Biografie

Johann Wolfgang von Goethe

Der deutsche Naturwissenschaftler, Kunsttheoretiker und Staatsmann gilt als das Universalgenie der Neuzeit schlechthin. Als Dichter wurde er der bedeutendste Vertreter der Weimarer Klassik und führender Vertreter der Sturm-und-Drang-Zeit, in der beispielsweise die Urfassungen des Dramas "Faust" oder der "Götz von Berlichingen" entstanden. Mit dem Bildungsroman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" oder dem Gedicht "An den Mond" beeinflusste er die Epoche der deutschen Klassik maßgeblich. Darüber hinaus betätigte er sich als Naturwissenschaftler und formulierte die Goethesche Farbenlehre. In seinen naturwissenschaftlichen und literarischen Werken verarbeitete Johann Wolfgang von Goethe seine philosophischen und naturphilosophischen Anschauungen. Ablehnend stand er der Schulphilosophie gegenüber, verworfen hatte er die Logik und Erkenntnistheorie...
Johann Wolfgang von Goethe wurde als Sohn des Kaiserlichen Rats Johann Caspar Goethe und dessen Frau Catharina Elisabeth, geborene Textor, am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren.

Johann Wolfgang von Goethe wuchs in einem wohlhabenden Elternhaus, gut behütet in Frankfurt am Main auf. Er genoss zu Hause einen umfangreichen Bildungsunterricht. Dort wurde er in Naturwissenschaften, Mathematik, Literatur, alte und neue Sprachen ausgebildet. 1765 begann Goethe ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig, doch schon bald wandte er sich literarischen und künstlerischen Themen zu. So begann er, unter anderem bei Adam Friedrich Oeser, sich im Zeichnen unterrichten zu lassen. Noch lange hatte Goethe an der Entscheidung zu tragen, ein bildender oder ein literarischer Künstler zu werden. 1768 erfasste ihn ein Blutsturz, so dass er nach Hause zurückkehrte. Dort verweilte er einige Zeit zur Genesung. In dieser Zeit hatte er Kontakt zu Katharina von Klettenburg und ihrem pietistischen Kreis, und er setzte sich mit pansophischer Lektüre auseinander.

Im Jahr 1770 nahm Goethe sein Studium in Straßburg wieder auf. In dieser Zeit begegnete er Johann Gottfried Herder, durch den er zur Lektüre von Pindar, Shakespeare, Homer und Ossian angeregt wurde. Herder verwies dabei auf den Erlebnisausdruck als Ursprung der Dichtung ihrer Werke. Außerdem machte er Goethe mit seiner neuen Auffassung vom Schöpferischen, mit seinem Entwicklungsdenken und seinem Programm der Volkspoesie vertraut. 1771 promovierte Goethe zum Lizenziaten der Rechte und kehrte nach Frankfurt am Main zurück. Dort wurde er als Advokat am Schöffengericht zugelassen. Goethe widmete sich nicht nur seinen literarischen Arbeiten, sondern auch seinen Bekanntschaften, wie zum Beispiel zu J. H. Stilling, J.M. Lenz, Johann Heinrich Merck und anderen um den Darmstädter Hof. Im Mai 1772 absolvierte er einige Monate Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar. Diese Jahre waren entscheidend in der Entwicklung Goethes, in der Gedichte wie "Wanderers Sturmlied" oder "Mahomets Gesang" entstanden. 1774 kam sein Briefroman "Die Leiden des jungen Werthers" heraus, der ihn weltweit berühmt machte. Nach seiner aufgelösten Verlobung mit der Bankierstochter Elisabeth Schönemann reiste er im Jahr 1776 in die Schweiz.

Im gleichen Jahr folgte er einer Einladung des Herzogs Karl August von Sachsen-Weimar nach Weimar. Dort wurde Goethe im Jahr 1776 Geheimer Legationsrat und drei Jahre später Geheimer Rat und damit ein Mitglied der Regierung. 1782 wurde Goethe von Kaiser Joseph II. geadelt. Im gleichen Jahr übernahm er die Leitung der Finanzkammer. Johann Wolfgang von Goethe entwickelte sich durch das neue Ideal des tätigen Menschen zum Dichter der Klassik; dazu trug aber auch das Verhältnis zu Charlotte Stein bei. Goethes Auffassung war geprägt von der Klarheit der Form, von der Beherrschung der Leidenschaften und einer organischen Selbstentfaltung. Es entstanden Gedichte wie "Grenzen der Menschheit", "An den Mond" oder "Wanderers Nachtlied". Goethe schrieb die Schauspiele "Iphigenie auf Tauris" (1787) und den Bildungsroman "Wilhelm Meisters Lehrjahre", dessen Urform mit dem Titel "Wilhelm Meisters theatralische Sendung" aus dem Jahr 1785 stammt. Anfang der 80er Jahre des 18. Jahrhunderts konzentrierte sich Johann Wolfgang von Goethe auf naturwissenschaftliche Forschungen.

Im Jahr 1784 entdeckte er den Zwischenkieferknochen des Menschen und er bildete seine eigene Methode der morphologischen Beobachtung heraus. Goethes berufliche Tätigkeiten ließen ihm nicht nur wenig Zeit für seine literarischen Musen, sondern engten ihn regelrecht ein. Er trat im Jahr 1786 seine berühmte Reise ins klassische Italien, dem Land der Kunst, an – als Flucht vor dem bürgerlichen Pflichtalltag der Deutschen. Dort brachte er seine beiden Werke "Egmont" und "Torquato Tasso" zu Ende, die "Römischen Elegien" wurden entworfen und die "Iphigenie aus Tauris" wurde in Blankverse umgearbeitet. Im Jahr 1788 kehrte Goethe nach Weimar zurück. Im gleichen Jahr lernte er Christiane Vulpius, seine spätere Frau kennen. In der Zeit von 1791 bis 1817 engagierte er sich stark für das Hoftheater, dem er zu einer bedeutenden Bühnenkunst verhalf. 1790 entstand die wissenschaftliche Abhandlung "Metamorphose der Pflanzen" und die Arbeiten zur "Farbenlehre" begannen. Im gleichen Jahr startete Goethe zu seiner zweiten Italienreise, die er in den "Venezianischen Epigrammen" verarbeitete. Zwei Jahre später unternahm er eine Reise nach Frankreich, deren Erlebnisse er in der "Campagne in Frankreich" (1822 herausgegeben) ausdrückte.

Im Jahr 1794 machte er die Bekanntschaft mit Friedrich von Schiller, woraus sich eine der fruchtbarsten Verbindungen in der deutschen Literaturgeschichte ergab. Goethe wurde Mitarbeiter an Schillers Zeitschrift "Die Horen" und am "Musenalmanach". Er veröffentlichte im Jahr 1795 die "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter", die Ballade "Der Zauberlehrling" und "Der Gott und die Bajadere". Ein umfassender Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller war Ausdruck ihrer tiefen Freundschaft. Er ist Zeugnis ihrer geistigen Positionen. In den Jahren 1795 und 1796 gab Goethe seinem Erziehungsroman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" die endgültige Fassung. 1797 wurde sein Werk "Hermann und Dorothea" editiert. In der tragischen Trilogie "Die natürliche Tochter" reagierte Johann Wolfgang von Goethe auf die Französische Revolution. Zu seiner literarischen Hauptbeschäftigung gehörte der erste Teil von "Faust", den er im Jahr 1806 fertig stellte. Im selben Jahr heiratete er Christiane Vulpius. Im Jahr zuvor starb Friedrich Schiller. Das im Jahr 1805 erschienene Werk "Winckelmann und sein Jahrhundert" gehört zu Goethes zahlreichen Schriften, in denen er sich zur Kunst und Kunstgeschichte äußerte; gleichfalls wie beispielsweise das Werk "Kunst und Altertum", das er in den Jahren von 1816 bis 1832 verfasste.

Im Jahr 1808 begegnete ihm Napoleon. 1809 erschien Goethes Roman "Die Wahlverwandtschaften", in dem er ein spätes Liebeserlebnis mit Minna Herzlieb in der Gestalt Otiliens einarbeitete. Für sie dichtete er im Jahr 1815 die "Sonette". Goethes Farbenlehre erschien im Jahr 1810. Weiterhin ließ er sich durch die Begegnung mit Marianne von Willemer in der Gestaltung seines "West-östlichen Divans" von 1819 inspirieren, das als sein großes lyrisches Alterswerk gilt. Goethes Abhandlungen zu den zeitgenössischen Naturwissenschaften äußerten sich in dem Titel "Zur Naturwissenschaft" aus dem Jahr 1820. Seine Zuneigung zu der jungen Ulrike von Levetzow, der er im Jahr 1823 in Marienbad begegnete, fand ihren Niederschlag in der "Marienbader Elegie". Zu seinem berühmten Spätwerk gehört der zweite Teil des Universaldramas "Faust".

Biografische Rückschau hielt Goethe in seinen Werken "Die Italienische Reise" aus den beiden Jahren 1816 und 1817, und "Dichtung und Wahrheit", verfasst in den Jahren zwischen 1811 und 1814 sowie 1833. Mit Johann Peter Eckermann verfasste der Dichter seine vierzigbändige "Vollständige Ausgabe letzter Hand" in der Zeit von 1827 bis 1831. Goethes Weltruhm als Literat, Dichter, Philosoph und Naturwissenschaftler beruhte nicht zuletzt auf seiner einzigartigen Erlebnislyrik, seiner unerhörten Sprachmächtigkeit, seiner organischen Naturanschauung und seinem rastlos strebenden und kampfstarken Charakter sowie seinem ausgeprägtem Humanismus.

Johann Wolfgang von Goethe starb am 22. März 1832 in Weimar.
Gedichte, Lieder und Balladen

1774 - Geistesgruß (Gedicht)
1774/75 - Vor Gericht (Gedicht)
1775 - In allen guten Stunden (freimaurerisches Bundeslied)
1777 - An den Mond
1782 - Der Erlkönig (Ballade)
1796 - Xenien (Gedichte gemeinsam mit Friedrich Schiller)
1799 - Die erste Walpurgisnacht (Ballade, von Felix Mendelssohn Bartholdy)
1815 - Vom Sänger hat man viel erzählt (freimaurerisches Gedicht zum Dank des Sängers)
1816 - Wenn die Liebste zum Erwidern (freimaurerisches Gedicht zur Verschwiegenheit)
1819 - West-östlicher Divan (Gedichte)


Versepen

1794 - Reineke Fuchs (Tierepos)
1798 - Hermann und Dorothea (Idylle in Hexametern)

Dramen

1768 - Die Laune des Verliebten (Schäferspiel)
1769 - Die Mitschuldigen (Lustspiel)
1773 - Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand (Schauspiel)
1774 - Prometheus (Gedicht)
1774 - Neueröffnetes moralisch-politisches Puppenspiel
1774 - Ein Fastnachtsspiel vom Pater Brey
1774 - Jahrmarktsfest zu Plundersweilern
1774 - Götter, Helden und Wieland (Farce)
1774 - Clavigo (Trauerspiel)
1775 - Egmont (Trauerspiel)
1775 - Erwin und Elmire (Schauspiel mit Gesang)
1776 - Die Geschwister. Schauspiel in einem Akt
1776 - Stella. Ein Schauspiel für Liebende
1777 - Der Triumph der Empfindsamkeit (Eine dramatische Grille)
1779 - Iphigenie auf Tauris (Drama)
1780 - Torquato Tasso (Drama)
1790 - Faust. Ein Fragment
1792 - Der Groß-Cophta (Lustspiel)
1793 - Der Bürgergeneral (Lustspiel)
1797 - Faust. Eine Tragödie (entspricht dem ersten Teil des Faust)
1802 - Mahomet, Übersetzung und Bearbeitung der Tragödie von Voltaire
1804 - Die natürliche Tochter (Trauerspiel)
1807/08 - Pandora (Festspiel)
1833 - Faust II. (2. Teil des Faust)

Romane und Novellen

1774 - Die Leiden des jungen Werthers (Briefroman)
1787 - Die Leiden des jungen Werthers, 2. Fassung
1776 - Wilhelm Meisters theatralische Sendung (Urmeister, Roman)
1795 - Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten (Rahmenerzählung),
1795/96 - Wilhelm Meisters Lehrjahre
1807 - Wilhelm Meisters Wanderjahre (Roman)
1809 - Die Wahlverwandtschaften

Übertragungen

1797 - Das Leben des Benvenuto Cellini (Übersetzung)
1802 - Mahomet, Übersetzung und Bearbeitung der Tragödie von Voltaire
1816–32 - Über Kunst und Altertum (6 Bde., zusammen mit Johann Heinrich Meyer)

Naturwissenschaftliche Schriften

1833 - Maximen und Reflexionen
1786 - Über den Zwischenkiefer der Menschen und der Tiere
1791/92 - Beiträge zur Optik (Abhandlungen, 2 Bde.)
1810 - Zur Farbenlehre (wiss. Abhandlung)

Vorträge

1821 - Einleitung zu den Trauerreden (freimaurerische Trauerrede zum Ableben des Meisters vom Stuhl Ridel)

1830 - Rede zum brüderlichen Andenken Wielands (freimaurerische Trauerrede), von Goethe vorgetragen am 18. Februar 1830

1830 - Dem würdigen Bruderfeste: "Fünfzig Jahre sind vorüber" (poetischer Dank für eine Ehrenurkunde seines fünfzigjährigen Maurerjubiläums)

Autobiographische Prosa

1811/33 - Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit (autobiografische Dichtung, 4 Bde.)
1816/17 - Italienische Reise
1822 - Kampagne in Frankreich (Bericht)

Weiteres

1788/90 - Römische Elegien
1790 - Venezianische Epigramme,
1817 - Die guten Weiber

NameJohann Wolfgang von Goethe

Geboren am28.08.1749

SternzeichenJungfrau 24.08 -23.09

GeburtsortFrankfurt am Main (D).

Verstorben am22.03.1832

TodesortWeimar (D).