Biografie

Manfred Stolpe

Der Sohn aus Polen vertriebener Deutscher und Jurist vollzog eine 30jährige Erfolgskarriere als führender Funktionär in der Evangelischen Kirche der Deutschen Demokratischen Republik. Nach der deutschen Einheit profilierte sich Manfred Stolpe, allen Vorwürfen ob seiner politischen Haltung in der DDR zum Trotz, als unangefochtener Ministerpräsident des Landes Brandenburg (1990-2002). Den anerkannten und populären Interessenvertreter der neuen Bundesländer berief Bundeskanzler Gerhard Schröder im Oktober 2002 als "Super-Minister" für Verkehr, Bau und Aufbau Ost in die zweite rot-grüne Regierung in der Geschichte der Bundesrepublik, in der er bis Herbst 2005 als Minister wirkte...

Die Ministerpräsidenten der Bundesrepublik Deutschland
Manfred Stolpe wurde am 16. Mai 1936 in Stettin (heute: Szczecin, Polen) geboren. Sein Vater war Kaufmann, dann Angestellter in der Kirche.

Die Familie siedelte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Greifswald über und blieb dort auch nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik. Nach dem Abitur absolvierte Stolpe ein Jura-Studium in Jena, das er 1959 abschloss. Unmittelbar danach leistete er sein Rechtsreferendariaht bei der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg ab, was die Weichenstellung für seine nachfolgende berufliche Karriere in der Kirche darstellte, die bis 1990 andauern sollte. 1962 wurde Stolpe dort Konsistorialassessor, 1964 Konsistorialrat, später Oberkonsistorialrat. Als Leiter der Geschäftsstelle der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitung war er 1969 maßgeblich an der Gründung des Evangelischen Kirchenbundes in der DDR beteiligt.

Dies bescherte ihm zunächst den Posten eines Sekretariatsleiters im Kirchenbund. Dann saß Stolpe bis zu den Herbstereignissen von 1989, die sukzessive zur Auflösung der DDR führten, als stellvertretender Vorsitzender in der Leitung des Evangelischen Kirchenbundes. Zugleich kehrte er 1982 auch zur Berlin-Brandenburgischen Landeskirche zurück, deren Konsistorium er bis 1990 als Präsident vorstand. Als evangelischer Kirchenfunktionär bemühte sich Stolpe um ein gutes, aber auch kritisches Verhältnis zur SED-Führung um Erich Honecker. Unter weitgehender Identifizierung mit dem Gesellschafts- und Wirtschaftssystem der DDR vertrat er das Konzept einer "Kirche im Sozialismus", die sich für eine am Menschen orientierte Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung stark machen sollte.

Stolpe trug gegen Ende der 1980er Jahre auch entscheidend dazu bei, dass sich die Evangelische Kirche zunehmend zu einem Refugium der verfolgten Bürgerrechts- und Friedensbewegung der DDR entwickelte. Nachdem er im Juni 1990 der SPD beigetreten war, wurde Stolpe infolge des Wahlsiegs der Partei im Herbst am 1. November 1990 zum ersten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Brandenburgs erhoben. Die nachfolgende Legislatur wurde überschattet durch langwierige Untersuchungen und öffentliche Spekulationen über eine mögliche Verstrickung des ehemaligen DDR-Kirchenfunktionärs mit der Stasi, die jedoch seiner bis heute ungebrochenen Popularität als Anwalt ostdeutscher Interessen im Lande Brandenburg nichts anhaben konnten.

Während die von Stolpe in Potsdam geführte Ampelkoalition 1992 einen neuen Verfassungsentwurf für das Bundesland beschließen konnte, scheiterte der Ministerpräsident im Jahr darauf mit seinen Fusionsplänen für Berlin und Brandenburg. Vor dem Hintergrund des langjährigen Streits über die Haltung Stolpes in der DDR löste sich die Koalitionsregierung nach der Offenlegung neuer Akten im März 1994 vorzeitig auf. Bei den Wahlen vom September 1994 errang die SPD unter Stolpe die absolute Mehrheit. In seiner nachfolgenden zweiten Amtsperiode bemühte sich Stolpe erneut um die Länderfusion Brandenburgs mit Berlin. Das Vorhaben scheiterte jedoch anlässlich der Volksabstimmung vom Mai 1996 an der Ablehnung der brandenburgischen Bevölkerung.

Im Jahr 1996 erhob die SPD den brandenburgischen Ministerpräsidenten zum Vorsitzenden des SPD-Forums Ostdeutschland. Trotz gestiegener Arbeitslosigkeit und der höchsten durchschnittlichen Pro-Kopf-Verschuldung der neuen Bundesländer konnte sich Stolpe als Ministerpräsident von Brandenburg bis Herbst 2002 behaupten. In dieser Funktion und in führenden Ämtern der SPD hat sich Stolpe vor allem als unbestechlicher Sachwalter der neuen Bundesländer einen Namen gemacht. Als solcher wurde Stolpe nach der Bundestagswahl 2002 durch Bundeskanzler Gerhard Schröder in das zweite rot-grüne Kabinett berufen, wo er in der folgenden Legislatur als neuer "Super-Minister" für Verkehr, Bau und Aufbau Ost amtiert. In dieser Funktion verwirklichte Stolpe unter vielen Schwierigkeiten die Einführung einer Mautgebühr für Lkw auf bundesdeutschen Autobahnen.

Auch kurbelte er im August 2005 die Weiterentwicklung der Magnetbahn Transrapid durch eine neue Bundessubvention von 100 Millionen Euro an. Bei den vorgezogenen Bundestagswahlen vom 18. September 2005 konnte jedoch Gerhard Schröder für die SPD trotz anfänglich schlechter Prognosen mit 34,3% der Stimmen ein beachtliches Ergebnis erzielen. Demgegenüber erreichte die CDU/CSU mit 35,2% nur einen knappen Vorsprung, während die FDP mit 9,8% und die neue Linkspartei mit 8,7% zu den eigentlichen Gewinnern der Wahl zählten. Da FDP-Chef Guido Westerwelle ein Zusammengehen mit der SPD und den Grünen strikt ablehnte und seine Partei wegen des schlechten Abschneidens der CDU auch keine regierungsfähige Koalition mit den Konservativen bilden konnte, blieb als einzige Möglichkeit nach der Wahl die Option der Großen Koalition zwischen SPD und Union.

Obwohl Angela Merkel eines der schlechtesten Bundestagswahlergebnisse für die CDU erzielt hatte, erhob sie von Beginn an den Führungsanspruch über die Große Koalition, den sie dann als erste deutsche Bundeskanzlerin auch durchsetzen konnte. Nach der Wahl von Angela Merkel zur Bundeskanzlerin schied er am 22. November 2005 aus dem Amt.

Manfred Stolpe ist mit der Ärztin Ingrid Ehrhardt verheiratet, mit der er ein Kind hat.


Die Ministerpräsidenten der Bundesrepublik Deutschland
1978
Verdienstmedaille der DDR

1989
Ehrendoktorwürde der Universität Dokkyo/Japan

1989
Ehrendoktorwürde der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

1991
Carlo-Schmid-Preis

1991
Ehrendoktorwürde der Universität Zürich

1996
Ehrendoktorwürde der Universität Stettin

2006
Verdienstorden des Landes Brandenburg (Roter Adler-Orden)

NameManfred Stolpe

Geboren am16.05.1936

SternzeichenStier 21.04 - 21.05

GeburtsortStettin (heute: Szczecin, Polen).