Biografie

Viktor Juschtschenko

Der gelernte Buchhalter und promovierte Ökonom begleitete in den 1990er Jahren als Wirtschaftsexperte, Nationalbank-Chef und Premierminister maßgeblich den Prozess der Loslösung der Ukraine von der Sowjetunion und die Konsolidierung des Landes zu einem eigenständigen Staatsverband. Nach einem langjährigen, von Korruption und Wahlfälschungen geprägten Regime der Oligarchen trug Viktor Juschtschenko bei der Präsidentschaftswahl 2004 den Sieg davon: Der neue Präsident der Ukraine sollte indes noch lange die Spuren der äußerst undemokratischen und kriminellen Wahlkampfauseinandersetzungen in seinem Gesicht tragen...

Die Europäische Union (EU): Mitgliedsstaaten und Regierungschefs
Viktor Juschtschenko wurde am 23. Februar 1954 in Choruschiwka im russischsprachigen Gebiet von Sumy nahe der russischen Grenze als Sohn eines Lehrerpaars geboren.

Der Vater hatte Auschwitz überlebt und trug die Häftlingsnummer aus dem KZ auf dem Arm. Juschtschenko wuchs in bäuerlichen und ärmlichen Verhältnissen bei seinen Eltern auf. Die Schule schloss er mit dem Abitur ab. Im Anschluss daran studierte Juschtschenko ab 1975 am Finanztechnischen Institut in Ternopil. Hier war er unter anderem in den Abteilungen für Marxismus und Leninismus tätig. Nach seinem Studium wurde er zum Militärdienst einberufen. Seinen Einstand ins Berufsleben fand Juschtschenko als Buchhalter in einem Kolchos in der Oblast Iwano-Frankiwsk. In den Jahren 1976-1985 arbeitete er in einer Niederlassung der Staatsbank in Uljaniwka in seiner Heimatoblast Sumschina.

Hier wurde er zunächst in der Abteilung Ökonomie tätig, die er ab 1977 leitete. In den Jahren 1985 bis 1987 war Juschtschenko als stellvertretender Abteilungsleiter der Staatsbank in Kiew für landwirtschaftliche Fragen wie Kolchosenkredit- und Finanzierungswesen zuständig. Ende 1987 wechselte er zur ukrainischen Republikzentrale der "Agroprombank" der Sowjetunion. 1990 wurde er stellvertretender Abteilungsleiter der als kommerzielle Aktiengesellschaft organisierten Landwirtschaftsbank Ukraina in Kiew. 1993 wurde Juschtschenko zum Vorsitzenden der ukrainischen Nationalbank berufen. Im Zuge der Loslösung der Ukraine von der UdSSR führte er erfolgreich die ukrainische Währung Griwna ein.

Im Jahr 1998 veröffentlichte Juschtschenko seine Dissertation über die "Entwicklung von Geldangebot und -nachfrage in der Ukraine". Mit seinem wirtschaftlichen Einfluss stieg in den folgenden Jahren auch seine politische Akzeptanz. Am 22. Dezember 1999 wurde Juschtschenko zum Premierminister der Ukraine gewählt. In dieser Position initiierte er eine marktwirtschaftliche Reform. Dabei etablierte sich der Ökonom als Vater der stabilen Währung. Im Inneren behauptete er sich als Bekämpfer der Korruption. Dadurch wurde Juschtschenko für die Oligarchen im Osten der Ukraine eine ernsthafte Gefahr. Durch ein Misstrauensvotum verlor Juschtschenko am 29. Mai 2001 das Amt des Regierungschefs.

Beobachter sahen in den gegen ihn gesponnen Machtintrigen die Absicht, den populären und westlich orientierten Politiker von einer Präsidentschaftskandidatur und einem möglichen Wahlsieg abzuhalten. Juschtschenkos Nachfolger im Amt des Premierministers wurde Anatoli Kinach von der "Partei der Industriellen Unternehmer Ukraine" (PIUU). Im Jahr 2002 fand Juschtschenko auf die politische Bühne zurück, indem er sich nun als Parlamentsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender der Oppositionspartei "Unsere Ukraine" engagierte. Im Juni 2002 wurde er Mitglied des Komitees für Bürgerangelegenheiten, nationale Minderheitenfragen und internationale Beziehungen. 2004 stellte sich Juschtschenko dem Präsidentschaftswahlkampf der Ukraine.

Während seiner Kandidatur wurde der beliebte Oppositionspolitiker jedoch Opfer eines Giftanschlags. Erste Symptome traten am 6. September 2004 während eines Essens mit dem Chef der ukrainischen Staatssicherheit, Igor Smeschko, auf. Die Ursache für die Krankheit war lange nicht geklärt, da man in der zivilen Medizin keine derartig dramatischen Krankheitsbilder kannte. Kurz darauf stellte man im Wiener Krankenhaus Rudolfinerhaus, in dem sich Juschtschenko zur Behandlung begab, eine Dioxinvergiftung fest. Dabei wurde in seinem Blut und Gewebe das 1000-fache der normalen Konzentration an TCDD-Dioxin gefunden. Durch die Vergiftung wurde das Hautgewebe seines Gesichtes derart geschädigt, dass es ihn bis zur Unkenntlichkeit entstellte.

Bei den Präsidentschaftswahlen vom 21. November 2004 ging zunächst Juschtschenko Konkurrent Viktor Janukowytsch als Sieger hervor. Die Ereignisse der Stichwahl mündeten jedoch in die so genannte "Orangene Revolution", einem mehrwöchigen friedlichen Protest gegen die erfolgten Wahlfälschungen, in dessen Folge nach einem Beschluss des Obersten Gerichts die Stichwahl am 26. Dezember 2004 wiederholt wurde. Aus dem dritten Wahlgang vom 26. Dezember 2004 ging dann Viktor Juschtschenko mit knapp 52% der Stimmen als deutlicher Sieger hervor. Der neue Präsident der Ukraine sah sich gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit der Anfechtung der Wahl durch den Gegenkandidaten konfrontiert: Janukowitsch reichte Klage beim Obersten Gericht gegen das Wahlergebnis ein.

Im März 2005 kam Juschtschenko zu einem Staatsbesuch nach Berlin. Im Juni 2005 besuchte er Paris. Der ukrainische Staatspräsident entließ im September 2005 seine Ministerpräsidentin Julia Timoschenko, die zwar als Aushängeschild der Demokratiebewegung galt, deren Regierung jedoch durch Korruptionsvorwürfe in Misskredit geraten war. Zum neuen Regierungschef bestellte er Juri Jechanurow. Viktor Juschtschenko war zuerst mit Swetlana Kolenik verheiratet. Seine zweite Ehe führt er mit der in den USA geborenen Tochter einer ukrainischen Emigrantenfamilie: Jekaterina Juschtschenko-Tschumatschenko. Aus beiden Ehen ist er Vater von drei Töchtern und zwei Söhnen.


Die Europäische Union (EU):
Mitgliedsstaaten und Regierungschefs

NameViktor Juschtschenko

Geboren am23.02.1954

SternzeichenFische 20.02 - 20.03

GeburtsortChoruschiwka (Ukraine).