Biografie

Johannes Paul II.

Der polnische Theologe stellte von 1978 bis zu seinem Tod 2005 den Bischof von Rom sowie als Staatsoberhaupt und Souverän des Vatikanstaats den Papst der römisch-katholischen Kirche. Trotz einer unnachgiebigen Grundposition in innerkirchlichen und sozialmoralischen Fragen genoss Karol Wojtyla als Papst eine ungewöhnliche Ausstrahlungskraft. Seit Beginn seines langen Pontifikats gründete sich dieses Charisma auf eine auch noch im hohen Alter unermüdliche Reisetätigkeit des katholischen Kirchenoberhauptes und auf seine ungebrochene Bereitschaft zur politischen Stellungnahme. Diese ließ den Papst im Frühjahr 2003 mit ungewöhnlicher Deutlichkeit auch gegen den umstrittenen Angriff der USA und Großbritanniens auf den Irak Position beziehen. Im Oktober 2003 feierte Johannes Paul II. sein 25-jähriges Pontifikatsjubiläum. Das drittlängste Pontifikat der Kirchengeschichte endete nach 26,5 Jahren im Frühjahr 2005 und wird seinem Amtsträger die posthume Selig- und Heiligsprechung bescheren...

Bedeutende Persönlichkeiten aus Religion und Kirche
Karol Wojtyla wurde am 18. Mai 1920 in Wadowice (Polen) geboren.

Wojtyla nahm 1938 ein Philosophie- und Literaturstudium an der Universität Krakau auf, das er durch literarische Betätigungen und sein Engagement für die polnische Theaterkultur ergänzte. Unter der ab 1939 in Polen errichteten deutschen Besatzung entdeckte Wojtyla für sich die Theologie. Der Priesterweihe in Krakau schloss sich 1946 ein zweijähriges Studium an der päpstlichen Universität Angelicum (Rom) an, das durch die seelsorgerische Betreuung polnischer Arbeitsimmigranten in Nordfrankreich und Belgien während der Semesterferien begleitet wurde. Wieder nach Polen zurückgekehrt, beendete Wojtyla 1951 das Theologiestudium mit der Promotion in Krakau. Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit als Kaplan in der Erzdiözese Krakau bemühte sich Karol Wojtyla in der Folge um seine wissenschaftliche Weiterqualifizierung zunächst als Assistent an der Universität Krakau. Im Jahr 1953 habilitierte er an der Katholischen Universität Lublin, wo er einen Lehrstuhl für Moraltheologie übernahm.

Als Titularbischof von Ombi und Weihbischof von Krakau setzte sich Wojtyla ab 1958 für eine philosophisch-theologische Erneuerung des Katholizismus und der katholischen Laienbewegung ein. 1964 folgte seine Berufung zum Erzbischof von Krakau. Für das Vatikanische Konzil wirkte er von 1962 bis 1966 an der Abfassung wichtiger Lehrtexte mit. Nach seiner Nominierung zum Kardinal im Juni 1967 unterließ er wenige Monate später im gemeinsamen Protest mit den polnischen Bischöfen die Reise zur Bischofssynode in Rom, um damit gegen die Bevormundung der polnischen Kirchenführung, namentlich des streitbaren Kardinals Wyszynski, durch den sozialistischen Staat Stellung zu beziehen. Anlässlich eines Besuchs in der Bundesrepublik feierte Karol Wojtyla 1974 mit deutschen Priestern einen Versöhnungsgottesdienst im ehemaligen Konzentrationslager Dachau.

Nach dem plötzlichen Tod von Papst Johannes Paul I. wählte das Konklave Karol Wojtyla am 16. Oktober 1978 zum neuen Oberhaupt der katholischen Kirche, das somit seit dem holländischen Papst Hadrian VI. (1459-1523, Pontifikat ab 1522) erstmals wieder von einem nichtitalienischen Kirchenmann gestellt wurde. Johannes Paul II. trat am 22. Oktober 1978 sein Pontifikat an. Er errang bereits durch seine ersten öffentlichen Auftritte aufgrund seiner Kontaktfreude und Offenheit eine ungewöhnliche Popularität. Der Papst entfaltete eine immense Reisetätigkeit in alle Kontinente, wo er durch seine Einmischung in die politischen Verhältnisse, durch seine Mahnungen zur sozialen Verantwortung, durch sein Eintreten für die Grund- und Menschenrechte sowie seine Verurteilung von Neoliberalismus, Rüstungswettlauf und Krieg die Massen mobilisierte.

Ausdruck dieser politischen Berufung des Papstes waren neben seinen Besuchen bei der UNO und im Weißen Haus vor allem die Polenreisen von 1979, 1983 und 1987, die den politischen Reformprozess in seiner Heimat nachhaltig bestärkten. Am 13. Mai 1981 verübte der türkische Rechtsextremist Mehmet Ali Agca einen Mordanschlag auf Johannes Paul II., von dem sich dieser erst nach mehreren Monaten erholte. Die Hintergründe des Attentats, dessen Urheber im Juli 1981 in Rom eine lebenslange Haftstrafe erhielt, sind bis heute nicht vollständig geklärt. Trotz der Popularität des Papstes vor allem in den Ländern der sogenannten Dritten Welt erfüllten sich jedoch die anfänglichen Hoffnungen auf eine liberale Kirchenführung letztlich nicht. Seine konservative und fundamental-dogmatische Haltung gegenüber den drängendsten innerkirchlichen und gesellschaftlichen Problemen der Zeit bescherten Johannes Paul II. vielmehr in der Öffentlichkeit manchen Widerspruch.

Dies galt besonders in so umstrittenen Fragen wie etwa der des Zölibats, der Laienpriester, der innerkirchlichen Integration von Frauen, der Geburtenkontrolle wie überhaupt der unter der Bedrohung von Aids als überholt und lebensgefährdend erscheinenden katholischen Sexualmoral. Ausdruck der inzwischen auch unter deutschen Theologen umstrittenen Glaubens- und Sittenlehre des Papstes waren sein "Weltkatechismus" und die Moralenzyklika "Veritatis splendor" ("Glanz der Wahrheit") von 1993. Zugleich setzte seine Öffnung gegenüber dem Protestantismus 1983 und ein Jahrzehnt später gegenüber dem Judentum aber auch neue Akzente im gegenseitigen Umgang der Kirchen und Religionen. Mit diplomatischem Geschick drang er gegenüber den sozialistischen Staaten auf mehr Freiheiten für die Kirche, zum Teil mit Erfolg, wie etwa 1988 die Zulassung von Bischofsweihen in der CSSR zeigte.

Hinzu kamen überraschende Zugeständnisse des Papstes gegenüber den Wissenschaften und den historischen Verfehlungen der Kirche wie etwa 1992 und 1993 die Rehabilitation der Astronomen Galileo Galilei (1691-1736) und Nikolaus Kopernikus (1473-1543). Gegenüber den neueren Weltkonflikten nach 1989 wandelte Johannes Paul II. seine Position von einer anfänglich betont pazifistisch-neutralen Stellungnahme zu engagierter Einmischung. 1991 verurteilte er unter Distanzierung von Israel den von der UNO sanktionierten Militärschlag gegen den Irak. 1993 räumte der Papst im Bosnienkonflikt die mögliche Legitimität eines gewalttätigen Vorgehens zur Beendigung der Menschenrechtsverletzungen ein. Nach den terroristischen Anschlägen gegen die USA vom 11. September 2001 verurteilte das katholische Kirchenoberhaupt sowohl religiös motivierten Terrorismus als auch dessen leichtfertige Gleichsetzung mit dem Islam.

Im Zuge der israelischen Militäroffensive gegen palästinensische Territorien kritisierte Papst Johannes Paul II. im Frühjahr 2002 mit ungewöhnlicher Schärfe die Gewaltexzesse Israels im Heiligen Land. Ein Jahr später setzte sich das katholische Kirchenoberhaupt an die Spitze einer weltweiten Friedensbewegung, die sich gegen einen beabsichtigten Militärschlag gegen den Irak und den dortigen Diktator Saddam Hussein wandte. Nach dem Beginn der amerikanisch-britischen Militäroffensive am 20. März 2003 brachte Johannes Paul II. gegenüber den Kriegszielen des US-amerikanischen Präsidenten George W. Bush und des britischen Premiers Tony Blair seine deutliche Ablehnung und Verurteilung zum Ausdruck. Am 22. Oktober 2003 feierte Papst Johannes Paul II. sein 25-jähriges Pontifikatsjubiläum. Am 23 März 2004 wurde er mit dem "Außerordentlichen Karlspreis" ausgezeichnet.

Zu Jahresbeginn 2005 sorgte der Vatikan für eine innerkirchliche Kontroverse im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Aids, die besonders in den Ländern der so genannten Dritten Welt, allen voran denen Afrikas, eine ungeheure Ausbreitung findet. Nachdem ein lateinamerikanischer Geistlicher offen für den Gebrauch von Kondomen geworben hatte, wurde dies von der römischen Zentrale verurteilt. Im Februar und März 2005 musste der Papst wegen einer akuten Verschlechterung seines Gesundheitszustandes in ein römisches Krankenhaus eingeliefert werden. Zu Ostern 2005 sah sich das katholische Kirchenoberhaupt erstmals während seines Pontifikats gezwungen, auf einige der üblichen Amtshandlungen zu verzichten. Damit verdichteten sich die Spekulationen um einen freiwilligen Amtsrücktritt des gesundheitlich immer schwerer angeschlagenen Kirchenoberhauptes. Nach einer dramatischen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes verstarb Papst Johannes Paul II. am Abend des 02. April 2005 in seinen Gemächern im Vatikan.

Er wurde unter großer Anteilnahme der Weltöffentlichkeit und einer millionenfachen Pilgerzahl am 8. April 2005 im Vatikan beigesetzt. Das Konklave der Kardinäle trat zur Wahl seines Nachfolgers am 18. April zusammen. Nach nur 24 Stunden wählten die Kardinäle am 19. April 2005 Joseph Ratzinger zum neuen katholischen Kirchenoberhaupt, der das hohe Amt als Benedikt XVI. antrat. Bereits Mitte Mai 2005 kündigte der neue Papst die Eröffnung einer verkürzten Prozedur an, die zur offiziellen Seligsprechung Johannes Pauls II. führen wird. Da dies der millionenfache Wunsch der Pilger in Rom gewesen war, verzichtete die katholische Kirche auf die sonst übliche Wartezeit von mindestens 5 Jahren. Die Seligsprechung gilt als sichere Vorbereitung zur Heiligsprechung des ehemaligen Papstes. Am 28. Juni 2005 wurde die Seligsprechung des ehemaligen Papstes durch eine feierliche Zeremonie in der Lateranbasilika San Giovanni in Rom eingeleitet.

Nach einer Umfrage des französischen Meinungsforschungsinstituts TNS galt Johannes Paul II. im Juli 2005 für eine Mehrheit der befragten Franzosen, Briten und Deutschen nach Nelson Mandela und Mutter Teresa als "größter Mensch auf der internationalen Bühne". Anfang November 2005 nahm eine Kommission zur Vorbereitung der Seligsprechung des ehemaligen Papstes ihre Arbeit im polnischen Krakau auf.


Porträt des Monats Mai 2005: Johannes Paul II.
Die Chronologie der Päpste
Die europäischen Königs- und Fürstenhäuser
Bedeutende Persönlichkeiten aus Religion und Kirche

NameKarol Wojtyla

AliasJohannes Paul II.

Geboren am18.05.1920

SternzeichenStier 21.04 - 21.05

GeburtsortWadowice (Polen)

Verstorben am02.04.2005

TodesortRom (Vatikanstadt)