Biografie

Thomas Reiter

Der deutscher Raumfahrer und Oberst der Luftwaffe vollzog über die Bundeswehr eine Bilderbuchkarriere, die ihn als Astronaut am 3. September 1995 an Bord von Sojus TM-22 zur russischen Raumstation MIR führte. Dabei wurde Reiter der erste deutsche Raumfahrer, der einen Weltraumausstieg unternahm. 1996 kehrte er nach 179 Tagen im All zur Erde zurück. Nach politischen und technischen Verzögerungen verließ Thomas Reiter am 4. Juli 2006 mit einem NASA Space-Shuttle erneut die Erde. Als Mitglied der ISS-Expedition 13 verbrachte er zusammen mit seinem Kollegen 166 Tage an Bord der Raumstation, um dann mit der Shuttle-Mission STS-116 zur Erde zurückzukehren...

Pioniere der Luft- und Raumfahrt
Thomas Arthur Reiter wurde am 23. Mai 1958 in Frankfurt am Main geboren.

Aufgewachsen ist Reiter zunächst in Frankfurt a.M. In Neu-Isenburg besuchte er das Goethe-Gymnasium, wo er im Juni 1977 das Abitur ablegte. Im Abschluss absolvierte er den Wehrdienst mit anschließender Verpflichtung zum Berufssoldaten bei der Luftwaffe. An der Bundeswehr Universität in Neubiberg in Oberbayern studierte er Luft- und Raumfahrttechnik. Im Dezember 1982 beendete er sein Studium an der Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik als Diplomingenieur. Darauf folgte seine Ausbildung zum Kampfpiloten auf der Sheppard Air Force Base in Texas, USA. Stationiert wurde Reiter darauf beim Jagdbombergeschwader 43, das sich bis zu seiner Auflösung im Jahre 1994 auf dem Fliegerhorst Oldenburg in Niedersachsen befand.

Hier flog Thomas Reiter Einsätze auf Kampfflugzeugen des Musters "Alpha Jet", war Flugeinsatzoffizier und schließlich stellvertretender Staffelchef. Als die europäische Weltraumorganisation ESA 1989 begann Bewerber für ihre zweite Astronautengruppe zu suchen, meldete sich Reiter zusammen mit weiteren 22.000 Europäern. Indes besuchte er in Oberbayern die Wehrtechnische Dienststelle 61 in Manching, die er 1990 als Testpilot 2. Klasse abschloss. 1991 absolvierte er einen Aufbaukurs zum Piloten des europäischen Kampf-Jets "Tornado". 1991 bis 1992 besuchte er die britische Testpilotenschule ETPS (Empire Test Pilots School), wo Reiter das Diplom zum Testpiloten 1. Klasse erwarb. Im Mai 1992 wurde Reiter mit sechs Anwärtern als ESA-Pilot der Öffentlichkeit vorgestellt.

Anfang Juni 1992 fanden sich fünf der sechs Anwärter in Köln ein, um am European Astronaut Centre (EAC) ihre Ausbildung anzutreten. Im August 1993 reisten Thomas Reiter und Ulf Merbold nach Moskau. Im Juri-Gagarin-Kosmonautentrainingszentrum bereiteten sie sich mit ihren Kollegen auf die "Euromir" vor. Am 3. September 1995 startete Reiter an Bord von Sojus TM-22 zur russischen Raumstation. Zusammen mit den Kosmonauten Gidsenko und Awdejew bildete er die 20. MIR-Langzeitbesatzung. Am 20. Oktober 1995 wurde Reiter der erste deutsche Raumfahrer, der einen Weltraumausstieg unternahm, als er mit Bordingenieur Awdejew für fünf Stunden die Raumstation verließ. Anfang Februar 1996 stieg er mit Kommandant Gidsenko für drei Stunden ein zweites Mal aus. Im November 1995 erhielt die Mannschaft Besuch, als die Space-Shuttle-Mission STS-74 mit der Atlantis andockte.

Über fünf Tage arbeiteten acht Raumfahrer an Bord der MIR, bis die Atlantis wieder den Rückflug zur Erde antrat. Reiter und seine zwei russischen Kollegen lebten insgesamt 176 Tage, 20 Stunden und 50 Minuten an Bord der MIR. Am 29. Februar 1996 verließen die drei in einer Sojus-Kapsel die MIR und kehrten nach 179 Tagen im All zur Erde zurück. Ab Oktober 1996 nahm Reiter an einer Intensivausbildung für Sojus-Raumschiffe teil. Am 24. Juli 1997 erhielt er das Zertifikat, eine Sojus-TM-Kapsel mit drei Besatzungsmitgliedern als Kommandeur für den Wiedereintritt zu leiten. In der Zeit von September 1997 bis März 1999 leistete Reiter seinen Dienst bei der Luftwaffe. Ab April 1999 nahm Reiter seinen Dienst als ESA-Raumfahrer wieder auf und arbeitete am europäischen ATV-Transportfahrzeug. Im Sommer 1999 reiste er erneut nach Moskau.

Bei einer neunmonatigen Einweisung erlernte er dem Umgang mit den russischen Segmenten der Internationalen Raumstation ISS. Ab September 2001 verstärkte Reiter zwei Jahre lang das Projektteam für das Forschungslabor Columbus, den europäischen Beitrag zur ISS. Nach politischen und technischen Verzögerungen startete Thomas Reiter am 4. Juli 2006, nach mehreren Verschiebungen und zwei Countdown-Abbrüchen, mit STS-121 zur ISS. Zwei Tage später erreichte das Shuttle die ISS. Reiter zählte seitdem zur ISS-Expedition 13. Zusammen mit seinem amerikanischen Kollegen Jeffrey Williams verließ er vier Wochen nach seiner Ankunft für sechs Stunden die ISS und führte Reparaturen und Wartungsarbeiten durch. Reiter lebte und arbeitete 166 Tage bis zum 19. Dezember 2006 an Bord der Raumstation und kehrte am 22. Dezember 2006 mit der Shuttle-Mission STS-116 zur Erde zurück.

Für das kanadische Fernsehen verdiente sich Reiter als Kommentator der Fernsehreihe Aerospace. Das Luft- und Raumfahrtmagazin wurde Ende der 1990er Jahre produziert und lief im Rahmen der BR-Sendung Spacenight sowie im Discovery Channel.

Thomas Reiter ist verheiratet und lebt mit seiner Frau Consuela in Rastede (Landkreis Ammerland) nahe Oldenburg. Gemeinsam sind sie Eltern von zwei Söhnen.


Pioniere der Luft- und Raumfahrt

NameThomas Reiter

Geboren am23.05.1958

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortFrankfurt a.M. (D).