Biografie

Christoph Martin Wieland

Der Übersetzer und Herausgeber war vielseitiger und bedeutender Dichter der Aufklärung. Mit seinem Journal "Der Teutsche Merkur" trug er dazu bei, dass sich Weimar zum zeitgenössischen Kulturzentrum entwickelte. Seine "Sämmtlichen Werke" (1794-1811) umfassen insgesamt 45 Bände. Seine Verserzählungen zeichnen sich nicht nur aus durch eine meisterhafte Stilistik, sondern bedeuteten auch den Höhepunkt dieser Literaturgattung in der deutschen Aufklärung. Als Romanautor beherrschte er die Satire und den Bildungs- bis Briefroman – auch diese Gattung prägte Wieland mit seinem Schaffen, der auch in der Bedeutung als Vorreiter der Klassik steht. Für das deutsche Theater waren unter anderem seine Übersetzungen von Shakespeares Dramen maßgebend...
Christoph Martin Wieland wurde am 5. September 1733 als Sohn des evangelischen Pfarrers Thomas Adam Wieland im schwäbischen Oberholzheim bei Biberach geboren.

Wieland wuchs in Biberach an der Riß auf. In früher Kindheit unterrichteten ihn sein Vater und mehrere Privatlehrer, bis er von 1747 bis 1750 das pietistische Internat Kloster Berge bei Magdeburg besuchte. Danach kehrte er nach Biberach zurück und verlobte sich mit seiner Cousine Sophie Gutermann. Sie heiratete aber 1753 den katholischen Verwaltungsbeamten Georg Michael Frank La Roche. Sophie La Roche wurde später selbst literarisch tätig.

Ende 1750 begann Wieland in Tübingen Jura zu studieren. In den Jahren 1752 bis 1760 zog er in die Schweiz, wo er zunächst für zwei Jahre bei dem Schweizer Schriftsteller Johann Jacob Bodmer gastierte. Dieser beeinflusste nachhaltig Wielands literarisches Schaffen. Danach war er als Hauslehrer in Zürich und Bern tätig. Er ging dann zurück nach Biberach und wurde dort durch Wahl Senator und Kanzleiverwalter. 1765 verheiratete er sich mit der Augsburger Kaufmannstochter Anna Dorothea von Hillenbrand, mit der er zahlreiche Kinder hatte.

In der Zeit von 1769 bis 1772 hatte er die Stelle eines Professors der Philosophie an der Universität Erfurt inne. Dort gründete er das Journal "Der Teutsche Merkur", das sich zu einer der erfolgreichsten Zeitschriften im zeitgenössischen Deutschland entwickelte. Es trug außerdem dazu bei, dass Weimar zu einem wichtigen literarischen Zentrum wuchs. Viele seiner eigenen Aufsätze, Essays und Abhandlungen, die sich mit ästhetischen, philosophischen, politischen, gesellschaftlichen oder literaturtheoretischen Fragen beschäftigten, erschienen zuerst im "Teutschen Merkur".

In dem Aufsatz "Gedanken über die Ideale der Alten" (1777) beispielsweise stellt Wieland seine Auffassung über die Klassik dar. Das essayistische Werk "Was ist Wahrheit?" (1778) kritisiert die starre doktrinäre Haltung. Mit seiner Reihe von "Briefen an einen jungen Dichter" (1782 – 1784) im Journal wandte er sich dem Drama zu. In dem "Geheimniß des Kosmopoliten-Ordens" (1788) zeigt er seine weltbürgerliche Auffassung. Und nicht zuletzt äußerte sich Wieland im "Teutschen Merkur" zur Französischen Revolution.

Zusätzlich brachte er ein zweites Journal heraus, das "Attische Museum", in dem unter anderem vier seiner übersetzten Komödien von Aristophanes und zwei übersetzte Tragödien von Euripides veröffentlicht wurden. In seiner Farce "Götter, Helden und Wieland" (1774) verspottete Johann Wolfgang von Goethe Wieland als literarischen Schriftsteller. Wieland dagegen nahm die Posse äußerlich gelassen hin und rezensierte sie obendrein. Dennoch entwickelte sich zwischen beiden Männern eine Freundschaft. Dagegen lehnte Wieland die Dichter des Göttinger Hains ab und später die Frühromantiker.

Im Jahr 1808 verlieh ihm Napoleon den Orden der Ehrenlegion. Von 1794 bis 1812 erschienen Wielands "Sämmtliche Werke", eine monumentale Ausgabe mit 45 Bänden, die nicht nur die umfangreiche Textmenge, sondern auch die Vielseitigkeit seines Lebenswerkes dokumentiert. Nicht darin enthalten sind allerdings seine wichtigen Übersetzungen von Shakespeare, Aristophanes, Horaz, Xenophon, Cicero, Lukian und anderen.

In dem Dichter Christoph Martin Wieland realisierte sich eine lange Entwicklungslinie, die unter anderem vom frühen Idealisten und Rokokoliteraten, bis zum Skeptiker, Aufklärer und schließlich Wegbereiter der Weimarer Klassik reichte. Seine eigenen Vorstellungen drehten sich stets um ein Leben, in dem sich idealerweise Vernunft und Gefühl ausgewogen miteinander verbinden. Unter seine Verserzählungen, die er mit stilistischer Virtuosität schrieb, zählen unter anderem komische Geschichten, Märchen oder parodistische Rittergeschichten.

Die Spanne dieser Gattung umfasst Titel von den "Comischen Erzählungen" (1765) bis zum "Oberon" (1780) als scherzhaftes ironisches Klassikwerk, die zum Höhepunkt in der deutschen Literatur zählen. Gleichfalls prägte Wieland die Romangattung mit seinen Werken. Sein Repertoire darin reichte von der Satire in "Don Sylvio" (1764) über den Bildungsroman "Geschichte des Agathon" (1766/1767) und Staatsroman "Der goldne Spiegel oder die Könige von Scheschian" (1772) bis hin zur Gesellschaftssatire "Die Geschichte der Abderiten" (1774/1781) und den philosophischen Dialog- und Briefromanen im Spätwerk.

Durch seine Romane beeinflusste Wieland diese Literaturgattung nachhaltig, indem sie vielen anderen Schriftstellern als mustergültige Vorlagen in Gestaltung und sprachlicher Ausdruck galten. Neben lateinischen und griechischen Klassikern übersetzte Wieland zwischen 1762 und 1766 auch 22 Dramen von William Shakespeare. Dadurch förderte er nicht nur die Bekanntheit von Shakespeares Werken, sondern beeinflusste auch die Aufführungen im deutschen Theater maßgeblich. Mit seinem Trauerspiel "Lady Johanna Gray" (1758) verfasste Wieland das erste deutsche Trauerspiel in Blankversen.

Christoph Martin Wieland starb am 20. Januar 1813 in Weimar.

NameChristoph Martin Wieland

Geboren am05.09.1733

SternzeichenJungfrau 24.08 -23.09

GeburtsortOberholzheim (D).

Verstorben am20.01.1813

TodesortWeimar (D).