Biografie

Theo Lingen

Der österreichische Schauspieler Theo Lingen vollzog in den 1920er und 1930er Jahren eine eindrucksvolle Karriere als Charakterdarsteller. Nach der nationalsozialistischen Herrschaft begeisterte er als TV-Moderator, Karikaturist und als Verfasser eigener Bühnenstücke und Operettenlibretti. Er trat auch mit Erfolg als Regisseur und Autor in Erscheinung. Er war den Meisten als näselnder Würdenträger, in ausweglosen Situationen um Etikette bemüht, bekannt. Für seine Arbeit wurde Lingen mit zahlreichen Ehrungen bedacht. Zu seinen populärsten Filmen zählen "M - Eine Stadt sucht einen Mörder", "Das Testament des Dr. Mabuse", "Der Theodor im Fußballtor", "Die Lümmel von der ersten Bank" und "Immer Ärger mit Hochwürden"...
Theo Lingen wurde am 10. Juni 1903 in Hannover als Franz Theodor Schmitz geboren.

Lingen besuchte das Gymnasium bis zur Unter-Prima. Mit 18 Jahren hatte er sein Bühnendebüt am hannoverschen Boulevardtheater Schauburg und spielte dann am Residenztheater. Seinen Künstlernamen wählte er nach dem Geburtsort seines Vaters, Lingen. Von 1923 bis 1925 war Lingen an Theatern in Halberstadt und Münster tätig und hatte ab 1926 Auftritte am neuen Theater in Frankfurt am Main. 1929 war Lingen als Macheat in dem Stück "Die Dreigroschenoper" am Theater in Berlin zu sehen. Lingen und seine Frau, die Sängerin und Ex-Frau von Bertolt Brecht, Marianne Zoff, bekamen 1928 eine Tochter mit Namen Ursula, sie wurde ebenfalls Schauspielerin. Die Tochter Mariannes aus erster Ehe, Hanne, geboren 1923, wuchs ebenfalls bei ihnen auf.

Im Jahr 1930 fand Theo Lingen mit "Dolly macht Karriere" seinen Einstieg in Film-Komödien und Lustspielen. In den Fritz Lang-Krimis "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" 1931 und "Das Testament des Dr. Mabuse" 1933 stellte er eindrucksvoll sein schauspielerisches Können unter Beweis. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Lingen in seiner Arbeit mehr als eingeschränkt. Fortan stand er in erster Linie in komischen Rollen vor der Kamera. Joseph Goebbels zählte zu seinen Anhängern und das reglementierte Kino produzierte nun Filme, die unkritisch und unterhaltend sein sollten. Seiner Popularität im deutschen Führungsstab war auch zu verdanken, dass seine Frau, die Halbjüdin war, nicht verfolgt wurde. In der deutschen Hauptstadt stand er von 1932 bis 1933 auch auf der Bühne des Komödienhauses.

Lingen führte 1936 erstmals Eigenregie bei der vierteiligen "Eulenspiegel"-Kurzfilm-Serie. Ab diesem Jahr spielte Lingen bis 1944 am preußischen Staatstheater und führte bis 1956 in weiteren 18 Filmen, teils nach eigenen Drehbüchern, Regie. Filme aus dieser Zeit waren "Die unruhigen Mädchen" (1937), "Die verschwundene Frau" (1937), "Es leuchten die Sterne" (1938), "Opernball" (1939), "Sieben Jahre Pech" (1940), "Der ungetreue Eckehart" (1940), "Rosen in Tirol" (1940), "Sieben Jahre Glück" (1942) und "Wiener Blut" (1942). Nach 1945 zog Lingen mit der Familie nach Wien. Nach Kriegsende ging er unter anderem mit Paul Kemp und Johannes Heesters zusammen an die Wanderbühne Künstlergemeinschaft Bad Ischl. 1946 nahm er die österreichische Staatsangehörigkeit an und wurde Mitglied des Wiener Burgtheaters.

Im Nachkriegsfilm übernahm Theo Lingen zunächst Hauptrollen in Remakes früherer Tonfilm-Erfolge, wie in der Sport-Komödie "Der Theodor im Fußballtor" (1950). Dann spielte er auch Rollen in Heimatfilmen wie "Heidi" oder in Schnulzen wie "Das Liebesleben des schönen Franz". Seit Anfang der 1960er Jahre war Lingen verstärkt auch in Fernsehrollen zu sehen. Er feierte auch Erfolge als Moderator von Unterhaltungssendungen und Präsentationen früher Filmsketche. Er schrieb Bücher wie "Ich über mich. Interview eines Schauspielers mit sich selbst." Mit der sechsteiligen Serie "Die Lümmel von der ersten Bank", die in den Jahren 1967 bis 1971 ausgestrahlt wurden, feierte Lingen große Erfolge in der Rolle des strengen Oberstudienrates. Die Darstellung des Prof. Taft zählt zu seinen bekanntesten Rollen.

Theo Lingen starb am 10. November 1978 in Wien.
1930 - Dolly macht Karriere

1931 - Nie wieder Liebe

1932 - Der Frauendiplomat

- Welle 4711

1933 - ... und wer küsst mich?

- Das Testament des Dr. Mabuse

1934 - Gern hab´ ich die Frau´n geküsst

1935 - Im weißen Rößl

1936 - Wie Eulenspiegel zu Marburg den Landgrafen malte

- Wie Eulenspiegel ein Urteil spricht

- Wie Eulenspiegel sich einmal erbot zu fliegen

- Wie Eulenspiegel den Neunmalweisen Rede und Antwort steht

1937 - Der Tiger von Eschnapur

- Das indische Grabmal

1939 - Opernball

1940 - Das Fräulein von Barnhelm

1942 - Wiener Blut

1950 - Der Theodor im Fußballtor

1952 - Heidi

1955 - Wenn die Alpenrosen blüh´n

1956 - Ein Herz und eine Seele

1957 - Die Beine von Dolores

1960 - Eine Frau fürs ganze Leben

1963 - Der Musterknabe

- (TV) Minna von Barnhelm

1967 - (TV) Der Vogelhändler

- Die Lümmel von der ersten Bank 1.Teil

1968 - Die Lümmel von der ersten Bank 2.Teil

- Pepe der Paukerschreck

- Die Lümmel von der ersten Bank 3.Teil

1969 - Hurra die Schule brennt

- Die Lümmel von der ersten Bank 4.Teil

1970 - Wir hau´n die Pauker in die Pfanne

- Die Lümmel von der ersten Bank 5.Teil

- Die Feuerzangenbowle

1971 - Tante Trude aus Buxtehude

- Die Lümmel von der ersten Bank 6.Teil

1973 - (TV) Orpheus in der Unterwelt

1975 - (TV) Tristan

1976 - Lingen über Lingen

1978 - Kleine Geschichten mit großen Tieren

NameFranz Theodor Schmitz

AliasTheo Lingen

Geboren am10.06.1903

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortHannover (D).

Verstorben am10.11.1978

TodesortWien (A).