Biografie

Johannes Heesters

Der in Holland geborene Sänger und Schauspieler wurde als Grandseigneur der Bühne einer der beliebtesten deutschsprachigen Entertainer. Im Berlin der 1930er Jahre feierte er seinen Durchbruch; in zahlreichen Unterhaltungsfilmen begeisterte er als der geborene Charmeur ein Millionenpublikum. Berühmt wurde er unter anderem mit Filmen wie "Der Bettelstudent" (1936) an der Seite von Marika Rökk oder "Karneval der Liebe" (1942). Auch nach Kriegsende blieb die Popularität des eleganten Operettentenors ungebrochen. Seine Paraderolle, die er mehr als 1600 Mal spielte, wurde die des Grafen Danilo in der Franz Léhar-Operette "Die lustige Witwe". Um die Jahrtausendwende avancierte der vielfach ausgezeichnete Johannes "Jopie" Heesters zum ältesten aktiven Unterhalter der Welt. Zu seinen erfolgreichsten Filmen zählen weiter "Die Fledermaus" (1946), "Im weißen Rößl" (1952) und "Opernball" (1956)...
Johannes "Jopie" Heesters wurde am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort geboren.

Aufgewachsen als der jüngste von vier Söhnen des Kaufmanns Jacobus Heesters und seiner Ehefrau Gertruida, geb. van der Hoevel, begann er nach seiner Schulzeit eine kaufmännische Lehre. Eigentlich wollte er Priester werden, begann aber dann eine Banklehre. 1920 wechselte er zur Schauspielerei. Er absolvierte zunächst eine Gesangs- und Schauspielausbildung in Amsterdam und hatte dort ab 1921 seine ersten Theater-Engagements. Später spielte er auch auf Bühnen in Den Haag, Brüssel und Rotterdam. 1924 erhielt er unter der Regie von Theo Frenkel eine Nebenrolle in seinem ersten Stummfilm "Cirque Hollandais". 1930 heiratete Heesters Louisa H. Ghijs, mit der er die beiden Töchter Wiesje und Nicole bekam. Er war bis zu ihrem Tod 1985, 53 Jahre mit seiner Frau verheiratet.

Nach Auftritten an Sprechtheatern in den Niederlanden, Belgien und der Schweiz, erhielt er als Tenor im Operettenfach 1934 sein erstes Engagement in Millöckers "Der Bettelstudent" an der Wiener Volksoper. Ein Jahr später, 1936, ging er nach Berlin. Hier feierte Heesters zunächst an der Komischen Oper und darauf am Metropoltheater und dem Admiralspalast seinen Durchbruch. Dem Publikum der deutschen Hauptstadt hatte er auch seinen Spitznamen "Jopie" zu verdanken. Sofort wurde er für den Film entdeckt. Zahlreiche UFA-Produktionen, wie seine erste Hauptrolle in "Der Bettelstudent" (1936) oder "Das Hofkonzert" (1936) folgten. Mit "Gasparone" (1937) an der Seite von Marika Rökk avancierte Heesters zum Filmstar. 1938 sang er erstmals die Rolle des Grafen Danilo in der Franz Léhar-Operette "Die Lustige Witwe", eine Rolle, die er 35 Jahre lang zu einer seiner Paraderollen ausbaute.

Weiter folgten "Das Abenteuer geht weiter - Jede Frau hat ein süßes Geheimnis", "Meine Tante – Deine Tante" (1939) und "Liebesschule" (1940). Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda führte ihn bald auf der sogenannten "Gottbegnadeten-Liste". Seine Haltung zu Nazi-Deutschland war widersprüchlich. Zwar verdankte er seinen Erfolg in erster Linie der UFA, zum anderen lehnte er die deutsche Staatsbürgerschaft ab. Er wurde weder Mitglied der NSDAP noch distanzierte er sich explizit vom Nationalsozialismus. Trotz einiger Begegnungen mit Adolf Hitler gastierte er 1938 in den Niederlanden mit einer aus Deutschland geflüchteten jüdischen Theatergruppe. Aus dem Ausland hagelte es indes massive Kritik, vor allem in Holland bezichtigte man ihn als Kollaborateur, der in deutschen Diensten gestanden habe, als seine Heimat von der Wehrmacht besetzt wurde.

Große Erfolge feierte er während den Kriegsjahren mit Filmen wie "Hallo Janine" mit Marika Rökk, "Es fing so harmlos an" mit Theo Lingen und "Rosen in Tirol" mit Hans Moser. Trotz seines Erfolges beim Film wandte sich Heesters nach dem Zweiten Weltkrieg wieder stärker dem Theater zu. Seine Popularität blieb ungebrochen. Das Auftrittslied des Grafen Danilo "Da geh’ ich ins Maxim" aus der Operette "Die lustige Witwe" wurde zum Evergreen. In dieser Rolle stand er über 1 600 Mal auf der Bühne. 1953 engagierte ihn Otto Preminger für den Hollywood-Film "Die Jungfrau auf dem Dach". Unterdessen war Heesters bis 1961 bereits an rund 50 Filmproduktionen beteiligt gewesen. 1970 war er nach langer Filmpause in "Der Kommissar: Parkplatz-Hyänen" zu sehen. 1983 folgte "Die schöne Wilhelmine".

Im Jahr 1984 wurde Johannes Heesters Ehrenmitglied der Wiener Volksoper. 1985 folgte mit ihm die Kinokomödie "Otto – Der Film". Auch literarisch war Heesters tätig. Sein Leben schilderte er 1993 in seiner Autobiographie mit dem Titel "Ich bin Gott sei Dank nicht mehr jung". In den 1990er Jahren stand er für die Fernsehspiele "Zwei Münchner in Hamburg", "Zwei alte Hasen" und "Zwischen Nacht und Tag" vor der Kamera. 1992 heiratete Heesters die 46 Jahre jüngere Schauspielerin Simone Rethel. Von 1996 bis zum Sommer 2001 spielte er neben seiner Frau in dem von Curth Flatow für ihn geschriebenen Stück "Ein gesegnetes Alter". 1999 wurde er für sein Lebenswerk mit einem "Bambi" ausgezeichnet. Als 94-Jähriger feierte Heesters 1997 sein 75-jähriges Bühnenjubiläum und ging mit dem Stück "Ein gesegnetes Alter" auf Tournee.

Um die Jahrtausendwende avancierte Heesters, der bis in hohe Alter dem Tabakkonsum und dem Whisky zugetan war, zum ältesten aktiven Entertainer der Welt. 2001 wurde er mit der Platin Romy für sein Lebenswerk geehrt. 2002 konnte der 99-Jährige Heesters auf ein 80-jähriges Bühnenjubiläum zurückblicken. 2002 folgte ein weiteres autobiografisches Werk von Heesters mit dem Titel "Auch hundert Jahre sind noch nicht genug". 2003 wurde Johannes Heesters mit einem Ehrenpreis des "Bambis" für sein Lebenswerk bedacht. 2004 trat Heesters in Köln vier Mal in der Rolle des Herrn im "Jedermann" von Hofmannsthal auf. Bei den Elblandfestspielen Wittenberge wurde ihm der Titel "Kammersänger" verliehen. Im August 2006 fand die erste Ausstellung über Heesters in der Berliner Akademie der Künste statt, die er persönlich mit einem Liederabend eröffnete.

Im Jahr 2006 erhielt er den "Ehrenpreis des Radio Regenbogen Award". 2008 übernahm Heesters eine Nebenrolle in der Til Schweiger Komödie "1 1/2 Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde". Ab Juli 2010 spielt Heesters den König in Rolf Hochhuths "Inselkomödie" im Berliner Ensemble.

Johannes Heesters starb am 24. Dezember 2011 in Starnberg, im Alter von 108 Jahren.
1924: Cirque hollandais
1934: Bleeke Bet
1935: De vier Mullers
1936: Die Leuchter des Kaisers
1936: Der Bettelstudent
1936: Das Hofkonzert
1937: Wenn Frauen schweigen
1937: Gasparone
1938: Nanon
1938: Immer wenn ich glücklich bin..!
1939: Hallo Janine!
1939: Das Abenteuer geht weiter
1939: Meine Tante – Deine Tante
1940: Liebesschule
1940: Die lustigen Vagabunden
1940: Rosen in Tirol
1941: Immer nur … Du!
1941: Jenny und der Herr im Frack
1941: Illusion
1942: Karneval der Liebe
1944: Es lebe die Liebe
1944: Glück bei Frauen
1944: Es fing so harmlos an
1944: Frech und verliebt
1946: Die Fledermaus
1946: Renée / Renée XIV. Der König streikt
1947: Wiener Melodien
1949: Liebe Freundin
1950: Wenn eine Frau liebt
1950: Hochzeitsnacht im Paradies
1951: Professor Nachtfalter
1951: Tanz ins Glück
1951: Die Csardasfürstin
1952: Im weißen Rößl
1953: Die geschiedene Frau
1953: Die Jungfrau auf dem Dach
1953: Schlagerparade
1953: Hab’ ich nur Deine Liebe
1954: Stern von Rio
1955: Bel Ami
1955: Gestatten, mein Name ist Cox
1956: Ein Herz und eine Seele / …und wer küßt mich
1956: Opernball
1956: Heute heiratet mein Mann
1957: Viktor und Viktoria
1957: Von allen geliebt
1958: Bühne frei für Marika
1958: Besuch aus heiterem Himmel / Jetzt ist er da aus USA
1958: Frau im besten Mannesalter
1959: Die unvollkommene Ehe
1960: Am grünen Strand der Spree (TV, Teil 5)
1961: Junge Leute brauchen Liebe
1963: Er soll dein Herr sein (TV) (Komödie von George O'Brien)
1968: Unsere liebste Freundin (TV)
1970: Der Kommissar (TV, Folge 17) – Parkplatz-Hyänen
1973: Hallo, Hotel Sacher…Portier (TV, Folge 2)
1974: Hochzeitsnacht im Paradies (TV)
1980: Liebe bleibt nicht ohne Schmerzen (TV)
1982: Sonny Boys (TV) (mit Carl-Heinz Schroth)
1984: Die schöne Wilhelmine (TV-Vierteiler)
1985: Otto – Der Film
1991: Altes Herz wird nochmal jung
1993: Zwei Münchner in Hamburg (Fernsehserie, 1 Folge)
1994: Silent Love (Kurzfilm)
1995: Grandhotel (Zwei alte Hasen) (TV-Serie)
1996: Ein gesegnetes Alter (TV)
1999: Theater: Momo (TV)
2001: Otto – Mein Ostfriesland und mehr (TV)
2003: Zurück ins Leben (In aller Freundschaft) (TV-Serie)
2008: 1½ Ritter
2008: Wege zum Glück (ZDF, Folge 726)
1967:
Ehrenpreis der Stadt Wien

1967:
Bambi, Deutscher Medienpreis

1975:
Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film

1982:
Johannes-Heesters-Ring des Theaters an der Wien

1982:
Ehrenmitgliedschaft des Theaters des Westens Berlin

1983:
Medaille München leuchtet

1983:
Ehrenmitgliedschaft des Gärtnerplatztheaters München

1984:
Ehrenmitgliedschaft der Volksoper Wien

1984:
Bayerischer Verdienstorden

1987:
Bambi, Deutscher Medienpreis

1990:
Bambi, Deutscher Medienpreis

1993:
Verdienstorden des Landes Berlin

1996:
Publikumspreis Goldener Vorhang von Berlin als beliebtester Schauspieler der Spielzeit 95/96

1997:
Bambi, Deutscher Medienpreis

1999:
Ehrenring der Stadt Wien

1999:
Silbernes Blatt der Dramatiker Union

2000:
DIVA-Award

2001:
Platin-Romy für sein Lebenswerk

2002:
Goldene Kamera für sein Lebenswerk

2003:
Bambi, Deutscher Medienpreis

2004:
Verleihung des Ehrentitels Kammersänger

2006:
Ehrenpreis des Radio Regenbogen Award

2007:
Bambi, Deutscher Medienpreis

2008:
Bambi, Deutscher Medienpreis

2009:
Bambi, Deutscher Medienpreis

2009:
Goldene Wien-Plakette

2010:
Bambi, Deutscher Medienpreis

NameJohannes Heesters

Geboren am05.12.1903

SternzeichenSchütze 23.11 - 21.12

GeburtsortAmersfoort (NL).

Verstorben am24.12.2011

TodesortStarnberg (D).