Biografie

Wolf Biermann

Der deutsche Schriftsteller und Liedermacher ist als scharfer gesellschaftskritischer Beobachter des geteilten Deutschlands bekannt geworden. Anfang der 1960er Jahre begann er mit dem Verfassen von Gedichten und Liedern, die sich an Heinrich Heine, Bertolt Brecht und François Villon orientierten. Nach seiner Kritik am DDR-Staatssystem wurde Wolf Biermann 1977 ausgebürgert. Aber auch in der Bundesrepublik mischte er sich kritisch in gesellschaftlich-politische Fragen ein. Eines seiner zentralen Themen war die Teilung Deutschlands und ihre Folgen. Biermann ist Träger von Deutschlands bedeutendster Literaturauszeichnung, dem Georg-Büchner-Preis...
Wolf Biermann wurde am 15. November 1936 als Sohn eines Hafenarbeiters in Hamburg geboren.

Im Jahr 1943 wurde der Vater von Wolf Biermann, der mit vollem Namen Karl-Wolf Biermann heißt, im Konzentrationslager in Auschwitz wegen seiner Zugehörigkeit zum kommunistischen Widerstand ermordet. Bis zum Jahr 1953 besuchte der junge Biermann das Heinrich-Hertz-Gymnasium in Hamburg. Im gleichen Jahr ließ sich Biermann in der DDR nieder und besuchte ein Internat bei Schwerin. In den Jahren von 1955 bis 1957 studierte er an der Berliner Humboldt-Universität politische Ökonomie, Mathematik und Philosophie. 1957 brach er das Studium ab.

Danach betätigte er sich bis zum Jahr 1959 als Regieassistent am Berliner Ensemble. Ab 1959 studierte er bis zum Jahr 1963 abermals Philosophie und Mathematik an der Berliner Universität. Während dieser Zeit lernte er den Komponisten und Musiktheoretiker Hans Eisler kennen, durch den er fachliche Unterstützung fand. Erste Gedichte entstanden sowie die ersten Liedkompositionen. 1961 war Biermann Mitbegründer des Berliner Arbeiter-und Studententheaters, b.a.t. Die Aufführung seines Theaterspiels "Berliner Brautgang", das sich mit dem Mauerbau befasst, wurde von DDR-Kulturfunktionären untersagt.

Biermann erhielt sein erstes Auftrittsverbot. Bereits im Jahr 1963 musste das Theater auf Anordnung von oben seinen Betrieb wieder einstellen. Im Jahr zuvor wurde Biermanns erste Gedichtsammlung mit dem Titel "Liebesgedichte" veröffentlicht. Im gleichen Jahr, 1962, gab Wolf Biermann sein Bühnen-Debüt bei einem öffentlichen Auftritt zu einer Lyrikveranstaltung in der Deutschen Akademie der Künste in Ostberlin. Im Jahr darauf wurde sein Antrag zur Aufnahme in die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) nach zweijähriger Kandidatur abgelehnt.

In dieser Zeit hatte er Kontakt mit dem Chemiker und politischen Theoretiker Robert Havemann, woraus sich eine freundschaftliche Beziehung entwickelte. 1964 absolvierte Wolf Biermann einen Gastauftritt beim Ostberliner Kabarett "Die Distel". Der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) lud den Lyriker und Liedermacher zu seiner ersten Tournee durch die Bundesrepublik ein. 1965 wurde Biermann wiederholt mit einem Auftrittsverbot belegt sowie zusätzlich mit einem Publikationsverbot; das kam einem Berufsverbot in der DDR gleich – für immerhin 11 Jahre.

Ihm wurden unter anderem die Vorwürfe "Klassenverrat" und "Obszönität" gemacht, die in Verbindung mit seiner in der Bundesrepublik erschienen Anthologie "Die Drahtharfe" und seiner ebenfalls dort veröffentlichten Platte "Wolf Biermann (Ost) zu Gast bei Wolfgang Neuss (West)" standen. 1968 kam sein Buch "Mit Marx- und Engelszungen" in der Bundesrepublik zu Veröffentlichung. Ein Jahr darauf erschien im Westen seine Platte "Chauseestraße 131". Biermann erhielt dafür den Theodor-Fontane-Preis von Westberlin. Das damit verbundene Preisgeld stiftete Wolf Biermann dem Rechtsanwalt Horst Mahler, der sich für die Außerparlamentarische Opposition (APO) engagierte.

Nach dem Ende seines Berufsverbotes hatte Biermann im Jahr 1976 erstmals wieder einen DDR-Auftritt in der Nicolai-Kirche in Berlin-Prenzlau. Im gleichen Jahr startete er in Köln eine Gastspielreise durch die Bundesrepublik. Während dieser Zeit wurde seine Ausbürgerung aus der DDR mit der Begründung der Nonkonfirmität seines Tournee-Programms mit der DDR-Ideologie beschlossen. Kurz darauf verfassten führende Persönlichkeiten der DDR eine Petition gegen Biermanns Ausweisung. Ab dem Jahr 1977, nach seiner Ausweisung, unternahm Biermann zahlreiche Tourneen durch westliche Länder.

In seinen Texten ging der Liedermacher auf kritische Distanz zur DDR, vermittelte aber auch immer wieder seine eigene Auffassung vom Sozialismus. 1980 wurde er mit dem Deutschen Kleinkunstpreis für Chanson ausgezeichnet. 1982 durfte Biermann in die DDR reisen, um seinen schwerstkranken Freund Robert Havemann in Ostberlin zu besuchen. Im Jahr darauf übernahm er eine Gastdozentur an der Ohio State University. 1989 trat der Liedermacher erstmals nach 25 Jahren wieder in Leipzig auf. Die Veranstaltung wurde in der Zeit des Niedergangs der DDR zu einem persönlichen Erfolg für Wolf Biermann, der vom Publikum als Legende empfangen und gefeiert wurde.

Mit Veröffentlichungen nahm Biermann besonders in der Zeit nach dem Mauerfall Stellung zu politischen Fragen. Er nahm an der Besetzung der Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit teil. In dieser Zeit befürwortete er die US-amerikanische Militärintervention am Golf. 1991 wurde der Lyriker und Troubadour mit dem Georg-Büchner-Preis, Deutschlands höchster Literaturauszeichnung, geehrt. In seiner Rede kritisierte er die Opposition der DDR und brachte sie mit der Staatssicherheit in Verbindung. In den Jahren von 1993 bis 1995 hatte Biermann eine Gastprofessur an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf inne. 1996 kam seine CD mit dem Titel "Süßes Leben – saures Leben" heraus, auf der er seine neuen Lieder vorstellte.

Im gleichen Jahr war er Mitbegründer des "Bürgerbüros e.V", das sich die Unterstützung von Geschädigten des DDR-Systems zum Ziel gesetzt hat. Zwei Jahre später nahm er den Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung entgegen. 1998 erschien seine CD mit dem Titel "Brecht – Deine Nachgeborenen". Ein Jahr darauf kam seine CD mit dem Titel "Paradies uff Erden. Ein Berliner Bilderbogen" heraus, mit dem sich Biermann auf die Spuren des bekannten Zeichners Heinrich Zille setzte.

Im Jahr 2002 erhielt er den Heinz-Galinski-Preis der Heinz-Galinski-Stiftung der Jüdischen Gemeinde Berlin. 2006 wurde er mit dem Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik und dem Großes Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Am 26. März 2007 wurde Wolf Biermann zum 115. Ehrenbürger von Berlin ernannt.

NameWolf Biermann

Geboren am15.11.1936

SternzeichenSkorpion 24.10 - 22.11

GeburtsortHamburg (D).