Biografie

Jean-Claude Trichet

Der französische Finanzexperte absolvierte den klassischen Studienweg über die Kaderschmiede der französischen Staatselite (ENA), die ihm den Weg in führende Positionen des französischen Wirtschafts- und Finanzministeriums öffnete. Jean-Claude Trichet bewährte sich in der Funktion des Gouverneurs der Bank von Frankreich als "Ayatollah du Franc fort". Im Herbst 2003 wurde er als Nachfolger von Wim Duisenberg zum Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) nach Frankfurt/Main berufen...
Jean-Claude Trichet wurde am 20. Dezember 1942 in Lyon geboren.

Sein Vater war als höherer Beamter im Verwaltungsdienst tätig. Nach dem Besuch der Oberschule in Paris nahm Trichet ein Studium in Nantes auf. Er studierte auch Politologie in Paris und absolvierte dort von 1969 bis 1971 einen Studiengang in Volkswirtschaft an der Elitehochschule für alle künftigen französischen Politiker und Wirtschaftsfunktionäre, der École Nationale d’Aministration (ENA). 1965 heiratete Trichet Aline Rybalka, mit der er zwei Kinder hat. Im Anschluss an seinen Studienabschluss wurde Trichet in der Finanzverwaltung als Inspektor tätig. 1975 wurde er in das Schatzamt des Finanzministeriums berufen. Drei Jahre später avancierte der Finanzexperte bereits zum Berater des Wirtschaftsministers. Danach beriet Trichet Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing in der Industrie-, Energie- und Forschungspolitik.

Ab 1981 war Trichet für die Entwicklungspolitik, dann für internationale Beziehungen im Wirtschafts- und Finanzministerium zuständig. 1985 übernahm er dort die Leitung der Abteilung für internationale Beziehungen. Ein Jahr später rückte er in die Leitung des Führungsstabes des Ministers Balladur auf. 1987 berief man Trichet zum Leiter des Schatzamtes, als welcher er unter wechselnden Premierministern bis 1993 fungierte. Als strenger Währungspolitiker machte sich Trichet in dieser Funktion bei der Reform der französischen Zentralbank wie auch bei den Vorbereitungen für die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion international einen Namen. Von 1985 bis 1993 verschaffte sich Trichet als Präsident des "Clubs von Paris" bei der Schuldenverwaltung und Entschuldung der sogenannten Entwicklungsländer internationale Anerkennung.

Im September 1993 berief man Trichet an die Spitze der "Banque de France", die als französische Nationalbank seit 1806 existierte. Ab Jahresbeginn leitete der Finanzexperte damit ein Bankhaus, das im Zuge der Umsetzung der Maastricht-Kriterien seine bisherige Regierungsabhängigkeit weitgehend einbüßte und somit eigene Kompetenzen zur Steuerung der französischen Finanzpolitik hinzugewann. Als Chef der französischen Zentralbank verteidigte Trichet gegen wechselnde Regierungen mit Erfolg die Unabhängigkeit seiner Institution, die er mit ungewöhnlicher Transparenz führte. Da der Gouverneur der Bank von Frankreich mit großem Engagement auch an den Vorbereitungen zur Realisierung der Währungsunion in Europa mitwirkte, schlug ihn sein Land bereits im Herbst 1997 als Präsident der künftigen Europäischen Zentralbank (EZB) vor.

Um die Besetzung des Amtes entspann sich eine Konkurrenz mit dem niederländischen Präsidenten des Europäischen Währungsinstituts Wim Duisenberg, der von mehreren europäischen Regierungen favorisiert wurde. Im Mai 1998 wurde der Streit dahingehend entschieden, dass Duisenberg zum ersten Präsidenten der EZB nominiert wurde, allerdings unter der Auflage, die achtjährige Amtszeit nicht voll auszuschöpfen, um die Funktion vorzeitig an Trichet abzutreten. Während der Amtszeit Duisenbergs musste Trichet von 2000 bis 2002 staatsanwaltschaftliche Ermittlungen über sich ergehen lassen, die mit seiner Rolle in der Bankenaffäre um den Crédit Lyonnais zu Beginn der 1990er Jahre zusammenhingen, als er das Schatzamt des Wirtschafts- und Finanzministerium geleitet hatte und angeblich Bilanzfälschungen gedeckt haben sollte.

Nachdem Trichet im Juni 2003 von allen Vorwürfen freigesprochen worden war, stand er für das Amt des Präsidenten der EZB zur Verfügung, das er in der Nachfolge Duisenbergs im Spätherbst 2003 in Frankfurt/Main antreten sollte. Am 29. Oktober 2003 wurde Trichet offiziell als Nachfolger von Wim Duisenberg im Amt der Präsidentschaft der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt/Main bestätigt. Trichet ist Offizier der französischen Ehrenlegion. 1991 zeichnete man ihn mit einem internationalen Wirtschaftsmanagerpreis, dem Prix du meilleur responsable économique et monétaire international, aus. 1999 erhielt er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Jean-Claude Trichet lebt mit der Familie in Paris.


Die Europäische Union (EU):
Mitgliedsstaaten und Regierungschefs

NameJean-Claude Trichet

Geboren am20.12.1942

SternzeichenSchütze 23.11 - 21.12

GeburtsortLyon (F).