Biografie

Klaus Staeck

Der Rechtswissenschaftler und autodidaktische Künstler avancierte in den 1960er Jahren durch seine Darstellung von sozialkritischen Collagen und Photomontagen auf Plakaten und Postkarten zu einem der bedeutendsten politischen Künstler des Nachkriegs-Deutschlands. Seine mit provokanten Texten versehenen Arbeiten bescherten Klaus Staeck in Gesellschaft und Medien weitreichende Aufmerksamkeit sowie zahlreiche Auszeichnungen der renommierten Institutionen. Gemeinsam mit Günter Wallraff und Joseph Beuys beteiligte er sich an zahlreichen sozial-, kultur- und umweltpolitischen Aktionen. Im April 2006 wurde Staeck zum Präsidenten der Berliner Akademie der Künste gewählt...
Klaus Staeck wurde am 28. Februar 1938 in Pulsnitz/Kreis Kamenz bei Dresden geboren.

Aufgewachsen ist er ab 1939 in der Industriestadt Bitterfeld, im Bezirk Halle / Saale. Im Anschluss an sein Abitur 1956 übersiedelte er nach Heidelberg. Da in der BRD das DDR-Reifezeugnis nicht anerkannt wurde wiederholte er 1957 das Abitur in Heidelberg. In den Jahren von 1957 bis 1962 studierte Staeck in Heidelberg, Hamburg und Berlin Jura. Am 1. April 1960 wurde er Mitglied der SPD. Im selben Jahr zeigte er die erste Ausstellung von Postkarten, Plakaten und Flugblättern in Heidelberg. 1962 legte er sein Referendarexamen ab mit anschließendem Referendardienst in Weinheim, Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe und Pforzheim.

Nach der Organisation eines Studentenaustausches zwischen den Universitäten Heidelberg und Leipzig 1963, folgten erste Besuche vom Verfassungsschutz, da die BRD zwar verbal für Ostkontakte eintrat, jede praktische Betätigung auf diesem Gebiet aber verfolgte. Ab 1964 entstanden bis 1967 Holzschnitte. 1965 erfolgte die Gründung des Produzentenverlags "Edition Tangente", der später als "Edition Staeck" firmierte. 1967 übernahm er die Kandidatur für den Heidelberger Stadtrat auf der Liste der SPD, als Mitglied des Kreisvorstandes der Heidelberger SPD und der Jungsozialisten.

Von 1967 bis 1969 wurde Klaus Staeck Kunsttutor der Studentenhochhäuser am Klausenpfad. Indes entstanden mit Joseph Beuys erste gemeinsame Arbeiten. Nach seinem Assessorexamen in Stuttgart erhielt er 1969 die Zulassung als Rechtsanwalt in Heidelberg und Mannheim. Auch beteiligte er sich am Kulturfestival "intermedia '69" mit Jochen Götze in Heidelberg. 1970 erhielt Klaus Staeck den 1. Zille-Preis für sozialkritische Grafik in Berlin. Er wurde Mitbegründer der IKI "Internationale Kunst- und Informationsmesse" Düsseldorf / Köln, die heute als "Art Cologne" zu den international renommiertesten Messen zählt.

Im Jahr 1971 beteiligte er sich, unter anderem mit Joseph Beuys, an einem Aufruf gegen die Exklusivität des Kölner Kunstmarktes. Auch nahm er an der "experimenta 4" in Frankfurt teil. 1972 kreierte er das "Deutsche Kunstsiegel". Zur Bundestagswahl produzierte Staeck rund 1 Million Postkarten und Aufkleber sowie das Plakat "Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen". Darauf wurde er von der CDU in die ersten Prozesse verwickelt. 1973 wurde er Vorsitzender des mit Joseph Beuys gegründeten Vereins "Freie Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung".

Im selben Jahr erhielt er einen Lehrauftrag an der Universität Gießen im Fachbereich Kunsterziehung. Am 30. März 1976 kam es zum "Bonner Bildersturm", als aufgebrachte Abgeordnete der CDU/CSU unter Führung des späteren Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger anlässlich einer Ausstellung von Staeck-Plakaten in der Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn von den Wänden rissen. Der Vorgang löste großes Medieninteresse aus. Im selben Jahr erhielt er den Förderpreis der "Intergrafik" in Berlin. 1977 erhielt Klaus Staeck die Bronzemedaille der Iba "Internationale Buchkunstausstellung Leipzig".

Von 1978 bis 1980 zeigt er die erste umfassende Retrospektive "Rückblick in Sachen Kunst und Politik" in den Kunstvereinen Frankfurt und Heidelberg, in der Kongresshalle Berlin, im Künstlerhaus Wien, im Haus der Jugend Graz, im Rathaus Aarhus und im Kunstverein Hannover. 1979 erhielt er den Kritikerpreis in Berlin und die Goldmedaille der 4. Biennale für Fotomontage in Grudziadz / Polen. Darauf gründete er die Bürgerinitiative "Aktion für mehr Demokratie". Trotz starker Proteste der CSU zeigte Staeck 1980 Ausstellungen in den Goethe-Instituten Marseille, Paris, Tel Aviv, Brüssel, New York, Chicago, San Francisco, Montreal, Toronto, Buenos Aires und Amsterdam.

Im Jahr 1981 begann er mit der Aktion "Wir schreiben nicht für Springer-Zeitungen" mit Peter Rühmkorf, Günter Grass, Heinrich Böll und Walter Jens. Er erhielt den 1. Preis der Internationalen Poster-Biennale in Lahti / Finnland. Von 1981 bis 1982 begleitete er eine Gastprofessur an der GHS Universität Essen. Als Mitglied im P.E.N.-Zentrum nahm er 1982 an der "documenta 7" teil. 1983 wurde er Mitglied im Beirat der "Humanistischen Union". Ebenso beteiligte er sich unter anderen mit Heinrich Böll und Dieter Hildebrandt an der Großveranstaltung "Verteidigt die Republik" in der Essener Gruga-Halle.

Im Jahr 1986 erhielt er den Preis der "3. Triennale Européenne de l'Affiche politique" in Mons / Belgien sowie die Ehrenmedaille der 11. Internationalen Grafik-Biennale in Krakow / Polen. Ab 1986 wurde er Gastprofessor an der Kunstakademie Düsseldorf. 1987 beteiligte er sich an der "documenta 8". 1988 stellte er seine Werke in Moskau aus. Von 1989 bis 1990 zeigte Staeck in Bonn, München, Saarbrücken und Bitterfeld seine zweite Retrospektive. 1990 wurde er Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin. 1991 zeigte er eine Ausstellung in Madrid. 1992 organisierte er die 3. Bitterfelder Konferenz, zusammen mit Eugen Blume und Christoph Tannert.

Zur "documenta 9" zeigte er eine Ausstellung im Container auf dem Kasseler Friedrichsplatz. 1996 wurde Klaus Staeck mit dem "Gustav-Heinemann-Bürgerpreis" ausgezeichnet. Zusammen mit Jack Lang in Berlin unterstütze er 1998 die Initiative "Raus aus dem Stau"; "euroVISIONEN". In seinen Werken richtete er sich mit verschärftem Tonfall gegen die neu aufgeflammte Ausländerfeindlichkeit in Deutschland sowie gegen die Einsparungen im Bildungswesen. 2003 förderte er eine Internet-Aktion gegen den Irak-Krieg unter dem Titel "Nicht in unserem Namen". 2004 wurde er Mitglied des Kultursenats des Landes Sachsen-Anhalt.

Am 29. April 2006 wurde Klaus Staeck, in der Nachfolge des zurückgetretenen Schweizer Schriftstellers Adolf Muschg, zum Präsidenten der Berliner Akademie der Künste gewählt.

NameKlaus Staeck

Geboren am28.02.1938

SternzeichenFische 20.02 - 20.03

GeburtsortPulsnitz, Kreis Kamenz (D).