Biografie

Botho Strauß

Der Schriftsteller und Dramatiker gehört zu den erfolgreichsten und meistgespielten zeitgenössischen Dramatikern auf deutschen Bühnen. Die Themen in zahlreichen Dramen von Botho Strauß handeln von der Unfähigkeit zur Kommunikation, Beziehungslosigkeit bis zur Entfremdung. Um ihre Darstellung zu kontrastieren, stellt er sie oftmals vor einen mythologischen Hintergrund und zeigt Anspielungen beispielsweise auf Pan oder Orpheus und Eurydike. Die Mythologisierung ist Gegenbild zur entmythologisierten Realität. In seinen Essays und Romanen werden kulturkritisch die Konsumgesellschaft, die Medienmasse und die Oberflächlichkeit auseinandergenommen. Botho Strauß nimmt eine zentrale Stellung in der zeitgenössischen deutschen Dramenkunst ein...
Botho Strauß wurde als Sohn eines Chemikers am 2. Dezember 1944 in Naumburg an der Saale geboren.

Strauß studierte in München und Köln Theaterwissenschaft, Soziologie und Germanistik. Nach dem Studienabbruch arbeitete er von 1967 bis 1970 als Redakteur für die Zeitschrift "Theater heute". Von 1971 bis 1975 war er als Dramaturg an der Schaubühne am Halleschen Ufer in Berlin beschäftigt; zugleich übersetzte er Stücke wie zum Beispiel "Das Sparschwein" von Eugène Labiches. Strauß schrieb das Drehbuch zu Maxim Gorkis Stück "Sommergäste", das 1975 von Peter Stein verfilmt wurde. Später entschloss er sich für ein Leben als freier Schriftsteller in Berlin. Botho Strauß wurde ein mehrfach ausgezeichneter Schriftsteller und Theaterautor. So erhielt er 1989 nicht nur den Georg-Büchner-Preis, sondern zusammen mit Franz Xaver Kroetz und Thomas Bernhard 1974 den Dramatikerpreis der Stadt Hannover für das Werk "Bekannte Gesichter, gemischte Gefühle".

In der Sparte Literatur konnte er 1980 den Deutschen Schallplattenpreis entgegennehmen. 1982 wurde er mit dem Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste geehrt und dem Mühlheimer Dramatikerpreis für die Komödie "Kalldewey, Farce" (1981). 1987 wurde er mit dem Jean-Paul-Preis ausgezeichnet und 1993 mit dem Berliner Theaterpreis. Strauß ist Mitglied im PEN-Zentrum der Bundesrepublik Deutschland. Botho Strauß gab sein Debüt als Dramatiker mit dem Stück "Die Hypochonder" (uraufgeführt 1972) ab. Darin thematisiert er Probleme der Entfremdung, die Unfähigkeit zur Kommunikation und soziale Beziehungslosigkeit, die auch in weiteren Stücken wie "Trilogie der Wiedersehens" (1976), "Groß und klein. Szenen" (1978), "Die Ähnlichen" (uraufgeführt 1998) oder "Der Kuß des Vergessnes" (uraufgeführt 1998) beherrschend bleiben.

Um die zentrale Thematik zu unterstreichen, legt Botho Strauß vielfach mythologische Grundmuster an so zum Beispiel die Nymphe Syrinx aus Ovids Erzählungen, die Geister aus Shakespeares Mitternachtstraum oder auch Figuren aus der Zauberflöte. Die Mythologisierungen seiner Stücke fungieren als Gegenbild zur modernen Welt ohne Mythos, die er zurückführt bis auf den Bewusstseinszustand. In dem Schauspiel "Kalldewey, Farce" zieht er Verbindungen über aktuelle gesellschaftliche Deformationen bis zur Verführbarkeit der Deutschen im Nationalsozialismus und zur Beherrschung der Natur. Das Drama "Schlußchor" (uraufgeführt 1991) befasst sich kritisch mit der Wiedervereinigung und der nationalen Identität. Kritische Töne schlägt Botho Strauß auch in seinen Romanwerken an. Gegenstand sind unter anderem die Medienwelt oder die Massenkultur.

Den Dichter erkennt Botho Strauß in dieser modernen Welt als Ordnungsstifter. In dem Erzählwerk "Der junge Mann" (1984) begibt sich Strauß auf die Traditionslinie von Johann Wolfgang von Goethe Bildungsroman "Wilhelm Meisters Lehrjahre". Mit dem Titel "Die Fehler der Kopisten" (1997) verbindet Botho Strauß seine polemische Kritik an der modernen Zivilisation und ihrer Entwicklung. In seinen Essays setzt der Schriftsteller seine Streitbarkeit fort und übt sich in kulturkritischen Betrachtungen. Erhebliche Reaktionen hat sein 1993 im "Spiegel"-Magazin veröffentlichter Essay "Anschwellender Bocksgesang" hervorgerufen. Darin beklagt er die materielle Sinnentleerung in der Gesellschaft. Zur Überwindung schlägt er eine neue intellektuelle Führung vor.

Diskussionen riefen auch seine übrigen Prosastücke hervor, in denen der Vorwurf der irrationalen und antiaufklärerischen, konservativen Haltung laut wurde. Das Ästhetikbewusstsein von Strauß wurde durch die Frankfurter Schule geprägt, insbesondere von den Vorstellungen von Theodor W. Adorno. Völlig unerwartet wendet er sich ab von konventionellen Wahrnehmungsformen. Das bürgerliche Glück wird einer Verzerrung preisgegeben. Weitere Einflüsse, die sich offenkundig in den Dramen "Die Hypochonder" (1972), "Bekannte Gesichter, gemischte Gefühle" (1975) und "Kalldewey, Farce" (1981) zeigen, kommen von den Schriften Maurice Blanchots und Gaston Bachelards.

Zu den weiteren Werken von Botho Strauß zählen unter anderem "Marlenes Schwester. Zwei Erzählungen" (1975), "Rumor" (1980), "Paare, Passanten" (1981), "Der Park" (1983), "Die Fremdenführerin" (1986), "Fragmente der Undeutlichkeit" (1989), "Angelas Kleider. Nachtstück in zwei Teile" (1991), "Der Aufstand gegen die sekundäre Welt. Bemerkung zu einer Ästhetik der Anwesenheit" (1999) oder "Das Partikular" (2000). 2007 erscheint seine erste Novelle: "Die Unbeholfenen". Im selben Jahr wurde er mit dem Schiller-Gedächtnispreis ausgezeichnet.
1972
Die Hypochonder

1974
Bekannte Gesichter, gemischte Gefühle

1975
Marlenes Schwester

1976
Trilogie des Wiedersehens

1977
Die Widmung

1978
Groß und Klein

1980
Rumor

1981
Kalldewey, Farce

1981
Paare, Passanten

1983
Der Park

1984
Der junge Mann

1985
Diese Erinnerung an einen, der nur einen Tag zu Gast war

1986
Die Fremdenführerin

1987
Das Sparschwein

1987
Niemand anderes

1987
Molières Misanthrop (Übersetzung und Nachdichtung des Molièrestücks)

1987
Versuch, ästhetische und politische Ereignisse zusammenzudenken

1988
Besucher

1988
Sieben Türen

1989
Kongress. Die Kette der Demütigungen

1989
Über Liebe

1989
Die Zeit und das Zimmer

1991
Schlusschor

1991
Angelas Kleider

1992
Beginnlosigkeit

1993
Das Gleichgewicht


1994
Wohnen, Dämmern, Lügen

1996
Ithaka

1997
Die Fehler des Kopisten

1998
Der Kuss des Vergessens

1998
Die Ähnlichen

1999
Der Gebärdensammler

2000
Das Partikular

2001
Der Narr und seine Frau heute abend in Pancomedia

2003
Die Nacht mit Alice, als Julia ums Haus schlich

2004
Der Untenstehende auf Zehenspitzen

2005
Schändung

2005
Die eine und die andere

2005
Nach der Liebe beginnt ihre Geschichte

2006
Mikado

2006
Botho Strauß / Neo Rauch: Der Mittler, 5 Kalendergeschichten mit 8 Kreidezeichnungen

2007
Die Unbeholfenen. Bewusstseinsnovelle
1977
Förderpreis zum Schiller-Gedächtnispreis


1981
Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste


1982
Mülheimer Dramatikerpreis


1987
Jean-Paul-Preis


1989
Georg-Büchner-Preis


1993
Theaterpreis Berlin


2001
Lessing-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg

2007
Schiller-Gedächtnispreis

NameBotho Strauß

Geboren am02.12.1944

SternzeichenSchütze 23.11 - 21.12

GeburtsortNaumburg a.d. Saale (D).