Biografie

Toni Morrison

Die US-amerikanische Universitätsprofessorin entwickelte sich seit den 1970er Jahren zu einer der bedeutendsten Vertreterinnen der amerikanischen Gegenwartsliteratur. In visionären Farben und mit poetischer Kraft schildert Toni Morrison in Romanen wie "Song of Solomon", "Beloved" und "Paradise" die Lebenssituation ihrer afroamerikanischen Gemeinschaft in den USA. Für ihr Werk, das Elemente der westlichen Literatur mit der traditionellen Rhetorik der schwarzen Kultur verbindet, erhielt die Schriftstellerin als erste Afroamerikanerin 1993 den Nobelpreis für Literatur...
Toni Morrison, eigentlich Chloe Anthony Wofford, wurde am 18. Februar 1931 in Lorain (Ohio, USA) geboren.

Ihre Eltern waren Arbeiter. Nach dem Schulabschluss nahm sie 1949 ein Literatur- und Anglistikstudium an der Howard University in Washington D.C. auf. Während des Studiums machte Morrison auf einer Tournee der studentischen Theatergruppe erste Erfahrungen mit dem Rassismus in den amerikanischen Südstaaten. 1953 schloss sie das Studium zunächst mit dem Bachelor of Arts ab. Morrison studierte dann an der Cornell University weiter, wo sie 1955 den Master of Arts erlangte. Im Anschluss daran wandte sich Morrison zunächst dem akademischen Lehrbetrieb zu.

Sie lehrte von 1955 bis 1957 an der Texas Southern University und 1957 bis 1964 an der Howard University. In dieser Zeit entfaltete Morrison eine erste schriftstellerische Tätigkeit, aus der mehrere Kurzerzählungen hervorgingen. Im Privatleben erlebte sie in jenem Jahrzehnt Heirat und Scheidung mit dem aus Jamaika gebürtigen Architekten Harold Morrison. Aus der gescheiterten Beziehung gingen zwei Kinder hervor. Morrison kehrte 1964 vorübergehend der Universität den Rücken, um in ihren Heimatort zurückzukehren. Von dort begann sie, für den internationalen Verlag Random-House schwarze Literatur zu verlegen.

Zugleich veröffentlichte Morrison 1970 mit "The Bluest Eye" ihren ersten Roman, in dem sie anhand der Protagonistin, eines kleinen Mädchens, die persönliche Lebenssituation als Schwarze in einer von Weißen dominierten Gesellschaft beschrieb. Neben ihrem zweiten Roman "Sula" (1974) publizierte die Schriftstellerin dann 1977 ihren Erfolgsroman "Song of Solomon". Das schwarze Familienepos wurde mit dem National Book Critics Circle Award ausgezeichnet und feierte einen internationalen Erfolg. Nach einer Professur an der State University of New York in Albany berief man Morrison 1989 als Professorin für Afro-American Studies an die Princeton University, wo sie bis heute lehrt.

Zugleich entwickelte Morrison aber ihr literarisches Schaffen unaufhaltsam fort. Mit den folgenden Romanen "Tar Baby" (1983), "Beloved" (1987) und "Jazz" (1992) stellte sie die Lebenssituation afroamerikanischer Menschen zu unterschiedlichen historischen Zeiten in den USA dar. Von "Beloved", für den Morrison den Pulitzer-Preis erhielt, kam 1998 eine Verfilmung mit Oprah Winfrey in der Hauptrolle in die Kinos. Eine ihrer größten internationalen Anerkennung erfuhr die Schriftstellerin 1993, als ihr als erste Afroamerikanerin der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde. Aufgrund ihrer starken thematischen Konzentration auf das schwarze Amerika wurde gegen Morrison aber auch der Vorwurf einer ethnozentrischen Grundhaltung laut.

In der Tat bezeichnete sie sich angesichts der anhaltenden Diskriminierungen in den USA öffentlich als nichtamerikanische Schriftstellerin. Innerhalb der afroamerikanischen Gemeinschaft stieß wiederum die Darstellung der doppelten Unterdrückung der schwarzen Frau auf Kritik, da sich diese gegen den Machismo der afroamerikanischen Männer richtete, gegen den Morrison unbarmherzig anschrieb. Größte Aufmerksamkeit erregte 1998 die Veröffentlichung des Romans "Paradise", der sofort als bester Roman Morrisons galt und ein Jahr später in deutscher Übersetzung erschien. Ebenfalls 1999 war Morrison mit ihrer Teilnahme an der Vortragsreihe "Berliner Lektionen" erstmals auch in Deutschland zu sehen.

Nachdem 2003 Morrisons neuer Roman "Love" erschienen war, wurde im folgenden Jahr rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 2004 die deutsche Übersetzung ("Liebe") veröffentlicht.
1970
The Bluest Eye (Sehr blaue Augen)

1974
Sula

1977
Song of Solomon (Solomons Lied)

1983
Tar Baby (Teerbaby)

1987
Beloved (Menschenkind)

1992
Jazz

1992
Playing in the Dark: Whiteness and the Literary Imagination (Im Dunkeln spielen. Weiße Kultur und literarische Imagination)

1994
The Nobel Prize Speech

1997
Birth of a Nationhood: Gaze, Script and Spectacle in the O. J. Simpson Trial

1998
Paradise

2000
Die Kinderkiste (zusammen mit Sohn Slade)

2003
Love

NameChloe Anthony Wofford

AliasToni Morrison

Geboren am18.02.1931

SternzeichenWassermann 21.01 - 19.02

GeburtsortLorain, Ohio (USA).