Biografie

Kurt Tucholsky

Der deutsche Journalist und Schriftsteller war ein Vorkämpfer für den Sozialismus. Kurt Tucholskys literarische Stärken liegen in den kleinen Literaturgattungen, wie dem Gedicht, Chanson, Feuilleton oder der Satire. Als politisch engagierter Journalist und zeitweiliger Mitherausgeber der Wochenzeitschrift "Die Weltbühne" erwies er sich als Gesellschaftskritiker in der Tradition Heinrich Heines. Seine Werke benutzte er, um seine linksliberalen Ideen zu verbreiten. Im Fokus seiner Kritik erschienen das Beamtentum, Nationalismus, die Justiz oder der Militarismus. Bereits in seinem Erstlingswerk "Märchen" wurde sein literarisch-journalistisches Grundthema deutlich, nämlich der Gegensatz zwischen Emanzipation und der bestehenden Macht...
Kurt Tucholsky wurde am 9. Januar 1890 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Berlin geboren.

Tucholsky besuchte ab 1899 das französische Gymnasium in Berlin. 1903 wechselte er auf das Berliner königliche Wilhelms-Gymnasium. 1907 veröffentlichte er als Siebzehnjähriger sein erstes literarisches Werk mit Namen "Märchen", es erschien in der satirischen Zeitschrift "Ulk". Ab 1807 bereitete sich er privat auf sein Abitur vor, das er 1909 bestand. Im gleichen Jahr begann er sein Jura-Studium an der Universität in Berlin. 1910 verbrachte er ein Sommersemester in Genf. 1912 veröffentlichte er seinen Kurzroman "Rheinsberg – ein Bilderbuch für Verliebte". Gleichzeitig lieferte er Beiträge und Gedichte ab für das sozialdemokratische Medium der SPD "Vorwärts".

Seit 1913 schrieb er für die "Schaubühne" von Siegfried Jacobsohn, die sich ab 1918 "Weltbühne" nannte, Literatur- und Theaterkritiken. Ab dieser Zeit bis 1930 trat er in seinen Werken vor allen Dingen als extremer Pazifist auf. 1915 schloss Tucholsky sein Studium mit der Promotion zum Dr. jur. ab. Danach wurde er zum Militär eingezogen und nahm als Heeressoldat am Ersten Weltkrieg teil. Ab 1918 war er Chefredakteur der Zeitschrift "Ulk". Zwei Jahre später heiratete er Else Weil und wurde Mitglied der USPD, der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Kurt Tucholsky lebte als freier Schriftsteller und Journalist. In seinem 1919 veröffentlichten Antikriegsgedicht "Krieg dem Kriege" ruft er zu einem Ende mit dem irrsinnigen Töten auf und für ein friedliches Miteinander. Von 1923 bis 1924 nahm er kurz eine Anstellung als Privatsekretär bei einer Berliner Bank an.

Danach war Tucholsky Korrespondent für die "Weltbühne" und "Vossischen Zeitung" in Paris tätig. 1924 kam sein Werk "Vison" auf den Markt. Darin versetzt sich Tucholsky in die Zeit des Krieges und überlegt sich den Umgang mit seinen Mitmenschen. Er misstraute dem unsicheren Friede und warnte vor weiteren gewaltsamen Auseinandersetzungen. Tucholsky schrieb unter verschiedenen Pseudonymen wie Kaspar Hauser, Peter Panter, Ignaz Wrobel und Theobald Tiger. Sie drücken die Zerrissenheit der Nachkriegsgesellschaft aus und ihre Suche nach Identität. Tucholsky verwendete sie je nach dem Genre und je nach der Lesergruppe der Publikumsorgane. So verfasste beispielsweise Ignaz Wrobel politische und satirische Texte, Peter Panter schrieb das Feuilleton oder Theobald Tiger verfasste Lyrik und Lieder. Eine fünfte Identität war er selbst. Auf seine unterschiedlichen Identitäten hebt der Titel des Sammelbandes "Mit 5 PS" (1928) ab, dem weitere zwei Bände folgten.

Im Jahr 1924, nach seiner Scheidung, heiratete er Mary Gerold. Ab 1926, nach dem Tod von Jacobsohns, gab er für kurze Zeit die Zeitschrift "Weltbühne" heraus, die er von einem Theatermagazin zu einem Medium für linke Intellektuelle entwickelte. 1927 wurde sein Reisebericht "Ein Pyrenäenbuch" als selbstständige Publikation veröffentlicht. 1929 erschien sein satirisches Bilderbuch "Deutschland, Deutschland über alles". John Heartfield montierte darin Fotos und Tucholsky-Texte. Im gleichen Jahr emigrierte er nach Hindås in Schweden. In dem 1930 entstandenen Gedicht "Das Dritte Reich" beschreibt er sarkastisch die Entwicklung der nationalsozialistischen Macht in Deutschland. 1931 wurde sein Roman "Schloß Gripsholm" veröffentlicht. Mit dieser Sommergeschichte betrieb der Schriftsteller Aufklärung im Gewande des Unterhaltungsromans. Es gehört als selbstständige Buchveröffentlichungen zu den Ausnahmen im Gesamtwerk von Kurt Tucholsky.

Im gleichen Zeitraum verfasste Tucholsky das Gedicht "Joebbles". Im Berliner Dialekt und derber Ausdrucksform macht er sich über den späteren Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Josef Goebbels her. Das Lyrikwerk "An das Publikum" (1931) handelt kritisch von der Dummheit der Menschen, die sich in die Unmündigkeit treiben lassen. Nachdem Adolf Hitler 1933 an die Macht gekommen war, wurden Tucholskys Bücher verbrannt, er selbst wurde ausgebürgert. Im gleichen Jahr ließ er sich scheiden. Kurt Tucholsky war überzeugt von der aufklärerischen Funktion und Kraft der Literatur, in die er seine politische Überzeugung hineinlegte. Dennoch resignierte er am Ende, die Übersiedelung nach Schweden ist ein deutliches Zeichen dafür, die ihm auch von Zeitgenossen verübelt wurde. Seine Kriegserfahrungen und die Wirren der Weimarer Republik ließen ihn zu einen Linksliberalen werden.

Sein produktives Schaffen spiegelt sich in über 2.500 Texten nieder. Er beherrschte die literarische Kleinform, die er als politische Gedichte, feuilletonistische Beiträge, kabarettistische Chansons oder bissige Politsatiren realisierte. Bereits in seinem Erstlingswerk "Märchen" wurde sein literarisch-journalistisches Grundthema deutlich, nämlich der Gegensatz zwischen Emanzipation und der bestehenden Macht. Zu seinen weiteren Werken zählen unter anderem "Was darf Satire?" (1919), "Kurt Tucholsky" (1928), "Das Lächeln der Mona Lisa" (1929), "Hitler und Goethe - Ein Schulaufsatz" (1931), "Der Mensch" (1931), "Lerne lachen oder weinen" (1931).

Nach schwerer Krankheit und mehreren Operationen beging Kurt Tucholsky am 21. Dezember 1935 im schwedischen Hindås Selbstmord.

NameKurt Tucholsky

Geboren am09.01.1890

SternzeichenSteinbock 22.12 - 20.01

GeburtsortBerlin (D).

Verstorben am21.12.1935

TodesortHindås (S).