Biografie

Walter Kempowski

Der deutsche Schriftsteller wurde vor allem durch seine teilweise verfilmte und mehrbändige "Chronik des deutschen Bürgertums" (u.a. "Tadellöser und Wolff") ab 1971 einem breiten Publikum bekannt. Seinen Durchbruch markierte 1972 das stark autobiografisch geprägte Buch "Uns geht’s ja noch gold". Mittels eigener Erlebnisse und mit Hilfe von Zeitungsdokumenten, rekonstruierte Walter Kempowski in aphoristischer Manier und präziser Beobachtungsfähigkeit das Leben einer bürgerlichen Familie während der Zeit Hitler-Deutschlands und der folgenden Nachkriegsjahre. Kempowski, der 2003 als Honorarprofessor für Neuere Literatur- und Kulturgeschichte an die Universität Rostock berufen wurde, gilt als einer der bedeutendsten deutschen Autoren seiner Zeit...
Walter Kempowski wurde am 29. April 1929 als Sohn des Reeders und Schiffsmaklers Karl Georg Kempowski und der Kaufmannstochter Margarethe Kempowski, geb. Collasius, in Rostock geboren.

Kempowski besuchte ab 1935 eine Knabenschule, von wo er im Jahr 1939 auf das Realgymnasium wechselte. Er wurde Mitglied der Hitlerjugend und zum Ende des Zweiten Weltkrieges als Fünfzehnjähriger als Luftwaffenkurier der Wehrmacht eingezogen. Sein Vater fiel in den letzten Kriegstagen, am 26. April 1945. 1946 nahm er bei einer Rostocker Druckerei eine Kaufmannslehre an. Da deren Fortsetzung beim Rowohlt Verlag in Hamburg, wo Kempowski ab 1947 lebte, aufgrund einer fehlenden Arbeitserlaubnis nicht möglich war, nahm er eine Anstellung als Verkäufer in einem PX-Store der US-Armee in Wiesbaden an. Am 8. März 1948 wurde Walter Kempowski, der sich auch für die liberale LDP engagierte, vom sowjetischen NKWD in Rostock verhaftet.

Sein Bruder Robert Kempowski, der die väterliche Reederei weiter betrieb, hatte Frachtpapiere aus dem Kontor gesammelt, um beweisen zu können, dass die sowjetische Besatzungsmacht größere Mengen an Demontagegütern aus Deutschland abtransportieren ließ, als mit den Westalliierten vereinbart war. Walter Kempowski sollte diese Dokumente den US-Behörden übergeben. Aufgrund dessen verurteilte ein sowjetisches Militärtribunal beide Brüder wegen Spionage zu 25 Jahren Gefängnis. Auch ihre Mutter wurde zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Kempowski musste seine Haft im sowjetischen Speziallager Nr. 4 im früheren Zuchthaus Bautzen verbüßen. In Bautzen wurde er ab 1953 in mehrwöchige Einzelhaft wegen des Vorwurfs der Gründung einer christlichen Untergrundbewegung eingesperrt.

Diese Erlebnisse verarbeitete er literarisch in seinem 1969 erschienenen Erstlingswerk "Im Block. Ein Haftbericht", von dem er nach eigener Aussage keine 1.000 Exemplare verkaufte. Kempowski wurde am 8. März 1956 vorzeitig amnestiert. Er zog zunächst nach Hamburg zu seiner Mutter, die bereits 1954 entlassen worden war. Dort begann er mit regelmäßigen Tagebuchaufzeichnungen. 1956 nahm er in Göttingen das Studium der Pädagogik auf. Noch in Göttingen heiratete er die friesische Pfarrerstochter Hildegard Janssen, die Lehrerin wurde. Ab 1960 war er als Lehrer bei Zeven und ab 1965 in Nartum, Landkreis Rotenburg (Wümme) sowie von 1975 bis 1979 in Zeven bei Bremen tätig. 1961 wurde sein Sohn Karl-Friedrich, 1962 seine Tochter Renate geboren.

Einem breiten Publikum wurde er mit der teilweise verfilmten mehrbändigen "Chronik des deutschen Bürgertums" (u.a. "Tadellöser und Wolff") ab 1971 bekannt. Ebenso im Jahr 1971 wurde er mit dem Förderpreis des Lessingpreises der Stadt Hamburg ausgezeichnet. Seinen Durchbruch markierte 1972 das stark autobiografisch geprägte Buch "Uns geht’s ja noch gold". Mittels eigener Erlebnisse und mit Hilfe von Zeitungsdokumenten, rekonstruierte er in aphoristischer Manier und präziser Beobachtungsfähigkeit das Leben einer bürgerlichen Familie während der Zeit Hitler-Deutschlands und den folgenden Nachkriegsjahren. Ausgezeichnet wurde er 1972 mit dem Wilhelm-Raabe-Preis der Stadt Braunschweig sowie dem Förderpreis des Andreas-Gryphius-Preises. 1975 veröffentliche Kempowski den Titel "Ein Kapitel für sich".

Ab 1977 war er Gastdozent an der Universität Essen. Von 1980 bis 1991 übernahm er eine Anstellung als Lehrbeauftragter für Fragen der Literatur-Produktion an der Universität Oldenburg. Darauf erfolgte die Gründung des Archivs für unpublizierte Autobiographien. Im selben Jahr erhielt er den Jakob-Kaiser-Preis. 1983 wurde er Gastdozent an der Universität Hamburg. 1986 begann seine Herausgebertätigkeit des Archivs für unpublizierte Autobiographien. 1990 veröffentliche Kempowski "Sirius. Eine Art Tagebuch". 1994 gründete er ein Werk-Archiv in Rostock. Im selben Jahr erhielt er den Konrad-Adenauer-Preis. 1996 wurde er mit dem Großen Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik ausgezeichnet. 1997 erfolgte die Erweiterung des Rostocker Archivs zu einer Sammlung Rostocker Schriftsteller.

Ab 2003 übernahm Kempowski eine Honorarprofessur für Neuere Literatur- und Kulturgeschichte an der Universität Rostock. Im Laufe der Jahre nahm er noch weitere unterschiedliche Dozententätigkeiten an Universitäten in Deutschland und den USA wahr. 2005 übergab er sein Archiv mit eigenen literarischen Entwürfen und Notizen, mit Dokumenten und Materialien zu mehreren tausend Lebensläufen aus zwei Jahrhunderten und mit unzähligen privaten Fotografien an die Berliner Akademie der Künste. Im Oktober 2006 wurde bei Kempowski Darmkrebs diagnostiziert. Kurz darauf wurden ihm der Hoffmann-von-Fallersleben-Preis für zeitkritische Literatur sowie die Auszeichnung für Zivilcourage des Heinrich-Heine-Freundeskreises Düsseldorf zuteil.

Walter Kempowski starb am 5. Oktober 2007 in Rotenburg, Wümme.
1978 - Deutsche Chronik I. Aus großer Zeit
1981 - Deutsche Chronik II. Schöne Aussicht
1973 - Deutsche Chronik III. Haben Sie Hitler gesehen?
1971 - Deutsche Chronik IV. Tadellöser & Wolff
1972 - Deutsche Chronik V. Uns geht's ja noch gold
1979 - Deutsche Chronik VI. Haben Sie davon gewußt?
1975 - Deutsche Chronik VII. Ein Kapitel für sich.
1974 - Deutsche Chronik VIII. Schule (Immer so durchgemogelt ...)
1984 - Deutsche Chronik IX. Herzlich willkommen.

1969 - Im Block. Ein Haftbericht
1971 - Träumereien am elektrischen Kamin. (Hörspiel)
1972 - Ausgeschlossen (Hörspiel)
1973 - Haben Sie Hitler gesehen? (Hörspiel)
1973 - Der Hahn im Nacken. Mini-Geschichten.
1974 - Walter Kempowskis Harzreise erläutert
1975 - Beethovens Fünfte. (Hörspiel)
1976 - Alle unter einem Hut
1976 - Wer will unter die Soldaten
1979 - Unser Herr Böckelmann
1980 - Moin Vaddr läbt. (Hörspiel)
1980 - Kempowskis einfache Fibel
1982 - Führungen – ein deutsches Denkmal. (Hörspiel)
1983 - Herrn Böckelmanns schönste Tafelgeschichten
1984 - Alles umsonst. (Hörspiel)
1988 - Hundstage
1989 - Ein Knie geht einsam durch die Welt. (Herausgeber)
1990 - Sirius. Eine Art Tagebuch
1990 - In Rostock
1992 - Mark und Bein. Eine Episode
1994 - Mein Rostock
1994 - Der arme König von Opplawur. Ein Märchen
1995 - Weltschmerz. Kinderszenen fast zu ernst
1995 - Der Krieg geht zu Ende. Chronik für Stimmen. (Hörspiel)
1997 - Bloomsday '97
1998 - Heile Welt
2001 - Der rote Hahn. Dresden 1945
2001 - Alkor. Tagebuch 1989
2003 - Letzte Grüße
2006 - Hamit. Tagebuch 1990
2006 - Alles umsonst

1993 - Das Echolot. Ein kollektives Tagebuch Januar und Februar 1943

1999 - Das Echolot. Fuga furiosa. Ein kollektives Tagebuch Winter 1945

2002 - Das Echolot. Barbarossa '41. Ein kollektives Tagebuch

2005 - Das Echolot. Abgesang '45. Ein kollektives Tagebuch

2005 - Culpa. Notizen zum Echolot
1971
Förderpreis des Lessingpreises der Stadt Hamburg

1972
Wilhelm-Raabe-Preis der Stadt Braunschweig

1972
Förderpreis des Andreas-Gryphius-Preises

1977
Karl-Scuka-Preis

1979
Niedersachsen-Preis für Publizistik

1980
Jakob-Kaiser-Preis

1981
Hörspielpreis der Kriegsblinden

1982
Fritz-Reuter-Plakette der Landsmannschaft Mecklenburg

1983
Johannes-Gillhoff-Preis des Kulturkreises Mecklenburg

1994
Konrad-Adenauer-Preis

1994
Ehrenbürger der Hansestadt Rostock

1995
Uwe-Johnson-Preis

1996
Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes

2000
Heimito-von-Doderer-Preis

2001
Ernennung zum Ehrendonkosaken des Allgroßen Donkosakenheeres

2002
Dedalus-Preis für Neue Literatur des Südwestrundfunks und des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Baden-Württemberg

2002
Verleihung der Ehrenpromotion durch die Philosophische Fakultät der Universität Rostock

2002
Nicolas-Born-Preis des Landes Niedersachsen

2003
Hermann-Sinsheimer-Preis für Literatur und Publizistik der Stadt Freinsheim

2003
Honorarprofessor für Neuere Literatur- und Kulturgeschichte der Universität Rostock

2004
Ehrenmitglied auf Lebenszeit der Hamburger Autorenvereinigung

2004
Großes Verdienstkreuz des niedersächsischen Verdienstordens

2004
Verleihung der Ehrenpromotion durch das Juniata College in Huntingdon/Pennsylvania

2005
Hans-Erich-Nossack-Preis

2005
Thomas-Mann-Preis

2005
Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten beim Internationalen Buchpreis Corine

2006
Hoffmann-von-Fallersleben-Preis für zeitkritische Literatur

2006
Auszeichnung für Zivilcourage des Heinrich-Heine-Freundeskreises Düsseldorf

NameWalter Kempowski

Geboren am29.04.1929

SternzeichenStier 21.04 - 21.05

GeburtsortRostock (D).

Verstorben am05.10.2007

TodesortRotenburg, Wümme (D).