Biografie

Roger Willemsen

Der promovierte Geisteswissenschaftler war von 1991 bis 2001 als Moderator, Produzent und Regisseur im Fernsehen tätig. Durch seinen einzigartig intelligenten Moderationsstil in Talksendungen wie "0137" oder "Willemsens Woche" erhob Roger Willemsen das Genre der Talkshow zu einem niveauvollen, intellektuellen Erlebnis. Nach seinem Abschied vom Fernsehen brilliert Willemsen im gewohnten Stil auch auf literarischem Gebiet. Seit 2010 war er Honorarprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin. Weiter wurde er Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und im Redaktionsbeirat der Zeitschrift Kulturaustausch...

Prominente Vertreter der deutschen Fernsehkultur
Roger Willemsen wurde am 15. August 1955 in Bonn geboren.

Seine Eltern waren beide im kunstgeschichtlichen Bereich engagiert. Nachdem er 1976 das Abitur abgelegt hatte, nahm Willemsen ein Studium der Germanistik, Philosophie, Kunstgeschichte und Ethnologie auf. Er studierte zunächst in Bonn, ging dann aber auch nach Florenz, München und Wien. Sein bevorzugtes Forschungsgebiet, das auch in seine Promotion einfloss, war das Werk des Literaten Robert Musil. Zunächst wurde Willemsen im wissenschaftlichen Bereich tätig. Von 1984 bis 1986 war er Assistent für Literaturwissenschaften, dann 1986/87 Dozent an der Universität München. In den Jahren 1988 bis 1990 hielt sich Willemsen in London auf, wo er als freier Mitarbeiter für Printmedien und Rundfunk tätig wurde. Zugleich begann der Geisteswissenschaftler nun auch, sich als freier Schriftsteller und Übersetzer zu betätigen. Er veröffentlichte vor allem Kunst- und Kulturreiseführer, aber auch Studien zu gesellschaftlichen Fragen und Porträts besonderer Menschen und ihrer Schicksale.

Willemsen stieg 1991/92 beim Fernsehen ein, wo er zunächst die Interview-Sendung "0137" im Pay-TV-Kanal Premiere moderierte und zahlreiche internationale Stars und Prominente interviewte. In den Jahren 1993/94 folgte bei demselben Sender die Talkshow "Willemsen – Das Fernsehgespräch". Als Moderator machte sich Willemsen nun vor allem wegen seines einfühlsamen Gesprächsstils, der spontanen Gesprächsführung und seiner grammatikalisch korrekten und sprachlich gehobenen Ausdrucksweise einen Namen. Dem breiteren deutschen Fernsehpublikum wurde Willemsen jedoch durch seine beliebte Talksendung "Willemsens Woche" bekannt, die 1994 bis 1998 im ZDF ausgestrahlt wurde. Sie ging als intelligenter und intellektueller TV-Talk in die jüngere Fernsehgeschichte ein.

Danach wechselte Willemsen zum Jahresbeginn 1999 zum WDR, um dort die Kultursendung "Nachtkultur mit Willemsen" zu moderieren, die bis November 2000 ausgestrahlt wurde. Nebenbei trat Willemsen im Wechsel mit anderen Kollegen auch immer wieder als Moderator des ZDF-Kulturformats "aspekte" auf. In den 1990er Jahren führte Willemsen zum Teil auch die Produktion und/oder Regie bei mehreren TV-Produktionen, die als Dokumentarbeiträge im ZDF und bei Arte zu sehen waren. Die Beiträge entstanden im Rahmen seiner eigenen TV-Produktionsfirma, die Willemsen unter dem Namen "Noa-Noa Fernsehproduktion GmbH" ins Leben gerufen hatte. In der Zeit von 1995 bis 1996 übernahm er eine Gastprofessur für Literaturwissenschaften an der Universität München. Hinzu trat außerdem eine Lehrtätigkeit an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. 1996 wurde die Porträtfolge "Willemsens Zeitgenossen" ausgestrahlt. Im selben Jahr erlebte er mit dem Dokumentarfilm "Non Stop – Eine Reise mit Michel Petrucciani" im ZDF sein Regiedebüt.

In den Jahren 1999 bis 2001 produzierte und moderierte Willemsen ebenfalls für das Zweite Deutsche Fernsehen "Willemsens Musikmagazin". Zur EXPO in Hannover trug Willemsen 2000 ein eigenes Projekt bei: Die Videoinstallation "Welcome Home – Künstler sehen Deutschland" dokumentierte im Deutschen Pavillon das Deutschlandbild zahlreicher Künstler. Außerdem moderierte er in der Spielsaison 2000/01 durch das "Bühnengespräch" im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Ab Sommer 2001 tat sich Willemsen weiterhin als Produzent und Moderator der interaktiven AOL-Sendung "Talk am Millerntor" sowie der ZDF-Porträtreihe "Gipfeltreffen" hervor. In Letzterer stellte er bis Jahresende 2001 jeweils für eine ausgewählte Stadt Doppelporträts von zwei prominenten Einwohnern vor. Nach 11-jährigem Engagement für das Fernsehen zog sich Willemsen zum Jahresende 2001 vorübergehend aus dem TV-Geschäft zurück. Im Anschluss daran unternahm er eine mehrere Monate währende Reise durch die Bundesrepublik, als deren literarisches Ergebnis Willemsen 2002 das erfolgreiche Buch "Deutschlandreise" veröffentlichte.

Im Februar 2004 kehrte Willemsen dann als Moderator des "Literaturclubs" im Schweizer Fernsehen (SF) zu den elektronischen Medien zurück. In seinem literarischen Schaffen markierte noch im selben Jahr das Buch "Gute Tage. Begegnungen mit Menschen und Orten" einen weiteren Höhepunkt. Das Werk, das im Oktober 2004 auch auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wurde, schildert Begegnungen des Autors mit Menschen unserer Zeit und auf der ganzen Welt, vom Dalai Lama über Harald Schmidt bis hin zu Madonna. Willemsen wurde 1992 für seine "0137"-Moderation mit dem Goldenen Kabel und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Ein Jahr später erhielt er den Adolf-Grimme-Preis. Seit 2010 war er Honorarprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin. Weiter wurde er Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und im Redaktionsbeirat der Zeitschrift Kulturaustausch.

Für "Das Hohe Haus. Ein Jahr im Parlament" wurde er 2015 mit dem Deutscher Hörbuchpreis ausgezeichent. Im selben Jahr wurde bekannt, dass Willemsen an Krebs erkrankt war.

Roger Willemsen stab am 7. Feburar 2016 in Wentorf, Hamburg.


Prominente Vertreter der deutschen Fernsehkultur

NameRoger Willemsen

Geboren am15.08.1955

SternzeichenLöwe 23.07 - 23.08

GeburtsortBonn (D).

Verstorben am07.02.2016

TodesortWentorf, Hamburg (D).