Biografie

Camillo Benso di Cavour

Der italienische Staatsmann war mit Giuseppe Garibaldi (1807-1882) und Giuseppe Mazzini (1805-1872) eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des italienischen Risorgimento, d. h. des nationalen Befreiungskampfes Italiens im 19. Jahrhundert. Camillo Benso di Cavour repräsentierte den gemäßigten Flügel der Nationalbewegung, der in einem föderalistisch oder unitarisch, in jedem Fall aber monarchisch-konstitutionell verfassten unabhängigen Italien eingeschränkte politische Mitbestimmungsrechte (Zensuswahlrecht), die Säkularisation von Besitz und Herrschaftsrechten der Kirche sowie vor allem wirtschaftsliberale Reformen zur Modernisierung des Staats verwirklicht sehen wollte...
Camillo Benso Conte di Cavour wurde am 10. August 1810 in Turin geboren.

Nach einer Ausbildung an der Militärakademie erlitt der Leutnant Camillo Benso di Cavour wegen revolutionärer Äußerungen anlässlich der französischen Juli-Revolution von 1830 eine Strafversetzung, die ihn zum Austritt aus dem Militär bewog. 1835 geriet Cavour durch einen mehrmonatigen Auslandsaufenthalt in Genf, Paris und London in Kontakt zum Ideengut des Liberalismus. Nach seiner Rückkehr nach Piemont übernahm er die Leitung der väterlichen Agrargüter, die er in den 1830er und 1840er Jahren nach wirtschaftsliberalen Ideen und den neuesten technischen Errungenschaften reformierte.

Cavour beteiligte sich am publizistischen Diskurs und Vereinswesen der gemäßigt-liberalen Besitz- und Agrarelite Piemonts, die auf wirtschaftliche und soziale Reformen und eine wirtschaftsliberale Modernisierung setzte, reaktionär-konservative und revolutionäre Positionen aber ablehnte. Durch die Gründung der gemäßigten Zeitung "Il Risorgimento" ("Die Wiedergeburt") begann er 1847 aktiv am politischen Leben mitzuwirken. Die periodische Schrift setzte sich für eine Verfassung ein, die allerdings die politische Mitbestimmung durch ein Zensuswahlrecht auf eine elitäre Minderheit beschränken sollte. In der Revolution von 1848/49 trat Cavour, der nun in das piemontesische Abgeordnetenhaus gewählt wurde, für eine Militärintervention im benachbarten Lombardo-Venetien zur Unterstützung der dortigen Revolutionsbewegung ein.

Ab 1850 hatte er zunächst als Landwirtschafts-, dann auch als Finanzminister und schließlich ab 1852 als Ministerpräsident aktiven Anteil am piemontesischen Reformliberalismus, der sich in den 1850er Jahren in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht im festländischen Teil des Königreichs Sardinien entfaltete und damit die nationale Einigung Italiens unter savoyisch-piemontesischer Führung vorbereitete. In diesem Zusammenhang gelang es Cavour durch die piemontesische Beteiligung am Krimkrieg von 1855, die nationale Frage Italiens auf dem Pariser Friedenskongress des darauffolgenden Jahres erstmals auf internationaler Ebene erörtern zu lassen. Der piemontesische Ministerpräsident trieb die Internationalisierung und Diplomatisierung der italienischen Frage 1858 durch das mit Frankreich geschlossene antiösterreichische Geheimabkommen von Plombières weiter voran.

Der abrupte Ausgang des verabredeten Krieges im französisch-österreichischen Kompromiss von Villafranca zwang Cavour 1859 vorübergehend zum Rücktritt, Napoleon III. entgegen der in Plombières getroffenen Absprache die österreichische Herrschaft über Oberitalien partiell aufrechterhielt. Nachdem Cavour zu Jahresbeginn 1860 erneut an die Spitze der Regierung berufen worden war, führte er in Absprache mit Frankreich die Integration der aufständischen mittelitalienischen Territorien in den künftigen Nationalstaat durch. Anlässlich von Giuseppe Garibaldis "Zug der Tausend" nach Süditalien (Mai-Oktober 1860) ließ Cavour die Marken und Umbrien besetzen, um seinen politischen Handlungsspielraum gegenüber der demokratischen Richtung der Nationalbewegung zurückzugewinnen.

Auf diese Weise gelang es dem piemontesischen Staatsmann, eine eventuelle republikanische Lösung der nationalen Frage zu verhindern und die befreiten Territorien der Halbinsel einem konstitutionellen Königreich unter piemontesisch-savoyischer Krone zuzuführen. Die weiteren Geschicke des am 17. März 1861 proklamierten Königreichs Italien konnte er kaum noch beeinflussen.

Graf Camillo Benso di Cavour starb am 6. Juni 1861 in Turin.

NameCamillo Benso di Cavour

Geboren am10.10.1810

SternzeichenWaage 24.09 - 23.10

GeburtsortTurin (I).

Verstorben am17.03.1861

Todesort--