Biografie

Otto Lilienthal

Der deutsche Ingenieur und Erfinder war einer der zentralen Pioniere der Fliegerei und des Flugzeugbaus. Vom rund 110 Meter hohen Gollenberg bei Stölln gelang ihm 1893 ein Flug über 250 Meter Länge. Damit wurde Otto Lilienthal der erste Mensch, der erfolgreich und wiederholbar Gleitflüge mit einem Flugzeug absolvierte und dem Flugprinzip "getragen auf Luft" zum Durchbruch verhalf. Neben seinen theoretischen Schriften über das Fliegen und über Flugzeuge, welche in die bis heute gültigen physikalischen Beschreibung der Tragfläche reichen, führte er selbst über 2.000 Flugversuche durch. Lilienthal baute dazu rund 30 Fluggeräte. Die US-amerikanischen Brüder Wilbur und Orville Wright nutzten seine Erkenntnisse im Jahr 1903 für den Bau des ersten Motorflugzeugs der Welt...

Erfinder, Entdecker, Erleuchtete
Pioniere der Luft- und Raumfahrt
Otto Lilienthal wurde am 23. Mai 1848 als Sohn eines Tuchhändlers in Anklam geboren.

Lilienthal wuchs als erstes von acht Kindern des Kaufmanns Gustav Lilienthal und seiner Frau Caroline auf. Fünf Geschwister starben im Alter von wenigen Monaten oder Jahren. In den Jahren von 1856 bis 1864 besuchte Otto Lilienthal das Gymnasium in Anklam. Danach war er von 1864 bis 1866 Schüler der Gewerbeschule in Potsdam. Es folgte 1866/67 in der Firma Schwartzkopf ein Praktikum im Fach Maschinenbau. Er besuchte im Anschluss daran von 1867 bis 1870 die Königliche Gewerbeakademie in Berlin. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit der Technik des Fliegens und führte er erste Experimente durch. Seine Erfahrungen und Erkenntnisse daraus verwertete er in seiner 1889 erschienenen Arbeit mit dem Titel "Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst", in der er physikalische Grundlagen erläutert. Lilienthals Interesse am Fliegen basierte auf der Beobachtung von Störchen und ihren Flügen.

In der Zeit von 1870 bis 1871 meldete sich Lilienthal für ein Jahr zur freiwilligen Teilnahme am deutsch-französischen Krieg. Otto Lilienthal erlebte als Infanterist die Belagerung von Paris. Danach arbeitete er in der Zeit von 1871 bis 1880 für die Berliner Maschinenbaufirma Weber. Zugleich war er in den beiden Jahren 1872 und 1880 als Konstruktionsingenieur für die Maschinenunternehmen C. Hoppe in Berlin tätig. In dieser Zeit war er an der Entwicklung von Bergbaumaschinen beteiligt. Zusammen mit seinem Bruder, dem Architekten Gustav Lilienthal, wurde er 1873 Mitglied in der "Aeronautical Society of Great Britain". In dieser Zeit fing Lilienthal an, öffentlich Vorträge über die Probleme des Fliegens zu halten. Im Jahr darauf, 1874, experimentierte Lilienthal mit Tragflügeln, um die Luftkräfte zu messen. Dazu führte er Versuche mit Drachen und Flugmodellen durch. 1877 erhielt er das Patent auf seine im Bergbau verwendete Schrämmaschine. Es folgten weitere 19 Patente, darunter befanden sich vier Luftfahrtpatente. 1878 heiratete Lilienthal die Tochter eines Bergmanns, Agnes Fischer. Aus dieser Ehe gingen insgesamt vier Kinder hervor.

Im Jahr 1879 wurde der erste Sohn namens Otto geboren. 1881 eröffnete Otto Lilienthal sein eigenes Unternehmen für Maschinenbau, in dem er Dampfkessel und Dampfmaschinen konstruierte und produzierte. 1886 trat Lilienthal dem "Deutschen Verein zur Förderung der Luftschifffahrt" in Berlin bei. In seinem eigenen Unternehmen engagierte sich der Geschäftsmann für mehr soziale Gerechtigkeit. Auch führte er 1890 eine Gewinnbeteiligung in Höhe von 25 Prozent für seine Arbeiter ein. In dieser Zeit fallen auch die ersten Versuche mit Fluggeräten, die einen Menschen transportieren. Ein Jahr darauf gelang ihm ein Gleitflug in Berwitz nahe Potsdam über die Distanz von mehr als 25 Metern. 1892 setzte Lilienthal seine Flugversuche mit neuen Geräten fort. Er errichtete 1893 eine Flugstation in der Nähe seines Wohnhauses in Berlin. Er führte weiterhin Flugversuche in den Rhinower Bergen bei Neustadt/Dosse durch. Dabei gelangen ihm in Gollenberg bei Stölln bahnbrechende Gleitflüge bis zu einer Weite von 250 Metern (1893). Auch im Flugzeugbau experimentierte der emsige Forscher weiter. Unter seinen Flugapparaturen befand sich auch ein Flügelschlagapparat, der für einen Motorantrieb vorgesehen war. Auch errichtete Lilienthal einen sogenannten "Fliegeberg" in Berlin-Lichterfelde, von dem er seine Versuche startete.

In der Zeit von 1890 bis 1896 konstruierte Lilienthal rund 30 Flugapparate, die er zu mehr als 2.000 Flugversuchen in Berlin und Umgebung einsetzte. Dabei erreichte er sagenhafte Weiten von über 400 Metern. Viele seiner Konstruktionsmerkmale, die er damals ausarbeitete, kennzeichnen auch heute noch die Tragflächen moderner Flugzeuge. Die Gebrüder Wilbur und Orville Wright verwendeten Lilienthals Arbeiten als Grundlage für den Bau ihres ersten flugfähigen Motorflugzeugs der Welt. Lilienthals so bezeichneter Normalsegelapparat ging 1894 in Serie. Im Jahr darauf unternahm er mehrere Auslandsreisen, um sich im Kontakt mit anderen Flugforschern und -technikern auszutauschen. In diese Zeit fallen auch die ersten Flugversuche mit Doppeldeckern.

Am 9. August 1896 startete er mit seinem Normalsegelapparat zu einem Gleitflug, bei dem es aufgrund von Steuerproblemen zum Absturz kam. Otto Lilienthal starb an den Folgen seines Absturzes am 10. August 1896 in den Rhinower Bergen bei Stölln.


Erfinder, Entdecker, Erleuchtete
Pioniere der Luft- und Raumfahrt

NameOtto Lilienthal

Geboren am23.05.1848

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortAnklam

Verstorben am10.08.1896

TodesortStölln