Biografie

Gunter Sachs

Der deutsche Unternehmer war selbst in der Wirtschaft engagiert, flankierte seine Tätigkeiten jedoch mit einem bunten Kaleidoskop erfolgreicher Aktivitäten in den Bereichen des Sports, des Films, der Fotografie und der Gegenwartskunst. Gunter Sachs wurde weniger als Kugellagerproduzent oder Bobfahrer, denn als Fotograf und Dokumentarfilmer international bekannt. Daneben profilierte sich der studierte Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler oder der gelernte Feinmechaniker und Bankkaufmann jedoch auch als anerkannter Kunstsammler, als Statistiker und Astrologe. Aufgrund seines extrovertierten Lebensstils, von 1966 bis 1969 war er mit der französischen Filmschauspielerin Brigitte Bardot verheiratet, wurde er besonders in den 1960er und 1970er Jahren als Prototyp des Playboys bekannt...
Gunter Sachs wurde am 14. November 1932 im fränkischen Mainberg, auf Schloss Mainberg bei Schweinfurt geboren.

Sein Vater, Willy Sachs, betrieb ein Kugellager- und Motorenwerk, das vom Großvater Ernst Sachs gegründet worden war, der die Fahrradfreilaufnabe "Torpedo" entwickelt hatte. Sein Urgroßvater mütterlicherseits war Adam Opel, der Gründer des gleichnamigen Automobilunternehmens. Sachs wuchs infolge der Trennung der Eltern ab 1935 in der Schweiz bei seiner Mutter Eleonor von Opel auf. Nach dem Besuch von Schweizer Internaten studierte Sachs an der Universität Lausanne zunächst Mathematik, dann Wirtschaftswissenschaften. Im Anschluss daran wechselte Sachs in die Bundesrepublik, um 1955 bei der Stuttgarter Firma Bosch eine Lehre als Feinmechaniker zu beginnen. Danach absolvierte er eine Banklehre bei der Commerzbank München. An der Universität Nantes besuchte er einen Dolmetscherlehrgang, den er mit dem Diplom abschloss.

Da nach dem Tod des Vaters der ältere Bruder, Ernst Wilhelm Sachs, ab 1958 die Geschäfte des Sachs-Unternehmens in Schweinfurt führte, konzentrierte sich Sachs auf den Auslandsbereich der Firma. Er trat auch in den Vorstand der Holdinggesellschaft Sachs AG München ein. Während der 1950er Jahre tat er sich als glänzender Tennisspieler hervor. 1954 brach er außerdem zweimal den Bahnrekord im Zweierbob auf dem Run von St. Moritz. 1955 heiratete er Anne-Marie Faure, mit der er einen Sohn hatte und die 1958 verstarb. 1959 gewann Gunter Sachs als Mitglied des St. Moritz Bobsleigh Club den Junioren-Europameistertitel im Zweierbob. 1961 übernahm Sachs das Präsidentenamt des St. Moritz Bobsleigh Club. In den 1960er Jahren stand Sachs aufgrund seines ausschweifenden Lebensstils im Scheinwerferlicht der Boulevardpresse. Am 14. Juli 1966 heiratete er unter größtem Aufsehen den französischen Film-Star Brigitte Bardot in Las Vegas. Die Ehe wurde bereits 1969 geschieden.

Im selben Jahr heiratete er in dritter Ehe das schwedische Fotomodell Mirja Larsson. Gemeinsam pendelte Sachs zwischen den weltweit verteilten Domizilen. Mit ihr hatte Sachs dann noch zwei weitere Söhne, Christian Gunnar (1971) und Claus Alexander (1982). In den 1970er Jahren avancierte er als Kunsthändler zum besonderen Förderer der Pop Art. In der Hamburger Milchstrasse und der Münchner Villa Stuck eröffnete er Modern Art Galerien. 1972 war Gunter Sachs der erste Gallerist, der in Deutschland den US-amerikanischen Künstler Andy Warhol ausstellte. Aus dieser Beziehung ergab sich, ebenso wie mit Salvador Dali, eine enge Freundschaft. Sachs nahm im Jahr 1976 die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Sachs bewies auch großes eigenes unternehmerisches Geschick: von 1965 bis 1981 baute er mit "Micmac" eine internationale Kette von Modeboutiquen auf, die zum Schluss über 400 Filialen umfing.

Ab Mitte der 1970er Jahre verkauften die Sachs-Brüder allmählich ihre Aktienbeteiligungen am Unternehmen, die sie etwa bis zur Jahrtausendwende gänzlich veräußert hatten. In der Zwischenzeit hatte sich Gunter Sachs längst auf künstlerischem Gebiet einen Namen gemacht. Denn Sachs hatte bereits in den 1960er Jahren begonnen, künstlerische Ambitionen im Film- und Fotografie-Bereich zu entwickeln. Er erstellte sieben, zum Teil preisgekrönte Dokumentarfilme, die u.a. die Südseekulturen und andere anthropologisch-ethnische Themen zum Gegenstand haben. So erhielt er 1972 für seinen Film "Happening in White" (1970), einen Streifen über den Wintersport, den ersten Preis des Internationalen Olympischen Komitees. Sachs Interesse für die Fotografie ging bis in seine Schulzeit zurück. 1974 gelang ihm auf diesem Gebiet der internationale Durchbruch durch eine Ausstellung auf der Photokina. Sein Bruder Ernst Wilhelm kam 1977 bei einem Lawinenunglück ums Leben. Bis 1988 publizierte der Kunstfotograf vier Fotobände.

Mit den in seinem Münchener Fotostudio "MM 14 Factory" entwickelten Bildern tourte der Künstler auf zahlreichen Ausstellungen durch ganz Europa. Neben Film und Fotografie entwickelte Sachs auch ein ausgeprägtes Interesse für europäische Gegenwartskunst, das ihn auch mit Yves Klein und zahlreichen anderen Künstlern in Kontakt brachte. Mit seiner Frau Mirja gründete Sachs 1987 die "Mirja-Sachs-Stiftung für Kinder in Not". Mit einer ungewöhnlichen Initiative gelang es Sachs Mitte der 1990er Jahre, sich auf die Bestsellerlisten des deutschen, französischen und englischen Buchhandels zu lancieren: Er gründete 1995 das "Institut zur empirischen und mathematischen Untersuchung des möglichen Wahrheitsgehalts der Astrologie in Bezug auf den menschlichen Charakter", das in Kooperation mit unabhängigen staatlichen und privaten Statistik-Instituten in einer großangelegten Studie ("Die Akte Astrologie") den Zusammenhang zwischen Sternzeichen und Verhaltensstruktur wissenschaftlich zu begründen suchte.

Im Herbst 2005 veröffentlichte Gunter Sachs seine Autobiografie mit dem Titel "Mein Leben". Seine Kunstfotografien entpuppten sich indes als Zuschauermagnet. Die Ausstellung "Die Kunst ist weiblich" im Leipziger Museum der bildenden Künste sahen 2008 rund 70.000 Besucher. Neben zahlreichen fotografischen Arbeiten waren Teile seiner privaten Kunstsammlung (Pop Art, Nouveau Réalisme, Informel, Surrealismus) zu sehen sowie seine Dokumentarfilme und persönliche Erinnerungsstücke aus seinem Leben, wie seine Motorräder und Bobschlitten.

Gunter Sachs hatte sich 7. Mai 2011, im Alter von 78 Jahren, in Gstaad erschossen. In einem Abschiedsbrief begründete Sachs den Freitod mit Hinweisen auf eine Erkrankung an "A".
Filmografie:

1970:
Happening in White


Fotobände:

1974:
Mädchen in meinen Augen

1981:
Licht-Bilder

1987:
T - Surreale Erzählungen und Fotografien

1996:
Gunter Sachs – Photography;
Von Kunst, Kult und Charisma


Buchpublikation:

1997:
Die Akte Astrologie

NameGunter Sachs

Geboren am14.11.1932

SternzeichenSkorpion 24.10 - 22.11

GeburtsortMainberg (D).

Verstorben am07.05.2011

TodesortGstaad (CH).