Biografie

Walther Rathenau

Der deutsche Industrielle, Schriftsteller und Außenminister fiel 1922 einem rechtsradikalen Anschlag in Berlin zum Opfer. Nach Jahren des Kriegstaumels und Hasses zeugte Walther Rathenaus außenpolitisches Engagement vom demokratischen Potential und Versöhnungswillen der jungen Weimarer Republik. Sein tragisches Ende verwies auf die zukünftigen Auswüchse von Rechtsradikalismus und Antisemitismus nicht nur in der ersten deutschen Republik...
Walther Rathenau wurde am 29. September 1867 als Sohn des späteren AEG-Gründers Emil Rathenau und Mathilde Nachmann in Berlin geboren.

Er wuchs in großbürgerlichen Verhältnissen in Berlin auf, wo er 1884 das Abitur bestand. 1886 nahm er dort ein Studium der Philosophie, Physik und Chemie auf, das er an der Universität Straßburg im damals annektierten Elsass fortsetzte und 1889 mit der Promotion in Elektrotechnik abschloss. Alle Versuche Walther Rathenaus, sich der beruflichen Nachfolge seines Vaters in der inzwischen entstandenen "Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft" (AEG) zu verweigern, scheiterten zunächst.

Nachdem Walther Rathenau von 1893 bis 1898 den Aufbau der Elektrochemischen Werke in Bitterfeld und Rheinfelden, einer Zweigfirma der AEG, betreut hatte, trat er um die Jahrhundertwende in die leitenden Gremien der AEG ein. 1912 wurde er Mitglied ihres Aufsichtsrates, 1915 Aufsichtsratsvorsitzender. Zugleich hatte Walther Rathenau jedoch seine politisch-philosophischen Neigungen nie aufgegeben. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit in der AEG tat er sich daher durch erste Veröffentlichungen als Anhänger der bürgerlich-liberalen Opposition gegen den Wilhelminismus hervor.

Im Jahr 1915 übernahm beim Tod des Vaters Felix Deutsch die AEG-Leitung, während Walther Rathenau sich mit Sondervollmachten und dem formalen Präsidententitel begnügte. Im Zuge des Ersten Weltkrieges konkretisierten sich die politischen Ambitionen Walther Rathenaus, der nun im preußischen Kriegsministerium die Verteilung und Bereitstellung der Rohstoffe für die Rüstungsproduktion organisierte. Nach der Kriegsniederlage und Novemberrevolution von 1918 bemühte sich Rathenau um die Bildung einer bürgerlichen Sammelpartei.

Er nahm dann als Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) zunächst als Wirtschaftssachverständiger aktiven Anteil an der Ausgestaltung der ersten deutschen Demokratie. Im Mai 1921 trat er als Wiederaufbauminister in die Regierung ein. Noch im selben Jahr engagierte er sich gegenüber Frankreich und Großbritannien erstmals als außenpolitischer Vertreter der Weimarer Republik. Im Januar 1922 konnte er auf der Alliiertenkonferenz von Cannes eine Herabsetzung der deutschen Reparationsleistungen durchsetzen. Am 31. Januar 1922 wurde Walther Rathenau zum Außenminister ernannt.

Während er auf der darauffolgenden Weltwirtschaftskonferenz von Genua noch keinen Erfolg in der Reparationsfrage erzielen konnte, gelang ihm im April der deutsch-sowjetische Vertragsschluss von Rapallo, der die außenpolitische Handlungsfreiheit Deutschlands stärkte. Mit wachsendem Ansehen im Ausland vertrat er gegenüber den Siegermächten von 1918 die Interessen der jungen deutschen Republik. Die rechtsradikalen Gegner der Weimarer Republik sahen sich durch den außenpolitischen Verständigungskurs des Außenministers und seine jüdische Herkunft zu einem Attentat provoziert.

Diesem fiel Walther Rathenau am 24. Juni 1922 auf offener Straße in Berlin-Grunewald zum Opfer. Die Täter waren 2 Offiziere der rechtsradikalen Organisation Consul. In seinen Schriften warnte Rathenau vor einer Mechanisierung und vor materialistischem Denken. Er vertrat die Idee einer Gesellschaft jenseits von Kapitalismus und Sozialismus, die den Arbeiterstand aus der "Erbknechtschaft" befreien sollte.
1908 - Reflexionen

1912 - Zur Kritik der Zeit

1913 - Zur Mechanik des Geistes

1917 - Vom Aktienwesen. Eine geschäftliche Betrachtung

1917 - Von kommenden Dingen

1918 - An Deutschlands Jugend

1919 - Die neue Gesellschaft

1919 - Der neue Staat

1919 - Der Kaiser

1919 - Kritik der dreifachen Revolution

1924 - Gesammelte Reden

1926 - Briefe, 2 Bände

1927 - Neue Briefe

1929 - Politische Briefe

NameWalther Rathenau

Geboren am29.09.1867

SternzeichenWaage 24.09 - 23.10

GeburtsortBerlin (D).

Verstorben am24.06.1922

TodesortBerlin (D).