Biografie

Walter Becker

Der Maler und Grafiker zählt zu den Repräsentanten des deutschen Expressionismus. Er war mit Georges Braque, George Grosz und anderen Künstlern befreundet. Ein großer Teil seines Werkes fiel ab 1937 den Nationalsozialisten als entartete Kunst zum Opfer. So musste er erleben, wie seine Arbeiten, die das Folkwang-Museum in Essen besaß, beschlagnahmt und vernichtet wurden. 1941 berief man Walter Becker zum Direktion der Badischen Kunstakademie in Karlsruhe, ehe ihm das Berufsverbot auferlegt wurde. 1945 wurde er Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. Ab 1951 war er an der Kunstakademie in Karlsruhe erneut als Lehrkraft tätig. 1952 wurde er in Karlsruhe zum Professor berufen, wo er bis 1958 unterrichtete. In seinem Spätwerk entstanden neben Druckgrafischen Arbeiten großformatige Mythologien, Interieurs und Stillleben...
Walter Becker wurde am 1.August 1893 in Essen als Sohn eines Schmiedemeisters geboren.

Becker besuchte das Gymnasium und mit 17 Jahren von 1910 bis 1913 die Kunstgewerbeschule in Essen, wo er sich als Gebrauchsgraphiker ausbilden ließ. Die Kriegsjahre brachten ihm eine wichtige Begegnung aus der Freundschaft wurde: mit dem Bildhauer Karl Albiker, der 15 Jahre älter war als Becker und sich auch über die Grundlagen der Kunst und ihre Voraussetzungen in der Zeit grundlegend äußern konnte. Karl Albiker, 1878 im badischen Ühlingen geboren, hatte von 1898 bis 1899 die Akademie in Karlsruhe besucht, 1900 bei Rodin in Paris gearbeitet und danach das künstlerische Klima von München und Rom in sich aufgenommen. Albiker wohnte in Ettlingen bei Karlsruhe und dorthin zog zum Ende des Krieges dann auch Becker. Die Majolika-Manufaktur gab ihm Aufträge: er fertigte Vasen an, Tabak-Töpfe und ein Schachspiel. Becker besuchte in Karlsruhe die Kunstakademie und konnte auch schon die Aufmerksamkeit eines Verlages auf sich ziehen, der von ihm Werke der Weltliteratur illustrieren ließ: E.T.A. Hoffmann, Hauff, Gogol, Jean Paul, Dostojewski u.a.

Von großer Bedeutung für Becker aber wurde die Zusammenarbeit in der Auseinandersetzung mit dem Werk des Franz von Pocci, den Eugen Roth "Graf", Intendant und Kasperl in einer "Person" genannt hat. Er war ein Zeichner dessen Darstellungsskala von Ludwig Richter über Wilhelm Busch zum Struwwelpeter Hoffmanns führt, der lieber komponierte und Texte dazu verfasste sowie Schauspiele, vor allem für das Puppentheater und für Schattenfiguren schrieb. Begeistert von ihm schufen Becker und Albiker ein Pocci-Theater, in dem sie dessen Werke aufführten. Becker malte die Kulissen und beide modellierten an den grotesken Puppenphysiognomien. Eine Reihe kompletter Bühnenbilder mit Kulissen und Figuren sind in der Kunstsammlung im Schloss Ettlingen aufbewahrt. Von 1919 an übernahm Albiker eine Professur an der Akademie in Dresden und Becker folgte ihm 1922 für ein Jahr als Meisterschüler nach; ihre Freundschaft vertiefte sich hier noch weiter. Zu dieser Zeit lernte Becker auch seine Frau kennen und heiratete 1923 Yvonne, die Tochter des Berliner Malers Leo von König, der vor allem mit seinen Bildnismalereien bei der Gesellschaft großen Erfolg erzielte und damit auch in die Kunstgeschichte einging.

Becker zog mit seiner Frau für mehr als ein Jahrzehnt nach Cassis-sur-Mer in Südfrankreich. Es waren jene Jahre, die für eine ganze Generation deutscher Künstler von entscheidender Bedeutung werden sollten. Sie hatten den Expressionismus ihrer Landsleute gesehen und sich ihm doch nicht ganz anschließen mögen. Von Westen her lockte eine neue Farbkultur, in der sich der Optimismus einer überstandenen Notzeit niederschlug. Was sich in diesen Ansätzen auch in der deutschen Malerei hätte entwickeln können, kann man nur ahnen, wenn man die Weiterentwicklung bei den französischen Kollegen sieht. In Deutschland kam alles anders. Das große Vermächtnis dieser Generation, die ihren Weg nicht fortsetzen durfte. Wegen der Devisenbewirtschaftung wurde Becker 1936 gezwungen, Frankreich zu verlassen und nach Deutschland zurück zu kehren. Hier aber war seine Kunst nicht gefragt, sondern im Gegenteil verdächtig, wie alle Orientierung nach Frankreich hin den Staatsfeind kennzeichnete. In dieser Zeit ließ sich Walter Becker von 1937 bis 1938 in Bühl bei Baden-Baden nieder. Er musste erleben, wie seine Arbeiten, die das Folkwang-Museum in Essen besaß, als entartet beschlagnahmt und von den Nationalsozialisten fast vollkommen vernichtet wurden.

Somit waren seine Werke auch nicht in Zürich auf einer inzwischen berühmt-berüchtigten Versteigerung um Devisen für die Aufrüstung der deutschen Wehrmacht zu beschaffen - heute vielleicht ein Trost über den Verlust. Von 1938 bis 1951 zog Becker mit seiner Frau nach Tutzing am Starnberger See. 1941 berief das Kulturministerium Becker auf Vorschlag der Direktion der Badischen Kunstakademie als Professor nach Karlsruhe. Doch kaum hatte er diesen Posten angetreten, erinnerte man sich seiner Vergangenheit als "Entarteten" und Bewunderer der Franzosen. Die Reichs-Kunstkammer legte ihm ausdrücklich nahe, auf seine Stellung als akademischer Lehrer zu verzichten und zurück zu treten. Dem Künstler blieb keine andere Wahl, als sich unterzuordnen, wollte er nicht Existenz und Familie aufs Spiel setzen. So zog er sich wieder in die innere Emigration nach Tutzing zurück. Nach dem Krieg erinnerte man sich in Karlsruhe abermals an ihn und 1951 wurde er als Lehrer an die Akademie berufen und 1952 ernannte man ihn zum Professor.

Becker lehrte dort bis 1958 neben Erich Heckel. Ein Jahr vor seiner Pensionierung verstarb seine Frau Yvonne in Karlsruhe und 1959 zog er sich wieder nach Tutzing in sein langjähriges zu Hause zurück. Becker wurde nun durch zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland geehrt. 1976 übersiedelte er nach dem nahen Dießen am Amersee.

Walter Becker starb am 24. Oktober 1984 in Tutzing.

NameWalter Becker

Geboren am01.08.1893

SternzeichenLöwe 23.07 - 23.08

GeburtsortEssen (D).

Verstorben am24.10.1984

TodesortTutzing (D).