Biografie

Thomas Klestil

Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler und Diplomat stellte von 1992 bis zu seinem Tod 2004 den österreichischen Bundespräsidenten. Davor vollzog Thomas Klestil eine über 30jährige Karriere im höheren diplomatischen Dienst der Republik Österreich. Von 1992 bis 2004 amtierte Thomas Klestil für die konservative ÖVP als Bundespräsident. In seiner zweiten Amtszeit trug der bewährte Diplomat wesentlich zur Bewältigung der inneren und außenpolitischen Krise bei, in die das Alpenland 2000 aufgrund der Regierungsbeteiligung der rechtspopulistischen FPÖ geraten war...

Die Europäische Union
Thomas Klestil wurde am 4. November 1932 in Wien geboren. Sein Vater stammte aus Böhmen und arbeitete bei der städtischen Straßenbahn.

Nach dem Schulbesuch nahm Klestil 1952 ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in der österreichischen Hauptstadt auf. Auf das kaufmännische Diplom von 1956 folgte im Jahr darauf die Promotion. Während seiner Studienzeit trat Klestil in die "Österreichische Volkspartei" (ÖVP) ein. Er engagierte sich auch in katholischen Studentenverbindungen. Unmittelbar nach dem Promotionsabschluss erhielt Klestil eine Beschäftigung im Bundeskanzleramt der Republik Österreich, wo er im "Büro für Wirtschaftskoordination" zu arbeiten begann. Von 1959 bis 1962 wurde er als österreichischer Vertreter zur "Organisation for European Economic Cooperation" (OEEC), heute: "Organisation for Economic Cooperation and Development" (OECD), nach Paris entsandt.

Im Anschluss daran war Klestil abermals im diplomatischen Dienst tätig: Als Wirtschaftsattaché wirkte er vier Jahre lang an der österreichischen Botschaft in Washington. 1966 unterbrach Klestils Eintritt in die Regierung von Bundeskanzler und Parteikollegen Josef Klaus seine Auslandsmissionen. Deren Fortsetzung erlebte er von 1969 bis 1974, als er als Generalkonsul nach Los Angeles berufen wurde. Nach seiner Rückkehr betreute Klestil im Wiener Außenministerium die Repräsentanzen internationaler Organisationen wie etwa der UNO in der österreichischen Hauptstadt. In den Jahren 1978 bis 1982 wirkte Klestil als Ständiger Vertreter der Alpenrepublik bei der UNO-Zentrale in New York. Daran schloss sich die Funktion des österreichischen Botschafters in den USA an, die er bis 1987 in Washington wahrnahm.

Im Jahr 1987 stieg er als Generalsekretär für Auswärtige Angelegenheiten zur höchsten Führungskraft im Wiener Außenministerium auf. Hier stellte er seine im langjährigen diplomatischen Dienst gewonnenen Erfahrungen bei zahlreichen Repräsentationsanlässen im In- und Ausland unter Beweis. Nach seiner erfolgreichen Wahl trat Klestil im Juli 1992 in der Nachfolge seines umstrittenen Amtsvorgängers Kurt Waldheim die Funktion des Bundespräsidenten der Republik Österreich an. Dem neuen Staatsoberhaupt gelang es innerhalb kürzester Zeit, durch zahlreiche Staatsbesuche und Kontaktaufnahmen das internationale Ansehen Österreichs wiederherzustellen, nachdem dieses wegen der Wehrmachtsvergangenheit seines Vorgängers Schaden erlitten hatte.

Im Jahr 1994 erregte Klestil internationale Aufmerksamkeit, als er anlässlich seines Israel-Besuchs als erster österreichischer Bundespräsident eine Mitschuld seines Landes am Holocaust einräumte. Wesentlichen Anteil hatte der Bundespräsident auch am EU-Beitritt der Republik, der zum Jahresbeginn 1995 vollzogen wurde. Nach einer schweren und langwierigen Krankheit wurde Klestil im Frühjahr 1998 für eine zweite Amtszeit wiedergewählt, die er im Juli desselben Jahres antrat. Bereits im darauffolgenden Jahr forderte das Ergebnis der Nationalratswahlen vom Oktober 1999 den Bundespräsidenten zur Einflussnahme heraus: Er beauftragte den Bundeskanzler und Vorsitzenden der "Sozialdemokratischen Partei Österreichs" (SPÖ), Viktor Klima, mit der Regierungsbildung, die allerdings scheiterte.

Nach entsprechenden Koalitionsvereinbarungen zwischen der rechtspopulistischen "Freiheitlichen Partei Österreichs" (FPÖ) und der ÖVP vereidigte Klestil Anfang Februar 2000 die neue Regierung aus ÖVP und FPÖ unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Die daraufhin vollzogenen EU-Sanktionen gegen die Alpenrepublik veranlassten Klestil in den folgenden Monaten, immer wieder vehement für eine Aufhebung der internationalen und diplomatischen Isolation Österreichs einzutreten. Die im September 2000 von der EU beschlossene Aufhebung der Sanktionen gegen Österreich wurde auch den Bemühungen des Bundespräsidenten zugeschrieben. Klestil wurde aufgrund seiner hohen diplomatischen Verdienste mehrmals im Ausland ausgezeichnet.

Klestil erhielt die Ehrendoktorwürde der Universitäten Los Angeles und Bangkok. 1998 ehrte man ihn mit dem "Orden des Weißen Doppelkreuzes", der die höchste Auszeichnung des slowakischen Nachbarstaates darstellt. Er war privat seit 1998 in zweiter Ehe mit der Diplomatin Margot Löffler verheiratet und aus erster Ehe Vater dreier Kinder.

Thomas Klestil verstarb am 6. Juli 2004 in Wien. Sein Nachfolger im Amt des österreichischen Staatsoberhauptes, Heinz Fischer, übernahm zwei Tage später die Geschäfte.


Die Europäische Union

NameThomas Klestil

Geboren am04.11.1932

SternzeichenSkorpion 24.10 - 22.11

GeburtsortWien (A).

Verstorben am06.07.2004

TodesortWien (A).