Biografie

Rio Reiser

Der deutsche Sänger, Musiker, Komponist, Texter und Schauspieler sammelte seine ersten künstlerischen Erfahrungen bei einer Theatertruppe für Lehrlinge und Arbeiterjugendliche im Umfeld der Westberliner Studenten- und Protestbewegung. Als Leadsänger der Kreuzberger Anarcho-Rockband "Ton, Steine, Scherben" avancierte Rio Reiser ab 1970 zum Idol der sozialen Bewegungen der beiden folgenden Jahrzehnte. Ab 1985 vollzog der "König von Deutschland" eine einzigartige Solo-Karriere, durch die er sich als Musiker, Schauspieler, Film- und Theaterkomponist einen Namen machte. Zu seinen populärsten Titeln gehören "Macht kaputt, was euch kaputt macht!", "König von Deutschland" und "Junimond"...

Die Studenten- und Protestbewegung von 1966-1975
Rio Reiser wurde unter dem bürgerlichen Namen Ralph Möbius am 9. Januar 1950 in Berlin geboren.

Er wuchs in mehreren westdeutschen Städten, zuletzt in Frankfurt am Main, auf. Als Teenager interessierte sich Reiser schon für die neuesten Musikrichtungen, allen voran für die Musik der "Beatles" und dann der "Rolling Stones", zu deren begeisterten Fan er sich entwickelte. Er lernte selbst das Klavier-, Gitarre- und Cellospielen. In Frankfurt brach Reiser die Schule ab und begann eine Fotografenlehre, die er jedoch nicht zu Ende führte. Nach einem Aufenthalt in Liverpool ging er 1967 nach Westberlin, wo er in den Sog der sich formierenden Studentenbewegung geriet. Mit R. P. S. Lanrue verfasste Reiser Kompositionen für das Theater HCT.

Im Umfeld der Studentenbewegung und Außerparlamentarischen Opposition (APO) bildete sich aus Lehrlingen und Arbeiterjugendlichen die Theatertruppe "Rote Steine", an der auch Reiser mitwirkte. Reiser nahm im Sommer 1970 zusammen mit Lanrue, Kai Sichtermann und Wolfgang Seidel in einem Kreuzberger Tonstudio seine erste Single auf: Mit dem legendären Anarcho-Hit "Macht kaputt, was euch kaputt macht!" war die Band "Ton, Steine, Scherben" geboren, die noch im September desselben Jahres ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte. Die Band machte sich unter dem Management u.a. von Claudia Roth mit deutschsprachiger Rockmusik und ihrer kompromisslosen politischen Haltung einen Namen.

In den sozialen Bewegungen der 1970er und 1980er Jahre avancierten Reiser und "die Scherben" zum Idol der anarchistischen Rockmusik. "Die Scherben" galten zu jener Zeit als Inbegriff des deutschen Polit-Rock. Neben seiner Mitwirkung bei den "Scherben" trat der homosexuelle Musiker auch mit der Schwulenband "Brühwarm" auf: So wirkte er an den LPs "Mannstoll" (1977) und "Entartet" (1978) mit. Nachdem sich "Ton, Steine, Scherben" 1985 aufgelöst hatte, begann Reiser seine Solokarriere. Seine erste Solo-Single "Dr. Sommer" (1984) wurde allerdings ein Misserfolg. Mit der LP "Rio I" (1986) fand er erstmals wieder ein größeres Publikum, das das Stück "König von Deutschland" als großen Hit annahm. Es folgten mit "Blinder Passagier" (1987) und "Rio" (1990) weitere Solo-LPs.

Nachdem er in den 1980er Jahren noch die Grünen auf ihren Wahlkämpfen unterstützt hatte, trat Reiser 1990 der PDS bei. In den folgenden Jahren engagierte er sich durch Konzertauftritte gegen den im wiedervereinigten Deutschland um sich greifenden Rassismus und Ausländerhass. Nach weiteren Solo-LPs erschien die CD "Das Beste von Rio Reiser". Zugleich veröffentlichte der Musiker auch seine Autobiografie unter dem Titel "König von Deutschland". Reiser war nicht nur als Musiker und Sänger, sondern auch als Schauspieler und Komponist für den Film tätig. 1977 spielte er unter der Regie von Roald Koller die Hauptrolle in "Johnny West", für die er den Bundesfilmpreis in Gold verliehen bekam. Weitere Filmrollen übernahm er in "Die Nacht mit Chandler" (1978), "Total vereist" (1980) und anderen Filmen. Die Filmmusik schrieb er u.a. für den WDR-Tatort "Der Pott" (1989).

Im BR-Tatort "Im Herzen Eiszeit" (1994) wirkte er als Schauspieler und Urheber der Filmmusik mit. Auch für das Theater verfasste Reiser Musik und Songs wie etwa für das Musical "Knock out Deutschland", das 1994 unter der Regie von Armin Petras und Philipp Stölzl in Chemnitz zur Aufführung gelangte, oder auch für das Essener Musical "Die Braut der Brüder" (1995).

Rio Reiser starb am 20. August 1996 in Fresenhagen, wohin er sich schon seit längerem mit Freunden zurückgezogen hatte.


Die Studenten- und Protestbewegung von 1966-1975
Ton, Steine, Scherben:

1971:
Warum geht es mir so dreckig?

1972:
Keine Macht für Niemand

1975:
Wenn die Nacht am tiefsten"

1981:
Tonsteinescherben IV;
Auswahl I (1970-1981)

1983:
Scherben

1984:
Ton Steine Scherben in Berlin

1996:
live II


Solo:

1986:
Rio I.

1987:
Blinder Passagier

1990:
Rio

1991:
Durch die Wand

1993:
Über Alles

1994:
Das Beste

1995:
Himmel & Hölle

1996:
Balladen

NameRalph Möbius

AliasRio Reiser

Geboren am09.01.1950

SternzeichenSteinbock 22.12 - 20.01

GeburtsortBerlin (D.)

Verstorben am20.08.1996

TodesortFresenhagen (D.)