Biografie

Ulf Merbold

Der Physiker und Raumfahrer avancierte als Astronaut der NASA Space-Shuttle "Columbia" 1983 zu einem der populärsten deutschen Wissenschaftler. Dabei war er fünf Jahre nach Sigmund Jähn der zweite Deutsche im All. 1992 startete Ulf Merbold mit dem NASA Space Shuttle "Discovery" zu seiner zweiten Weltraum-Mission. Während seiner zwei Shuttle-Flüge umrundete er 295 mal die Erde und hatte als Wissenschaftler und Ausbilder nachhaltigen Einfluss auf die Weltraumforschung im Allgemeinen. 1994 startete er zur russischen Raumstation "MIR" und damit zu seiner dritten Reise ins All. Ausgezeichnet wurde Merbold für seine Verdienste mit dem "Bundesverdienstkreuz Erster Klasse" und dem russischen "Orden der Freundschaft"...

Pioniere der Luft- und Raumfahrt
Ulf Dietrich Merbold wurde am 20. Juni 1941 im vogtaländischen Greiz als Sohn eines Lehrerehepaars geboren.

Aufgewachsen ist er als Einzelkind in bürgerlichen Verhältnissen in Wellsdorf. Sein Vater starb zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Merbold lebte ab 1945 mit seiner Mutter in Kurtschau. 1960 legte er das Abitur ab. Merbold, der in der DDR nicht Mitglied der FDJ und der SED war, wurde das Studium der Physik verweigert. Im selben Jahr, 1960, verließ er die DDR, um in West-Berlin das Studium der Physik aufzunehmen. Zum dritten Semester wechselte Merbold 1962 an die Universität Stuttgart. 1968 schloss er sein Studium als Diplom-Physiker ab. 1969 heiratete er Birgit Riester. 1975 und 1979 wurden die Kinder Susanne und Hannes geboren.

Im Jahr 1976 promovierte er an der Universität Stuttgart zum Dr. rer. nat. mit dem Dissertationsthema: Strahlenschädigung von stickstoffdotiertem Eisen nach Neutronen-Bestrahlung bei 140 Grad Celsius mit Hilfe von Restwiderstandsmessungen. 1973 wurde Ulf Merbold Stipendiat und Mitarbeiter des Stuttgarter Max-Planck-Instituts für Metallforschung. Hier forschte er auf dem Gebiet der Festkörper- und Tieftemperaturphysik. Im April 1977 folgte er einem Aufruf der DFVLR (Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt) zur Bewerbung des Spacelab-Programms der Europäischen Weltraumorganisation ESA.

Von 2.000 Wissenschaftlern, die sich bewarben, wurde Merbold im Dezember 1977 als dritter Kandidat neben Claude Nicollier und Wubbo Ockels für das Projekt ausgewählt und nach umfangreicher Ausbildung 1982 bestätigt. Unter dessen entfachte die Mission ein beachtliches Medieninteresse, das Ulf Merbold zu einem der populärsten Deutschen machen sollte. Am 28. November 1983 startete Merbold mit dem NASA Space-Shuttle "Columbia" vom Kennedy Space Center ins All. Dabei war Merbold der erste Nicht-US-Bürger auf einer Raumfähren-Mission. 72 wissenschaftliche Experimente in acht Disziplinen standen auf dem Programm, von Biologie über Plasmaphysik und Astronomie bis zu Materialwissenschaften.

Am 8. Dezember 1983 kehrte das Shuttle, nach 166 Erdumkreisungen, auf dem Edwards Air Force Base zur Erde zurück. Als Star reiste der Physiker nach Deutschland und avancierte zum gefragten Experten in zahlreichen Fernsehsendungen und Fachvorträgen. In seiner wissenschaftlichen Arbeit wurde er als Reserve-Nutzlastexperte und Verbindungssprecher um die erste rein deutsche Spacelab-Mission D1, die im Herbst 1985 tätig. Am ESA-Standort Noordwijk, Niederlande, arbeitete er an der Planung des Raumlabors Columbus, dem europäischen Beitrag zur Internationalen Raumstation (ISS), bis er die Leitung des DLR-Astronautenbüros in Köln übernahm.

Im Jahr 1988 wurde er als einer der Kandidaten für eine weitere Spacelab-Mission aufgestellt. Am 22. Januar 1992 startete Merbold mit dem NASA Space-Shuttle "Discovery" vom Kennedy Space Center ins All. Eine Woche forschte er als erster gesamtdeutscher Raumfahrer im All. Am 30. Januar 1992 kehrte das Shuttle, nach 129 Erdumkreisungen, auf dem Edwards Air Force Base zur Erde zurück. Nachdem Merbold die wissenschaftlichen Aspekte beim zweiten deutschen Spacelab-Flug D-2 koordinierte, trat er im August 1993 eine Ausbildung im Juri-Gagarin-Kosmonautentrainingszentrum in Moskau an. Gemeinsam mit dem Spanier Duque trainierte er für den europäisch-russischen Kooperationsflug "Euromir 94".

Duque wurde zum Ersatzmann für Merbold bestimmt, der Anfang Oktober 1994 mit den Kosmonauten Wiktorenko (Kommandant) und Kondakowa (Bordingenieurin) zu seinem dritten Raumflug aufbrach. Anfang Oktober 1994 startete Merbold zu seiner dritten Weltraummission. Einen Monat lang flog Merbold als erster ESA-Astronaut auf der russischen Raumstation MIR und absolvierte den bis dahin längsten Aufenthalt eines Westeuropäers im All. Dabei führte Merbold im europäischen Auftrag rund 30 Experimente durch. Im Januar 1995 übernahm Merbold die Leitung der Astronautenabteilung des European Astronaut Centre in Köln.

Im Jahr 1998 berief ihn die ESA wieder ins niederländische Noordwijk ans ESTEC. Dort arbeitete Merbold im Direktorat für bemannte Raumfahrt und zeichnete verantwortlich für den Bereich Nutzungsvorbereitung der ISS. Seit 2004 ist Merbold als Berater für die ESA tätig.


Pioniere der Luft- und Raumfahrt

NameUlf Merbold

Geboren am20.06.1941

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortGreiz (D).