Biografie

Hans Mommsen

Der Sprössling einer Historiker-Dynastie trat wie sein Bruder in die Fußstapfen des Urahnen Theodor Mommsen und zählte zu den ausgewiesensten Geschichtsschreibern für den problematischen Werdegang Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hans Mommsen profilierte sich mit Forschung und Lehre insbesondere in der geschichtswissenschaftlichen Auseinandersetzung über den Nationalsozialismus, wo er sich lange auf Seiten der strukturalistischen Deutung positioniert hat. Er war 1968 bis 1996 o. Professor für Neuere Geschichte an der Universität Bochum, 1960 bis 1961 Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Tübingen, 1963 bis 1968 an der Universität Heidelberg. Mommsen gehörte der British Academy und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften an. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem "Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik" (1998), dem "Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch" für sein publizistisches Gesamtwerk (2010) und dem "Victor-Adler-Staatspreis für Geschichte sozialer Bewegungen" (2013)...
Hans Mommsen wurde am 5. November 1930 in Marburg an der Lahn geboren.

Sein Vater, der Marburger Historiker Wilhelm Mommsen (1892-1966), war ein Enkel des großen Historikers Theodor Mommsen und büßte allerdings nach dem Zusammenbruch des Hitler-Regimes auch seine Professur ein. Hans’ Zwillingsbruder, Wolfgang J. Mommsen, sollte sich ebenfalls der Historie verschreiben. Nach dem Abitur studierte Mommsen von 1951 bis 1956 Geschichte und Germanistik. 1959 wurde er promoviert. Mommsen begann seine wissenschaftliche Karriere an der Universität Tübingen, wo er von 1960 bis 1961 als wissenschaftlicher Assistent tätig war. 1963 wechselte er an die Universität Heidelberg, an der er bis 1968 als Assistent wirkte. Zugleich war Mommsen von 1960 bis 1961 als Referent im Institut für Zeitgeschichte in München tätig. In jenen Jahren reifte in Mommsen das wissenschaftliche Interesse für die jüngere deutsche Geschichte heran. Seit 1966 war er Margaretha Reindl verheiratet.

In der Folge profilierte sich der Historiker mit Forschungen insbesondere zur Epoche des Kaiserreichs (1871-1918) und zur Weimarer Republik (1918-1933), die er nach den Ursachen für den Nationalsozialismus (1933-1945) befragte. In der geschichtswissenschaftlichen Forschung zum Nationalsozialismus vertrat Mommsen im Streit zwischen "Intentionalisten" und "Strukturalisten", der inzwischen einer ausgewogeneren Betrachtung des Hitler-Regime gewichen ist, eher eine strukturalistische Deutung: So sprach er sich bereits seit 1964 hinsichtlich der Kontroverse über die Verursacher des Reichstagsbrandes von 1933 für die Alleintäterschaftsthese aus, nach der es keine planvoll-manipulatorische Vorbereitung des nationalsozialistischen Machtaufstiegs im Hintergrund gegeben habe, wie sie die "Intentionalisten" annahmen.

In Mommsens strukturalistischer Deutung wurde Adolf Hitler lediglich zu einem Exponenten unter mehreren anderen Personen, die zufällig in einen fast automatischen Prozess des Verfalls der demokratischen Grundlagen der Weimarer Republik einbezogen wurden, für den aber die alten Eliten des Kaiserreichs und der Republik erhebliche Mitverantwortung trugen. Mommsen legte 1963 seine erste größere Arbeit über "Die Sozialdemokratie und die Nationa-litätenfragen im Habsburgischen Vielvölkerstaat" vor. 1966 erschien seine Studie über das "Beamtentum im III. Reich". In den Jahren 1972 bis 1973 hielt sich Mommsen im Rahmen eines Fellowship am Institute for Advanced Studies in Princeton auf. Er nahm auch von 1983 bis 1984 ein Fellowship am Wissenschaftskolleg Berlin (West) wahr. In der Reihe der Propyläen Geschichte Deutschlands legte Mommsen 1989 sein Werk über die Weimarer Republik vor: "Die verspielte Freiheit. Der Weg der Republik von Weimar in den Untergang 1918-1933". Im Rahmen der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verstrickung deutscher Unternehmen veröffentlichte Mommsen 1996 in Zusammenarbeit mit Manfred Grieger die Aufsehen erregende Studie über "Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich".

Seine 1991 erschienene Anthologie "Der Nationalsozialismus und die deutsche Gesellschaft" fand 1998 auch ihre Pariser Ausgabe (Le national-socialisme et la société allemande). In den folgenden Jahren beschäftigte sich Mommsen, der als ordentlicher Professor für Neuere Geschichte an der Universität Bochum lehrte, auch mit der Problematik des Widerstandes im Dritten Reich. 2000 legte er "Alternativen zu Hitler. Studien zur Geschichte des deutschen Widerstandes" vor. Der Historiker war ab 1960 Mitglied der SPD. Außerdem gehörte er der British Academy und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften an. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem "Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik" (1998), dem "Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch" für sein publizistisches Gesamtwerk (2010) und dem "Victor-Adler-Staatspreis für Geschichte sozialer Bewegungen" (2013).

Hans Mommsen starb am 5. November 2015 in Tutzing.


Bedeutende Geschichtsschreiber der Menschheitsgeschichte

NameHans Mommsen

Geboren am05.11.1930

SternzeichenSkorpion 24.10 - 22.11

GeburtsortMarburg (a.d. Lahn)

Verstorben am05.11.2015

TodesortTutzing (D).