Biografie

Wilhelm Grimm

Der deutsche Sprach- und Literaturwissenschaftler sowie Märchen- und Sagensammler formulierte sein Hauptwerk in dem Buch über "Die Deutsche Heldensage" (1829), das zum wissenschaftlichen Standardwerk wurde. Auch sein Name, wie derjenige seines Bruders Jacob Grimm, ist verbunden und berühmt geworden durch die große Sammlung von "Kinder- und Hausmärchen". Seine besondere Leistung an dieser Arbeit ist seine Bearbeitung, durch die die Märchen einen einheitlichen Stil bekamen. Sowohl das literarische Schaffen als auch die Forschertätigkeit standen für Wilhelm Grimm wie auch für seinen Bruder Jacob in der Bedeutung, eine deutsche Einheit und gemeinsame Identifikation mit Deutschland zu schaffen in der Zeit französischer Besetzung und der Kleinstaaterei des Deutschen Bundes...
Wilhelm Grimm wurde als zweitältestes von insgesamt vier Kindern am 24. Februar 1786 in Hanau geboren.

Seine Eltern sind der Jurist Philipp Wilhelm und dessen Frau Dorothea Grimm. Wilhelm ist der jüngere Bruder der berühmten Brüder Grimm. Wie sein Bruder Jacob schickte ihn seine Mutter aufgrund ihrer schlechten wirtschaftlichen Lage zu einer Tante nach Kassel, wo sie gemeinsam 1798 die Schule besuchten. Ein Jahr später als sein älterer Bruder begann er 1803 das Studium der Rechtswissenschaft in Marburg, das er 1806 mit dem juristischen Examen beendete. In dieser Zeit begannen beide zusammen mit dem Sammeln von Märchen und Sagen. 1809 arbeitete er in Halle, Berlin und Weimar. In Kassel betätigte er sich als Privatgelehrter.

Wilhelm Grimm übersetzte 1811 altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen. 1812 wurde der erste Band der gemeinschaftlichen Arbeit "Kinder- und Hausmärchen" herausgegeben. Dabei beschränkte sich die Arbeit der Brüder nicht nur auf das Sammeln. Gerade Wilhelm Grimm ist es zu verdanken, dass die Märchen und Sagen aufgrund seiner Bearbeitung einen einheitlichen Ton erhielten. Der zweite Teil wurde, auch als Gemeinschaftsarbeit, im Jahr 1815 fertig gestellt. Ab der zweiten Auflage, die Wilhelm Grimm alleine betreute, erschien das epochale Werk mit deutlichen Veränderungen. 1814 wurde er Bibliothekssekretär an der Kurfürstlichen Bibliothek in Kassel, sein Bruder erhielt zwei Jahre später eine Anstellung dort.

Im Jahr 1815 unternahm Wilhelm Grimm eine Reise an den Rhein. Das Jahr darauf erschien der erste Teil der Gemeinschaftsarbeit "Deutsche Sagen", der zweite Teil folgte 1818. Diese Bücher erreichten aber nie die Popularität der Sammlung von "Kinder-und Hausmärchen". Zusammen mit seinem Bruder erhielten sie die Ehrendoktorwürde der Universität Marburg. 1825 ging der jüngere Bruder Wilhelm eine Ehe ein mit Henriette Dorothea Wild und drei Jahre später wurde der Sohn Hermann geboren. Das Jahr darauf erschien "Die Deutsche Heldensage". Beide Brüder kündigten den Bibliothekarsdienst in Hessen auf und gingen nach Göttingen. Während Jacob Grimm dort 1830 Professor und Bibliothekar an der Georgia-Augustina-Universität wurde, betätigte sich Wilhelm Grimm zunächst als Bibliothekar dort.

Sein Sohn Rudolf wurde geboren. Ein Jahr später wurde Wilhelm Grimm zum außerordentlichen Professor ernannt. Das Jahr darauf, 1833, wurde seine Tochter Auguste geboren. 1835 wurde Jacob Grimm ordentlicher Professor an der Göttinger Universität. Zwei Jahre darauf, 1837, beteiligte er sich wie sein Bruder Jacob an dem Protest gegen die eigenmächtige und unrechtmäßige Verfassungsaufhebung durch König Ernst August II. von Hannover. Beide erhielten kurz darauf ihre Entlassungen aus dem Universitätsdienst. Mit ihnen stemmten sich fünf weitere Professoren gegen das Handeln des Landesherren. Die Protestaktion wurde in ganz Deutschland bekannt unter der Bezeichnung "Die Göttinger Sieben". Die zwei Brüder gingen daraufhin 1838 zurück in das hessische Kassel. Dort entstand auch der gemeinsame Plan zum "Deutschen Wörterbuch", ihrer umfassendsten Arbeit.

Ab 1841 lehrten beide an der Berliner Universität. 1852 gab Wilhelm Grimm seine Lehrtätigkeit dort auf. Vier Jahre zuvor quittierte sein älterer Bruder Jacob den Universitätsdienst. Beide wollten sich ausschließlich ihren Forschungsarbeiten widmen. 1854 erschien dann der erste Teil des gemeinsamen "Deutschen Wörterbuches", der zweite und dritte Teil war 1860 beziehungsweise 1862 fertig. Durch Wilhelm Grimms Mitarbeit am "Deutschen Wörterbuch" trug er maßgeblich zu einer Vereinheitlichung der deutschen Sprache bei. Zu den weiteren Werken von Wilhelm Grimm zählen "Grave Rudolf" (1828), "Vrîdankes Bescheidenheit" (1834), und "Roulandes liest" (1838).

Sowohl das literarische Schaffen als auch die Forschertätigkeit standen für Wilhelm Grimm wie auch für seinen Bruder Jacob in der Bedeutung, eine deutsche Einheit und gemeinsame Identifikation mit Deutschland zu schaffen in der Zeit französischer Besetzung und der Kleinstaaterei des Deutschen Bundes. Hierin sowie in der Erforschung der Tradition der deutschen Poesie und Sprache waren sie sich einig mit Achim von Arnim und Clemens Brentano als Anliegen der Spätromantik. In diesem Sinne betrachteten die Brüder Grimm ihre wissenschaftliche und Sammlertätigkeit als politische Arbeit.

Wilhelm und Jacob Grimm betrieben ihre Wissenschaft und Forschungen aber nicht unter dem Gesichtspunkt nationalistischer Gesinnung, sondern stets vor dem Hintergrund eines guten gegenseitigen Verhältnisses gegenüber anderen Völkern.

Wilhelm Grimm starb am 16. Dezember 1859 in Berlin.

NameWilhelm Grimm

Geboren am24.02.1786

SternzeichenFische 20.02 - 20.03

GeburtsortHanau (D).

Verstorben am16.12.1859

TodesortBerlin (D).