Biografie

Alfred Herrhausen

Der promovierte Betriebswirtschaftler vollzog innerhalb der deutschen Industrie-, Energie- und Bankwirtschaft eine fulminante Karriere, die ihn 1988 zum alleinigen Vorstandssprecher des Vorstandes der Deutschen Bank AG aufsteigen ließ. Alfred Herrhausen engagierte sich in beispielhafter Weise für die gesellschaftliche Verantwortung der Wirtschaft und galt durch seine intellektuelle, rednerische und unternehmerische Brillanz als Ausnahmeerscheinung unter den deutschen Spitzenmanagern. 1952 zum Direktionsassistent der Ruhrgas AG berufen, wechselte er 1955 zur VEW, für die er 1966 maßgeblich an deren Teilprivatisierung beteiligt war. Als Berater der Bundesregierung avancierte Alfred Herrhausen als innovativer Denker zu einer der einflussreichsten deutschen Wirtschaftspersönlichkeiten. Ab 1971 ordentliches Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bank und ab 1985 Sprecher des Vorstandes, rückte er auch in den Fokus des linksextremen Terrors der RAF, dessen Opfer Herrhausen 1989 wurde...
Alfred Herrhausen wurde am 30. Januar 1930 in Essen als Sohn des Vermessungsingenieurs Karl Herrhausen und dessen Frau Hella geboren.

Aufgewachsen ist er gemeinsam mit seiner Zwillingsschwester Anne in bürgerlichen Verhältnissen. Er besuchte in seiner Kindheit das Carl-Humann-Gymnasium in Essen-Steele und später die NS-Ausleseschule "Reichsschule Feldafing der NSDAP". Nach Abschluss der Schule mit Abitur studierte Herrhausen Betriebswirtschaft in Köln. 1952 erfolgte sein Abschluss als Diplom-Kaufmann. Im Anschluss promovierte er im Jahr 1954 zum Dr. rer. pol. Bereits ab 1952 arbeitete er als Direktionsassistent in der Hauptverwaltung der Ruhrgas AG in Essen. Herrhausen heiratete 1953 Ulla Sattler, Tochter des Generaldirektors der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen AG (VEW0), Paul Sattler. 1955 wechselte Herrhausen zu den Vereinigten Elektrizitätswerken Westfalen AG nach Dortmund. 1959 wurde die gemeinsame Tochter Bettina geboren. Herrhausen war ab 1966 für die VEW-Teilprivatisierung zuständig und 1967 erfolgte seine Berufung zum Finanzvorstand der VEW.

Ab 1968 lebte Herrhausen für ein Jahr in New York. Er arbeitete bei der Empire Trust Company, einer Nord-Amerikanischen Handelsbank, bei der er seine Erfahrungen im internationalen Finanzwesen ausweitete. 1969 wechselte er, auf Wunsch des Vorstandssprechers Dr. Wilhelm Christians, mit 38 Jahren als Stellvertreter des Vorstandes zur Deutschen Bank AG nach Frankfurt am Main. Bereits 1971 wurde er zum ordentlichen Mitglied des Vorstandes der Bank ernannt. Er zeichnete für das internationale Geschäft (Nord- und Südamerika, Australien, Neuseeland, Südafrika) und die Außenhandelsfinanzierung der Bank sowie für volkswirtschaftliche Fragen verantwortlich. Weiter betreute er den Filialbereich Essen. 1974 wurde er vom Bundesfinanzminister in die Studienkommission "Grundsatzfragen der Kreditwirtschaft" (Bankenstrukturkommission) berufen, deren Auftrag es war, die Struktur der deutschen Kreditwirtschaft zu prüfen und Vorschläge zur Verbesserung des Kreditwesens zu erarbeiten. Ab 1977 war er im Auftrag von Bundeskanzler Helmut Schmidt an der Neuordnung der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie beteiligt.

Darüber hinaus engagierte sich Herrhausen für die Erhaltung der Eisenhütten im Ruhrgebiet. Er war weiter Direktoriumsmitglied der ersten deutschen Privatuniversität in Witten-Herdecke und Mitglied des "Initiativkreises Ruhrgebiet". 1977 heiratete er in zweiter Ehe die in Österreich geborene Ärztin Waltraud (Traudl) Baumgartner. Aus dieser Beziehung wurde 1978 die gemeinsame Tochter Anna geboren. 1983 veröffentlichte er das Sachbuch "Wettbewerb und Regulierung in der Kreditwirtschaft". Ab 1985 war Herrhausen Sprecher des Vorstandes der Deutschen Bank AG in Frankfurt am Main. Ein Amt, das er zusammen mit Dr. Wilhelm Christians bis zu dessen Pensionierung 1988 ausübte. Am 11. Mai 1988 erfolgte die Ernennung Herrhausens zum alleinigen Vorstandssprecher des Vorstandes der Deutschen Bank AG. Dieses Amt hatte vor ihm nur Hermann Josef Abs inne gehabt. Herrhausen begann mit der strategischen Neuausrichtung der Deutschen Bank. Nach zahlreichen internen Umstellungen begann er als einer der ersten Manager seiner Position durch den Zukauf weiterer Unternehmen Synergieeffekte zu nutzen.

Zudem war Herrhausen Berater und Freund von Bundeskanzler Helmut Kohl. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Mercedes-Benz AG setzte er, gemeinsam mit Vorstandschef Edzard Reuter, gegen viele Widerstände den Umbau der Daimler-Benz AG zum "integrierten Technologie-Konzern" durch. 1988 machte Herrhausen Schlagzeilen, als er für die Länder der Dritten Welt den internationalen Teilschulden-Erlass anregte. 1987 erschien sein Sachbuch "Konzepte für die Zukunft: Wirtschafts- und ordnungspolitische Alternativen". Er bemühte sich in zahlreichen Vorträgen und Interviews um ein besseres Image der Banken. Er betonte die Verantwortung der Banken und ihrer Manager. In letzter großer Handlung kaufte Herrhausen für die Deutsche Bank am 27. November 1989 für 2,7 Mrd. DM die Investmentbank Morgan Grenfell, London; die größte Investition seit 1945.

Alfred Herrhausen starb am 30. November 1989 in Bad Homburg v.d.H. Er wurde offiziell Opfer eines Terroranschlags der so genannten 3. Generation der "Roten Armee Fraktion" (RAF). Am folgenden Tag zogen rund 10.000 Menschen in einem Schweigemarsch durch das Frankfurter Bankenviertel. Bis heute gibt es keinerlei Aufklärung über den Anschlag; alle Verdächtigten wurden frei gesprochen.

NameAlfred Herrhausen

Geboren am30.01.1930

SternzeichenWassermann 21.01 - 19.02

GeburtsortEssen (D).

Verstorben am30.11.1989

TodesortBad Homburg (D).