt format" (1984), 1988 "What interests me is the Unforeseeable" (1984) oder "Kunstbuch -Ein Album für Walther König" (1999).

Zu nationalen und internationalen Auszeichnungen in den 1980er Jahren zählten 1982 der Will-Grohmann-Preis, 1984 der Kurt-Schwitters-Preis in Hannover, 1986 der Goldenen Löwe der 47. Biennale Venedig, 1987 der Lichtwark-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg, 1988 der Internationale Preis des Landes Baden-Württemberg für bildende Kunst. In den 1990er Jahren erhielt er Auszeichnungen wie 1993 der Lovis-Corinth-Preis der Künstlergilde Esslingen, 1994 der Erasmus-Preis, 1995 der Carnegie-Preis im US-amerikanischen Pittsburgh in Pennsylvania, 1996 der Kunstpreis der Norddeutschen Landesbank in Hannover, 2000 der Kaiserring der Stadt Goslar, 2001 der Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen, 2001 der Rhenus-Kunstpreis und 2002 der KUNSTKÖLN-Preis in Köln.

Für das Jahr 2000 folgten weit beachtete Ausstellungen wie: "Sigmar Polke - Die gesamten Editionen 1967-2000" in Stuttgart und Zürich; "On Goya" in Barcelona, Köln, Frankfurt am Main und Hamburg; "Sigmar Polke - Die Druckgrafiken" in Frankfurt am Main; "Sigmar Polke - Werke aus der Sammlung Froehlich" in Karlsruhe; "Sigmar Polke - Die gesamten Editionen 1963-2000" in Bonn; "Sigmar Polke - Kaiserringträger der Stadt Goslar" in Goslar. 2001 folgten die Veranstaltungen: "Siegmar Polke – Retrospektive" im dänischen Humlebaek, in Oslo und in Köln sowie "Sigmar Polke - Die gesamten Editionen" in Zürich und Berlin. Mit einer großen Retrospektive von mehr als 170 Arbeiten aus allen Schaffensphasen, würdigte das Museum Frieder Burda in Baden-Baden von Februar bis Mai 2007 das Werk von Polke.

Sigmar Polke starb am 11. Juni 2010 in Köln.

NameSigmar Polke

Geboren am23.03.1941

SternzeichenWidder 21.03 - 20.04

GeburtsortOels (Schlesien)

Verstorben am11.06.2010

TodesortKöln (D).