Biografie

Christa Wolf

Die deutsche Schriftstellerin entwickelte gegen den Schreibstil des Sozialistischen Realismus ihren eigenen Ausdrucksstil, der auf der individuellen Erfahrung beruht. Die subjektive Erzählweise in ihren Werken zielte auch auf die Erforschung des eigenen Ichs. Mit der individuellen Selbstverwirklichung verband Christa Wolf eine gesellschaftskritische Haltung gegen die männerdominanten Entwicklungen der Zeit. In ihren autobiographisch gefärbten Stücken spielte oftmals die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus eine Rolle, die sie sehr prägte. Emanzipation, Identität und Gesellschaftskritik sind die Themen ihres vielfältigen Werkes. 1976 protestierte sie gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann. Seit 1978 hielt sie internationale Gastvorträge. Nach dem Mauerfall brach Wolf mit den autobiographischen Erzählungen "Sommerstück" (1989) und "Was bleibt" (1990) einen Streit über ihre Rolle in der DDR los...
Christa Wolf, geborene Ihlenfeld, wurde als Tochter eines Kaufmanns am 18. März 1929 in Landsberg an der Warthe, dem heutigen Gorzów Wielkopolski in Polen, geboren.

Sie besuchte dort bis kurz vor Kriegsende die Schule. Nach der Vertreibung fand die Familie 1945 vorerst in Mecklenburg eine neue Heimat. Sie beendete die Oberschule 1949 mit dem Abitur in Bad Frankenhausen. In dieser Zeit wurde sie Mitglied in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Von 1949 bis 1953 studierte sie in Leipzig und Jena Germanistik. Ihre Diplomarbeit schrieb sie über Hans Fallada. 1951 ging sie die Ehe mit dem Schriftsteller Gerhard Wolf ein. Ein Jahr später wurde ihre erste Tochter, Annette, geboren. Vier Jahre darauf wurde die zweite Tochter Katrin ("Katinka"), geboren. Beim deutschen Schriftstellerverband war sie bis zum Jahr 1962 als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig.

Zugleich arbeitete sie ab 1956 als Cheflektorin des Verlages "Neues Leben" in Berlin und in den Jahren 1958 und 1959 als Redakteurin der Zeitschrift "Neue Deutsche Literatur". Dann wechselte Wolf als Lektorin zum Mitteldeutschen Verlag. Anschließend entschied sie sich für die Laufbahn der freien Schriftstellerin. 1976 siedelte sie nach Ostberlin über. Von 1963 bis 1967 war sie Kandidatin des Zentralkomitees der SED, aus der sie 1989 nach einer kritischen Rede austrat. 1980 wurde Wolf mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt. In ihrem Stil folgte sie nicht der Schreibweise des Sozialistischen Realismus, sondern entwickelte sie eine subjektive Darstellungsart, die sie anhand individueller Erfahrungen realisierte. Ihr eigener Schreibstil diente ihr zugleich auch zur Erkundung der eigenen Person, die sie mit einer kritischen Haltung gegenüber der zeitgenössischen Gesellschaft – besonders der allgegenwärtigen Männerdominanz – verband.

Wolfs erster Roman "Der geteilte Himmel" (1963) handelt vom geteilten Deutschland. Darin wird eine Liebesgeschichte mit einen gesellschaftlich glücklichen Ende geschildert, indem die Protagonistin nach einer persönlichen Misere ihren Platz in der DDR-Gesellschaft wiederfindet. 1963 bekam sie für diesen Titel den Heinrich-Mann-Preis. Im Jahr darauf wurde das Stück verfilmt. Ein analoges regierungskonformes Ende fehlte freilich in ihrem Nachfolgeroman "Nachdenken über Christa T." (1968), der deswegen auch in der Kritik stand. Im Rahmen dieser Erinnerungsarbeit ging es um die Selbstverwirklichung im Aufbaustadium der DDR. In "Kindheitsmuster" (1976) realisierte sie inhaltlich und formal das gleiche Muster. 1974 wurde Wolf in die Akademie der Künste der DDR aufgenommen und ab 1981 auch in die Akademie in West-Berlin. 1976 protestierte sie gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann.

Seit 1978 hielt die Schriftstellerin internationale Gastvorträge wie zum Beispiel in den USA, Schottland, Italien, der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland. In ihren autobiographisch gefärbten Erinnerungen spielt der ihre Kinder- und Jugendjahre prägende Nationalsozialismus eine große Rolle. Wolf beschäftigte sich in ihren weiteren Werken mit Identität, gesellschaftlicher Kritik und Emanzipation und orientiertr sich oftmals an historischen oder mythischen Begebenheiten. So wird in einem ihrer bekanntesten Werke, nämlich "Kassandra. Erzählung" (1983), in der eine antike Gestalt spricht, der emanzipatorische Aspekt im Bereich der Geschichte und des Schreibens betont. Es geht darin um den Streit der Geschlechter und die Gefährdung des Friedens. 1987 wurde die Schriftstellerin mit dem Nationalpreis I. Klasse der DDR geehrt.

Nach dem Mauerfall brach Wolf mit den autobiographischen Erzählungen "Sommerstück" (1989) und "Was bleibt" (1990) einen Streit über ihre Rolle in der DDR los. Unter anderem ging es dabei um ihre Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit (MFS) und die Frage nach einer Mitverantwortung der Intellektuellen in der DDR. 1990 erhielt Christa Wolf die Ehrendoktorwürde der Universität Hildesheim überreicht. 1993 gab sie sich als ehemalige "Inofizielle Mitarbeiterin" des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR zwischen 1959 und 1962 zu erkennen. Sie publizierte ihre Akte in dem Stück "Akteneinsicht Christa Wolf". Es folgte der Austritt aus der Akademie der Künste und 1994 der Wiedereintritt. 1999 wurde sie mit dem "Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis", dem "Samuel-Bogumil-Linde-Preis" sowie dem "Nelly-Sachs-Preis" ausgezeichnet.

Zu weiteren Werken Wolfs zählten unter anderem "Moskauer Novellen" (1961), "Till Eulenspiegel. Erzählung für den Film" (1972), "Unter den Linden. Drei unwahrscheinliche Geschichten" (1974), "Störfall. Nachrichten eines Tages" (1987), "Medea" (1996) und "Hierzulande Andernorts. Erzählungen und andere Texte 1994-1998" (1999). Im März 2005 verlieh man Wolf den Hermann-Sinsheimer-Preis für Literatur und Publizistik. Im selben Jahr erschien der Titel "Mit anderem Blick". 2010 wurde sie mit dem Thomas-Mann-Preis sowie dem Uwe-Johnson-Preis ausgezeichnet. In ihrem Roman "Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud" (2010) verarbeitete sie ihre Aufenthalte in den USA.

Christa Wolf starb am 1. Dezember 2011 in Berlin.
1961
Moskauer Novelle

1963
Der geteilte Himmel. Erzählung

1968
Nachdenken über Christa T.

1972
Lesen und Schreiben. Aufsätze und Betrachtungen

1972
Till Eulenspiegel

1974
Unter den Linden. Drei unwahrscheinliche Geschichten

1976
Kindheitsmuster

1979
Kein Ort. Nirgends

1979
Fortgesetzter Versuch. Aufsätze, Gespräche, Essays

1980
Geschlechtertausch. Drei Erzählungen

1980
Lesen und Schreiben. Neue Sammlung

1983
Kassandra. Erzählung

1983
Voraussetzungen einer Erzählung: Kassandra

1985
Ins Ungebundene gehet eine Sehnsucht. Gesprächsraum Romantik

1986
Die Dimension des Autors. Essays und Aufsätze, Reden und Gespräche. 1959 – 1985

1987
Störfall. Nachrichten eines Tages

1988
Ansprachen

1989
Sommerstück

1990
Was bleibt. Erzählung, (aus 1979)

1990
Reden im Herbst

1993
Sei gegrüßt und lebe. Eine Freundschaft in Briefen, 1964-1973. Christa Wolf und Brigitte Reimann

1994
Auf dem Weg nach Tabou. Texte 1990-1994

1995
Christa Wolf und Franz Fühmann. Monsieur - wir finden uns wieder. Briefe 1968-1984

1996
Medea: Stimmen

1999
Hierzulande Andernorts. Erzählungen und andere Texte 1994-1998

2002
Leibhaftig. Erzählung

2003
Ein Tag im Jahr. 1960-2000

2005
Mit anderem Blick. Erzählungen

2010
Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud. Roman
1961
Kunstpreis der Stadt Halle

1963
Heinrich-Mann-Preis

1964
Nationalpreis 3. Klasse der DDR

1972
Theodor-Fontane-Preis

1977
Bremer Literaturpreis

1980
Georg-Büchner-Preis

1983
Franz-Nabl-Preis

1983
Schiller-Gedächtnispreis

1985
Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur

1987
Geschwister-Scholl-Preis

1987
Weinpreis für Literatur

1987
Nationalpreis 1. Klasse der DDR

1994
Rahel-Varnhagen-von-Ense-Medaille der Stadt Berlin

1999
Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis

1999
Samuel-Bogumil-Linde-Preis

1999
Nelly-Sachs-Preis

2002
Deutscher Bücherpreis

2005
Hermann-Sinsheimer-Preis

2010
Thomas-Mann-Preis

2010
Uwe-Johnson-Preis

2011
Hörkules für Stadt der Engel

NameChrista Wolf

Geboren am18.03.1929

SternzeichenFische 20.02 - 20.03

GeburtsortLandsberg an der Warthe (D).

Verstorben am01.12.2011

TodesortBerlin (D).