Biografie

Wilhelm Dilthey

Der Philosoph und Kulturhistoriker ist der Begründer der Erkenntnistheorie der Geisteswissenschaften und einer der Hauptvertreter der hermeneutischen Wissenschaften. In seinen Werken befasst sich Wilhelm Dilthey mit Fragen der Erkenntnistheorie, Philosophie, Psychologie, Pädagogik, Kunst und Literatur. Die thematische Vielfältigkeit versuchte er zu verbinden durch eine gemeinsame Erkenntnismethode und -theorie dieser geisteswissenschaftlichen Fachgebiete. Dilthey verstand seine Hermeneutik als ein Nachvollziehen des originären Ausdrucks beziehungsweise Schaffensprozesses. Dilthey erfasst den Menschen als seelische Ganzheit und dessen Strukturen. Er forderte eine beschreibende "verstehende" Psychologie. Darüber hinaus verfasste Wilhelm Dilthey außergewöhnliche biografische Untersuchungen...
Wilhelm Dilthey wurde als Sohn eines calvinistischen Theologen am 19. November 1833 in Bieberich bei Wiesbaden geboren.

Dilthey besuchte das Gymnasium in Wiesbaden und absolvierte das Abitur. Ab dem Jahr 1852 studierte er an den Universitäten Heidelberg und Berlin Theologie, Philosophie und Geschichte. Er war ein Schüler der beiden Philosophen Kuno Fischer und Friedrich Adolf Trendelenburg. 1856 beendete er sowohl sein Theologie- als auch sein Philologiestudium in Wiesbaden beziehungsweise in Berlin. Danach trat er für zwei Jahre eine Stelle als Lehrer am Joachimsthaler Gymnasium in Berlin an. Im Anschluss lebte er als hauptberuflicher Schriftsteller. Wilhelm Dilthey promovierte im Jahr 1864 und darauf habilitierte er sich.

Im Jahr 1866 kam er einem Ruf als ordentlicher Professor an die Universität in Basel nach. Zwei Jahre später verließ er die Schweiz und siedelte nach Kiel über. Dort war er ebenfalls als Professor tätig. 1871 zog er nach Breslau und lehrte dort. 1882 ließ er sich in Berlin nieder und dozierte an der dortigen Universität bis zum Jahr 1905. In seinem Werk bemühte sich Wilhelm Dilthey um erkenntnistheoretische Grundlagen für die Geisteswissenschaften. Sein Ziel war das vernunftübergreifende Verständnis geisteswissenschaftlicher Fächer wie Pädagogik, Philosophie, Kunst oder Literatur, in das Gefühl, Vorstellung und Wille mit eine Rolle spielen.

Dadurch versuchte er ihnen eine ganz eigene Eigenständigkeit zu geben. Damit begab er sich auf einen anderen Kurs als bei den erkenntnistheoretischen Verfahren der Naturwissenschaften, für die kausalen Zusammenhänge im Vordergrund stehen. Die Naturwissenschaften dienen zur Erklärung der physischen Welt. Nach Dilthey sollen die Geisteswissenschaften die menschliche Welt als geistige Erscheinung erfahrbar machen. Dabei entwarf Dilthey ein hermeneutischen Grundmodell aus "Erleben, Ausdruck und erstehen", das er sowohl auf alltägliche Situationen und nonverbale Situationen zwischen Menschen wie auch auf die gesamte Menschenwelt bezog.

Dilthey verstand seine Hermeneutik als ein Nachvollziehen des originären Ausdrucks beziehungsweise Schaffensprozesses. Dilthey erfasst den Menschen als seelische Ganzheit und dessen Strukturen. Zu seiner Erfassung genügten nach ihm nicht die Hypothesen der konstruktiven, erklärenden Psychologie. Er forderte eine beschreibenden "verstehende" Psychologie. Der Pädagoge, Psychologe und Philosoph avancierte zu einer der Hauptgestalten der Lebensphilosophie im zeitgenössischen Deutschland. Sein Ausgangspunkt war dabei die Theologie. Von dort aus gelangte er zum Idealismus und zu der Romantik. Er hat sich in jungen Jahren intensiv mit den Werken und der darin beschriebenen Hermeneutik des Philosophen und Theologen Friedrich Ernst Schleiermacher auseinandergesetzt.

Sein weitere Weg führte ihn zur der gesamten abendländischen Geistesgeschichte. Der Weg zur Erkenntnistheorie der Geisteswissenschaften sollte ihn auf deren Selbstständigkeit gegenüber den naturwissenschaftlichen Fachgebieten führen. Besondere Bedeutung haben seine Studien zur "Geschichte des deutschen Geistes" (1927). Darüber hinaus erstellte Wilhelm Dilthey auch wegweisende Biografiestudien so zum Beispiel zu Georg Wilhelm Friedrich Hegel oder Friedrich Ernst Schleiermacher. Zu seinen wichtigen Schriften zählen weiterhin "Einleitung in die Geisteswissenschaften" (1883), "Ideen über eine beschreibende und zergliedernde Psychologie" (1894), "Die Entstehung der Hermeneutik" (1900) und "Das Erlebnis und die Dichtung" (1906) oder "Der Aufbau der geschichtlichen Welt" (1910).

Wilhelm Dilthey starb am 1. Oktober 1911 in Seis bei Bozen.

NameWilhelm Dilthey

Geboren am19.11.1833

SternzeichenSkorpion 24.10 - 22.11

GeburtsortBieberich (D).

Verstorben am01.10.1911

TodesortSeis / Bozen (Südtirol)