Biografie

Carl Josef Neckermann

Der Unternehmer war der Gründer des gleichnamigen Versandhauses, das er zum größten Handelshaus dieser Art in Deutschland und zum drittgrößten in Europa aufbaute. Dabei profitierte er als NSDAP-Mitglied und stellvertretender NS-Reichsbeauftragte für Kleidung auch von der nationalsozialistischen "Arisierungspolitik", die ihm mit zwei Kaufhäusern jüdischer Unternehmer den Grundstein für sein späteres Imperium bescherte. Im westlichen Nachkriegsdeutschland stieg Carl Josef Neckermann zur Symbolfigur des Wirtschaftswunders auf. Neben seinen geschäftlichen Erfolgen konnte der Unternehmer auch auf herausragende Leistungen im Reitsport verweisen...
Carl Josef Neckermann wurde am 5. Juni 1912 als Sohn eines Kohlen-Großhändlers in Würzburg geboren.

Neckermann absolvierte nach seinem Schulabschluss eine Ausbildung bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in Würzburg. Danach war er als Praktikant bei der Hedwigs-Hütte AG in Stettin tätig. Im Anschluss daran verließ er Deutschland und arbeitete in Newcastle. Bevor er 1933 nach Deutschland zurückkehrte, war er noch in Lüttich beschäftigt. 1934 heiratete Neckermann Annemarie Brückner. Aus dieser Verbindungen gingen drei Kinder hervor, vier weitere nahm das Ehepaar auf. 1935 kamen Neckermann die Rassengesetze der Nationalsozialisten in Deutschland zugute, er konnte dadurch das Textilkaufhaus des jüdischen Unternehmers Ruchkewitz in Würzburg übernehmen sowie ein weiteres kleines Geschäft.

Zwei Jahre später übernahm er in gleicher Weise die jüdische Wäschemanufaktur Carl Joel, die er umfirmierte in "Wäsche- und Kleiderfabrik Josef Neckermann". Damit war Neckermann zum Besitzer des drittgrößten Versandhauses geworden. Nach dem Krieg wurde Carl Joel nach langjährigen Verfahren 1957 mit einem Betrag in Höhe von zwei Millionen Mark entschädigt. In der Zeit von 1939 bis 1945 entstand die Zentrallagergemeinschaft für Bekleidung GmbH, die zwischen Neckermann und Georg Karg, dem Direktor von Hertie, abgeschlossen wurde. In dieser Zeit wurde Neckermann, der Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) war, zum stellvertretenden Reichsbeauftragten für Kleider und verwandte Gebiete berufen. Im Winter 1942/1943 lieferte er Bekleidung für deutsche Soldaten an der Ostfront.

Im Jahr 1945 wurde Neckermann die Verletzung des alliierten Kontrollratsgesetzes vorgeworfen. Er wurde von einem Militärgericht zum Arbeitsdienst verurteilt. In der zweiten Hälfte des Jahres 1948 gründete Neckermann das "Textilgeschäft Neckermann KG" in Frankfurt am Main. 1951 eröffnete er das Unternehmen "Neckermann Versand KG", mit dem er eine neue Form des Warenverkehrs in Deutschland einführte, den Versandhandel. Neckermann machte sein Geschäft über Postwurfsendungen bekannt. Er bot damalige Luxusartikel und Haushaltswaren wie Kuchengeräte, Radio, Toaster und anderes mehr zu günstigen Preisen an. Die Idee des Versandhandels wurde ein durchschlagender Erfolg. Bereits in den 1950er Jahren erweiterte Neckermann daher sein Angebot. Über den Neckermann-Versandhandel konnten Rundfunkgeräte, Kühlschränke und Mopeds bezogen werden.

Später kam noch ein eigener Kundendienst hinzu. Zum Versandhandel gründete Neckermann zusätzlich Kaufhäuser, in denen die Ware direkt gekauft werden konnte. Sein Sortiment erweiterte sich im Laufe der Zeit immer mehr, zum Beispiel traten Fertigheime hinzu. Neckermann war aber nicht nur ein angesehener Unternehmer, sondern auch ein erfolgreicher Sportler. 1960 gewann er in der Großen Dressurprüfung die Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen in Rom. Mit seinem Reiseunternehmen "NUR" (Neckermann und Reisen GmbH), das Neckermann 1963 gründete, stieg er in das Flugreisegeschäft ein und förderte den Massentourismus. Im gleichen Jahr zog Friedrich Flick 70 Millionen D-Mark aus dem Unternehmen, das er Neckermann als Unterstützung gewährte.

Im Jahr 1965 stieg Neckermann mit der "Neckura Neckermann Versicherungs-AG" ins Versicherungsgeschäft ein. 1967 gründete Neckermann die Deutsche Sporthilfe, deren erster Vorsitzender er wurde. Die Organisation fördert Sportler auf dem Weg ihrer Karriere. Bis 1988 konnten durch diese Institution rund 18.000 Sportler mit circa 220 Millionen Mark unterstützt werden. 1976 wurde das Neckermann-Unternehmen von wirtschaftlichen Turbulenzen erfasst, von denen es sich nicht mehr erholen sollte. Das Imperium wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, von der das Unternehmen Karstadt AG die Mehrheit erhielt. Bei diesem Untergang ging auch der größte Teil des Privatvermögens von Neckermann zugrunde. Der Unternehmer zog sich aus dem Geschäftsleben zurück. Neckermann widmete sich nun verstärkt dem Reitsport, in dem der ehrgeizige Reiter bedeutende Erfolge feierte.

Zu seinen sportlichen Auszeichnungen und Preisen zählen unter anderem die Bronze-Medaille in der Dressur-Einzelwertung bei den Olympischen Spielen in Rom von 1960, die Gold-Medaille in der Mannschaftswertung bei den Olympischen Spielen in Tokio von 1964, die Gold-Medaille in der Mannschafts- und die Silber-Medaille in der Einzelwertung bei den Olympischen Spielen in Mexiko City von 1968, die Silber-Medaille in der Mannschaftswertung und die Bronze-Medaille in der Einzelwertung bei den Olympischen Spielen in München von 1972, der Weltmeistertitel im Jahr 1966, der Vizeweltmeistertitel im Dressurreiten im Jahr 1970, der Europameistertitel in den Jahren 1965, 1967, 1969 und 1971 sowie der Titel des Deutschen Meisters in den Jahren 1962, 1967, 1971 und 1974.

Neckermann erhielt vielfache zusätzliche Auszeichnungen: das Goldene Band der Sportpresse und das Silberne Lorbeerblatt des Bundespräsidenten 1966, die Ehrendoktorwürde der Universität Gießen 1970, das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband, die Sonderstufe des Ehrenzeichens der Reiterlichen Vereinigung 1982, den Hans-Heinrich-Sievert-Preis 1987 und den Hessischen Verdienstorden 1990.

Josef Neckermann starb am 13. Januar 1992 in Dreieich bei Frankfurt am Main.


Menschen und Marken

NameCarl Josef Neckermann

Geboren am05.06.1912

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortWürzburg (D).

Verstorben am13.01.1992

TodesortFrankfurt a.M. (D).